Natürlich nachhaltig

Tina Diepschlag lebt so nachhaltig wie möglich

Tina Diepschlag achtet vor allem darauf, Müll zu vermeiden. Zum Beispiel mit Stoffbeuteln, Brotboxen und alten Eierkartons.
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Tina Diepschlag achtet vor allem darauf, Müll zu vermeiden. Um das zu schaffen, nutzt sie zum Beispiel Stoffbeutel, Brotboxen und alte Eierkartons.

Tina Diepschlag lebt vegan und vermeidet Müll, wo es geht. Zum Beispiel erlaubt sie sich pro Woche nur ein in Plastik verpacktes Produkt.

Von Valeria Schulte-Niermann

Bergisches Land. Keine tierischen Produkte konsumieren, regional einkaufen, keinen Müll produzieren, kein Auto fahren – all das sollte man im Idealfall tun, um nachhaltig zu leben. Doch lässt sich das auch im Alltag hinbekommen? Die Remscheiderin Tina Diepschlag schafft das – zumindest teilweise. Perfekt ist die 38-jährige Sales-Managerin im Dentalvertrieb aber auch nicht. Sie bemüht sich aber und bringt das nachhaltige Leben mit ihrem Ehemann und einem Vollzeitjob unter einen Hut.

Auch Volontärin Valeria Schulte-Niermann hat versucht, eine Woche keinen Müll zu produzieren.

Natürlich nachhaltig

Vegetarisch isst sie schon immer, obwohl – oder weil – sie in einer Fleischesserfamilie aufgewachsen ist. „Es wurde in solchen Ausmaßen konsumiert, dass mich das schockiert hat“, berichtet sie. „Ich habe immer gefragt, wo das Fleisch herkommt, von welchem Tier und welchem Körperteil.“ Da ihre Familie viele Lebensmittel selber anbaute und auch Hühner hielt, sah sie auch bei einer Geflügelschlachtung zu. „Das hat auch einen Schock bei mir hinterlassen“, erinnert sie sich. Als Kind war es für sie unverständlich, Lebewesen zu essen.

Natürlich nachhaltig

Wir haben nicht das Recht, Tiere zu konsumieren.

Tina Diepschlag

Wegen einer Salmonellenvergiftung durch verdorbene Ostereier isst sie seit ihrem siebten Lebensjahr auch keine Eier mehr. An das komplett vegane Leben hat sie sich als Erwachsene langsam herangetastet. Früher war ihr gar nicht bewusst, dass auch für Käse und Milch Tiere sterben. „Ich finde, wir Menschen haben nicht das Recht, Tiere zu konsumieren“, sagt sie.

Volontärin Alexandra Dulinski hat versucht eine Woche vegan zu leben.

Einmal pro Woche gibt es ein verpacktes Produkt

Neben der veganen Lebensweise hat sie vor zwei Jahren angefangen, ihren Plastikmüll zu sammeln und seitdem erst zwei kleine Säcke zusammen. „Das Hauptproblem sind Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel. Die sind immer in Plastik verpackt“, sagt sie. Und einmal pro Woche gönnt sie sich ein in Plastik verpacktes Lebensmittel – eine Tüte Chips oder ein veganer Joghurt. „Ein Teil, mit dem ich quasi sündige“, sagt Diepschlag und lacht.

In zwei Jahren produzierte Tina Diepschlag nur diese beiden Säcke Plastikmüll.

Doch auch bei anderen Produktionen kommt Tina Diepschlag um die Plastikverpackung nicht herum: Das gelte etwa für viele vegane Alternativprodukte und auf Bananen sei oft ein Sticker geklebt. „Mangos haben ein Branding, warum geht das bei Bananen nicht?“, fragt sie.

Für Plastikmülltüten hat Diepschlag noch keine gute Alternative gefunden. Papiertüten und pflanzliche Alternativen weichen oft durch. Eine Idee ist, alte Tüten zu nehmen oder Klopapierverpackungen.

Ganz ohne Müll geht es aber nicht. Das meiste ihres Biomülls kommt auf den Kompost, Rest- und Papiermüll in die Tonnen. Neben Geschirrtüchern und waschbaren Küchentüchern verwendet sie auch noch immer wieder eine Rolle Küchenpapier.

Hier geben wir Tipps, wie Solinger Müll vermeiden können.

Tina Diepschlags Auto fährt mit LPG - das spart CO2

Trockene Lebensmittel und Gewürze können gut in Gläser abgefüllt werden.

Ihr Ehemann ist kein Veganer, nicht einmal Vegetarier. Seine tierischen Produkte kauft sie jede Woche so nachhaltig wie möglich ein. „Für meinen Mann ist das oft zu stressig“, weiß Tina Diepschlag. Jeden Samstag macht sie eine große Einkaufstour mit ihrem Auto, das zumindest mit LPG fährt und somit weniger CO2 ausstößt als bei der Verbrennung von Benzin. Sie findet es auch nachhaltiger einmal die Woche mit dem Auto einzukaufen als jeden Tag ein bisschen.

