Bergischer Geschichtsverein

2. Weltkrieg: Gescheiterte Bombenangriffe auf Solingen

Zahlreiche Bombenkrater im Gebiet von Schloss Burg belegen, dass am 4. November 1944 die britschen Flieger das Ziel Solingen verfehlt hatten. Foto: Stadtarchiv Solingen
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Zahlreiche Bombenkrater im Gebiet von Schloss Burg belegen, dass am 4. November 1944 die britschen Flieger das Ziel Solingen verfehlt hatten.

Die 37. Ausgabe von „Die Heimat“ des Bergischen Geschichtsvereins ist erschienen.

Von Philipp Müller

Solingen. Am 30. November 1943 hatten die Bomberpiloten der 8th US Air Force Solingen als Angriffsziel. Doch schlechtes Wetter und große Kälte in der Höhe ließen nicht zu, dass die Bomber sich zu einem zielgerichteten Verband für die „VIII Bomber Command Mission 143“ aufbauen konnten. Die Bomben landeten schließlich verstreut bis ins Oberbergische. Der Solinger Historiker Jürgen Weise hat das für die neuste Ausgabe von „Die Heimat“ des Bergischen Geschichtsvereins untersucht und aufgeschrieben. Das 104-seitige Heft widmet sich daneben auch dem Thema Flüchtlinge und Vertriebene in der Nachkriegszeit.

Die Solinger Gruppe des Bergischen Geschichtsvereins veranstaltet nicht nur Exkursionen und Themenabende, sie gibt auch jährlich ein Heft heraus, dass sich ganz unterschiedlichen Aspekten der Stadtgeschichte widmet. Die Zeit des Nazis-Regimes, dessen Folgen und die Schicksale der Opfer rücken dabei oft in den Mittelpunkt.

2021 ging es um Berichte von Zeitzeugen des Kriegsendes

So auch in der aktuellen Ausgabe. Dr. Weise stellt die Bombenangriffe auf Solingen in den Gesamtzusammenhang der Strategie, mit der Amerikaner und Briten den Bombenkrieg aufs deutsche Reichsgebiet ausrollten. Das machten sie nicht immer erfolgreich.

Durch den am 30. November 1943 missglückten Luftschlag entging Solingen sicherlich einem Inferno.

Dr. Jürgen Weise, Historiker

Am Beispiel 30. November 1943 und dem ebenfalls gescheiterten Versuch der Wiederholung einen Tag später zeigt Weise auf, dass Wetter, die Flak der Wehrmacht und die unzuverlässige Technik der Zielortung den Bombenkrieg manchmal zum Glücksspiel machten. „Durch den für den 30. November 1943 angesetzten missglückten Luftschlag gegen Solingen entging die Stadt sicherlich einem Inferno“, schreibt Weise.

Auch die Angriffe vom 4. und 5. November 1944 auf die Klingenstadt untersucht er. Da war das britische Bomber Command im Einsatz. Weise berichtet, der erste Angriff, der vor allem Ziele in der Südstadt bis zum Hauptbahnhof getroffen hatte, sei von den Engländern als Misserfolg gewertet worden. Daher sei am nächsten Tag der nächste Angriff erfolgt, der Alt-Solingen in Schutt und Asche gelegt hatte.

Solingen: Archivar zieht Bilanz

Weises Ausführungen bestechen durch viel Zahlenmaterial, das der frühere Kölner Archivar akribisch zusammengestellt hat. Auch ordnet er Erfolge und Misserfolge der Angriffe ein, stellt heraus, wie die Ergebnisse militärischer Propaganda nützen. Auch stellt er die Zahlen von geschätzten 500.000 Todesopfern aller Bombenangriffe auf zivile und wirtschaftliche Ziele den mehr als 100.000 im Einsatz gestorbenen Piloten und Besatzungsmitgliedern gegenüber. Dazu zieht er nüchtern die Bilanz, dass die Bombenangriffe nicht kriegsentscheidend gewesen seien.

Für Ralf Rogge, ebenfalls Historiker und langjähriger Leiter des Solinger Stadtarchivs, sind Weises Ausführungen eine wichtige und gelungene Zusammenstellung, auf deren Basis weiter geforscht werden könne.

Rogge selbst widmet sich in der 37. Ausgabe von „Die Heimat“ der Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen deutschen Ursprungs nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie kamen bis zum Mauerbau 1961 in mehreren Wellen – teils zugewiesen, teils auf eigene Faust – und stellten die Stadtverwaltung vor riesige Aufgaben in den Punkten Ernährung und Unterbringung. Das mischt Rogge mit den Erfahrungen und Erzählungen der eigenen Familie, die ebenfalls nach den Wirren des Krieges in der Klingenstadt gelandet war.

Bilder aus vergangenen Zeiten

Neue Ausgabe von „Die Heimat“

Die bisher erschienenen 37 Ausgaben von „Die Heimat“ enthalten Beiträge zur Geschichte Solingens und des Bergischen Landes. Mitglieder des Vereins und Historiker verfassen die Artikel. Hinweise auf die Quellen ermöglichen eine wissenschaftliche Vertiefung der Arbeiten. Die Berichte sind ein wichtiger Bestandteil zum Erhalt des Gedächtnisses der Stadt Solingen.

Aktuelle Ausgabe: Unter der ISBN-Nummer 978-3-925626-52-4 ist das Heft im Buchhandel erhältlich oder direkt beim Verein: bgv@bgv-solingen.de

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