Orchester

Die Bergischen Symphoniker spielen im Juni wieder

Generalmusikdirektor Daniel Huppert (vorn, Mitte, mit Taktstock) umgeben von den Bergischen Symphonikern. Foto: Emil Zander/Bergische Symphoniker
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Generalmusikdirektor Daniel Huppert (vorn, Mitte, mit Taktstock) umgeben von den Bergischen Symphonikern.

Generalmusikdirektor Daniel Huppert über Kurzarbeit, das nächste Konzert und die neue Spielzeit

Das Gespräch führte Melissa Wienzek 

Seit rund zehn Wochen herrscht Corona-Zwangspause, auch für die Bergischen Symphoniker. Sind diese nun in Kurzarbeit?

Daniel Huppert: Ja, wir sind gerade auf dem Weg, in die Kurzarbeit zu gehen. Unser Plan ist es aber, das Orchester möglichst zügig wieder aus der Kurzarbeit rauszuholen. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass auch wir unseren gesellschaftlichen Beitrag leisten wollen. Orchester waren bislang noch nie in Kurzarbeit. Das ist für uns eine Situation, wie für viele andere Branchen auch, die einfach neu ist.

Laut der neuen Coronaschutzverordnung dürfen Konzerte mit bis zu 100 Gästen mit entsprechendem Konzept wieder stattfinden. Wann treten die Symphoniker wieder in Remscheid und Solingen auf?

Huppert: Wir planen anstelle des 10. Philharmonischen Konzertes ein einstündiges Konzert – am 24. Juni in Remscheid, Solingen prüft derzeit einen Termin und Bedingungen, unter denen Konzerte stattfinden können. Es war mir wichtig, dass sich das Orchester wenigstens von seinem Publikum in die Sommerpause verabschieden kann und wir zumindest in kleiner Besetzung zeigen, was wir können. Wir möchten dem Publikum trotz allem eine kleine musikalische Praline mitgeben.

Was erwartet die Gäste bei diesem Konzert?

Huppert: Dies soll keine abgespeckte Version des 10. Philharmonischen Konzerts sein, sondern ein ganz anderes Konzert. Ich muss mir noch einen schönen Titel dafür einfallen lassen (lacht). Es werden dabei viel weniger Musiker als gewohnt auf der Bühne stehen. Auch der Einsatz von Bläsern ist zurzeit noch fragwürdig. Denn auch hier muss der notwendige Abstand eingehalten werden, die Sicherheit der Kollegen geht vor. Wir werden auch ein ganz anderes Repertoire spielen – eine Stunde lang, ohne Pause. Wir erarbeiten gerade ein Konzert- und Probenkonzept nach der aktuell gültigen Coronaschutzverordnung. Dieses kann sich jedoch noch ändern.

Dieses muss ja ganz bestimmte Hygienestandards erfüllen.

Huppert: Genau. Dabei geht es um Fragen wie: Wie groß muss der Abstand zum Publikum sein? Wie weit müssen die Musiker bei Proben und im Konzert auseinandersitzen? Dafür gibt es bislang nur wenige Richtlinien. Da geht es uns wie zum Beispiel den Gastronomen oder wie vielen anderen Bereichen auch.

Hat die Corona-Krise Auswirkungen auf die neue Spielzeit?

Huppert: Das können wir im Moment noch nicht klar sagen. Aber wir wollen die neue Spielzeit im Juni-Konzert trotzdem vorstellen, wie wir sie ursprünglich geplant haben. Wenn die Restriktionen auch nach dem 31. August noch greifen – das 1. Philharmonische Konzert der neuen Spielzeit ist am 1. September –, können wir im schlimmsten Fall das Programm noch einmal anpassen. Trotz der schwierigen Situation bin ich optimistisch, dass wir in die nächste Saison starten und das meiste davon realisieren können. Es ist auch ein Novum für die Theater und die Städte. Jede muss ein eigenes Konzept für ihr Theater erarbeiten.

Dürfen die Musiker zurzeit überhaupt nicht proben?

Huppert: Nein. Sie müssen sich aber trotzdem fit halten und täglich zu Hause üben. Ich weiß aber zum Beispiel von den Blechbläsern, dass sie sich im Wald getroffen haben zum Üben. Das ist ein Hochleistungssport, da muss man fit bleiben. Die Kollegen waren sehr erfinderisch, was mich sehr beeindruckt hat: Im Theater und Konzerthaus Solingen haben wir Kammermusiken aufgeführt, die per Videokamera aufgenommen wurden. Zudem haben wir die kleine Online-Reihe „Sonderedition Interview“ bei Facebook entwickelt, bei der sich Orchestermusiker, das Team und weitere Persönlichkeiten vorstellen. Auch von mir ist dort ein kurzes Statement zur aktuellen Situation verfügbar.

Die Symphoniker sind erst seit kurzem im ruhigeren Fahrwasser, dennoch gibt es den Orchestersoli, der zum Überleben der Symphoniker beitragen soll. Wie steht es finanziell um das bergische Orchester?

Huppert: Die Corona-Krise wird das Orchester finanziell nicht in seiner Existenz bedrohen. Dazu haben wir die Zusage von den beiden Oberbürgermeistern. Ich denke auch, das wäre jetzt in dieser Zeit das absolut falsche Signal. Ich hege die Hoffnung, dass derjenige, der sonst die Nase über die Kultur rümpft, jetzt merkt, wie wichtig sie ist. Ein Videostreaming ist toll, aber kein Vergleich zu einem Live-Konzert. So furchtbar diese Krise auch ist, sie hat vielleicht dazu geführt, dass uns bewusster wird, was die Kultur für ein Geschenk ist.

Zur Person

Daniel Huppert stammt aus Rheinland-Pfalz. Er ist seit Beginn der Spielzeit 2019/2020 neuer Generalmusikdirektor der Bergischen Symphoniker. Er folgte auf Peter Kuhn. Huppert ist zudem bis Sommer 2020 in Schwerin Generalmusikdirektor der Mecklenburgischen Staatskapelle. Seit der Saison 2016/2017 ist er zudem Chefdirigent der Zuger Sinfonietta in der Schweiz. Bis 2019 war er darüber hinaus Professor für Dirigieren an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock. Huppert studierte selbst in Saarbrücken und Weimar. Daniel Huppert ist mehrfacher Preisträger internationaler Dirigierwettbewerbe.

Weitere Infos: bergischesymphoniker.de;

danielhuppert.com

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