Dann geht es zum Unverpackt-Laden, auf den Markt und in den Bioladen. „Wenn man saisonal bei unseren Bauern einkaufen geht, ist das nicht nur nachhaltiger, sondern auch gesünder und günstiger“, hat Tina Diepschlag festgestellt. Das gleiche die etwas höheren Preise in Unverpackt-Läden aus.

Auf dem Regal lagert Tina Diepschlag einige unverpackte Produkte.

An den Frischetheken bekommt sie Fleisch und Käse in ihre mitgebrachten Dosen gelegt und der Bäcker packt alles in ihre Brottaschen. „Ich bin auch bereit, den Verkäufer zu fragen, ob ich ihm meine Dose geben kann“, sagt sie. Am Anfang koste das ein wenig Überwindung, mittlerweile mache ihr das aber nichts mehr aus. Nur bei der Frage, ob Eier und Milch in den Backwaren enthalten sind, wird sie manchmal schief angeschaut.

Alles, was nicht regional wächst, kauft sie in Bio-Qualität. Doch bei regionalen Lebensmitteln ist es ihr wichtiger, die Bauern zu unterstützen und dass das Obst und Gemüse keine langen Transportwege zurücklegt. Dort erlebe man die Landwirtschaft und sieht die Würmer in der Erde. „Mehr Bio geht nicht, dafür braucht man kein Gütesiegel“, sagt sie. Dennoch findet sie, dass es leichter sein sollte, regional, unverpackt und Bio-Qualität auch in Discountern einzukaufen.

Für Selbstversorgung fehlt ihr die Zeit

Tina Diepschlag trocknet Kräuter und Blumen in ihrer Küche.

Obst und Gemüse würde Tina Diepschlag auch gerne im Garten anpflanzen. Zumindest wachsen bei ihr schon einige Kräuter, die sie in der Küche trocknet. Allerdings fehlt ihr die Zeit, sich um ein Beet zu kümmern. Aber: „Alles ist Zeit, Arbeit, Geld, das man investieren muss“, weiß sie.

Selbstversorgung sei ein Vollzeitjob. Neben ihrer Arbeit bleibt nicht viel Zeit, um Drogerieprodukte oder Aufstriche selber herzustellen. Außerdem müsse man abwägen, wie viel Energie man in etwas Selbstgemachtes hineinsteckt. Denn das verbraucht auch wieder Ressourcen: Strom für den Herd, Wasser zum Abspülen und Platz im Lagerraum.

Gerne würde Tina Diepschlag mehr im Garten anpflanzen. Dafür fehlt allerdings die Zeit. Zumindest wachsen einige Erdbeeren.

Tina Diepschlag weiß, Nachhaltigkeit kann anstrengend sein. Doch es regt auch die Kreativität an. Geschenke können in Zeitung verpackt und mit Dingen aus der Natur verziert werden. „Nachhaltigkeit soll Spaß machen und darf nicht die Lust verderben.“ Dennoch solle man sich auch mal trauen und zum Beispiel den Döner in eine mitgebrachte Box legen lassen – und die schiefen Blicke aushalten. „Ich wünsche mir, dass das selbstverständlicher wird, dass man nicht als Öko dasteht“, sagt Diepschlag. Für sie ist ein perfektes nachhaltiges Leben eine Utopie, die jeder selber definieren kann. Denn niemand ist perfekt und jeder kann sich seine eigenen Schwerpunkte setzen.

Tipps für ein nachhaltiges Leben

-kab- Ein nachhaltiges Leben fängt im Kleinen an. Dabei gilt: Wer sich selbst sagt, ich möchte etwas ändern, hat bereits einen guten Anfang geschaffen. Hier sind einige Beispiele:

  • beim Einkaufen im Supermarkt wenig Verpacktes kaufen oder die Lebensmittel schon im Supermarkt auspacken
  • in einen Unverpackt-Laden oder einen Bauern-Laden gehen
  • Regenwasser in einer Regentonne zum Blumengießen auffangen
  • Müll richtig trennen
  • Dinge reparieren anstatt sie wegzuschmeißen
  • kürzer Duschen, um weniger Wasser zu verbrauchen
  • keinen Perfektionismus etwa von selbstgebauten Möbelstücken erwarten
  • im Second-Hand-Laden einkaufen

Auch die Solinger Familie um Angela Thiel achtet in allen Lebensbereichen auf Nachhaltigkeit.

Serie

Hier finden Sie alle Folgen der Serie „Natürlich nachhaltig“.

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