Zukunftsperspektive

Berater: Solingen muss sich neu erfinden

Eine Fachhochschule im Verwaltungsgebäude an der Bonner Straße ist eine Zukunftsvision des Beraters Rolf Niederhagen. Fotos (2) Christian Beier
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Eine Fachhochschule im Verwaltungsgebäude an der Bonner Straße ist eine Zukunftsvision des Beraters Rolf Niederhagen.

Das Prinzip „global denken, lokal handeln“ ist für den international tätigen Unternehmensberater Rolf Niederhagen keine Phrase, sondern eine Notwendigkeit. Seine Heimatstadt Solingen müsse sich dementsprechend neu ausrichten, Firmen sollten sich international vernetzen.

Von Andreas Tews

In einem Konzept stellt er darüber hinaus eine Fachhochschule in Ohligs und ein Zentrum für neu gegründete Firmen in Innenstadtnähe zur Diskussion. Ideen hat er auch für Burg, Gräfrath und Wald.

Standpunkt von Andreas Tews

Viele Experten warnen davor, dass sich die deutsche Wirtschaft nicht ausreichend auf die Globalisierung und die Möglichkeiten digitaler Kommunikationstechnik einstelle. Während sich Volkswirtschaften wie die in Indien konsequent auf den Weg machten, liege man in Deutschland gedanklich noch am Strand und merke nicht, dass ein ökonomischer „Tsunami“ auf uns zurolle, warnt auch Niederhagen.

Rolf Niederhagen will eine Diskussion anregen.

Für Solingen geht er davon aus, dass es kein einheitliches Konzept für die ganze Klingenstadt geben kann. „Solingen besteht aus fünf eigenen Städten“, sagt der 66-Jährige. Für jeden Stadtbezirk hat er eine Zukunftsidee.

Ohligs könnte nach seiner Meinung Standort einer – möglicherweise privat finanzierten – Fachhochschule (FH) sein. Die kann er sich im städtischen Verwaltungsgebäude Bonner Straße 100 vorstellen. Die Verwaltung solle in andere Bürogebäude, zum Beispiel das alte Finanzamt an der Goerdelerstraße, umziehen.

Der Themenschwerpunkt bei der dual angelegten FH-Ausbildung könnte in der Galvanisierungstechnik liegen. Die FH böte den Unternehmen die Möglichkeit, Nachwuchskräfte bereits während ihrer Ausbildung kennenzulernen. „Wir brauchen Ingenieure“, gibt Niederhagen zu bedenken.

Einen weiteren Ansatz nennt der Unternehmensberater „Kotten 4.0“. Gemeint ist damit ein Zentrum für Unternehmensgründer, die in kleinen Gebäuden nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen. Das kann er sich auf dem Evertz- und Omega-Areal an der Kölner Straße vorstellen. Die Gründer könnten von der Nähe zueinander und zu größer aufgestellten Unternehmen in der Region sowie von der weltweiten digitalen Vernetzung profitieren. Als möglichen Themenschwerpunkt sieht Niederhagen den 3D-Druck, den auch das nahe gelegene Gründer- und Technologiezentrum im Fokus hat. „Kotten 4.0“ könne eine Sogwirkung entfachen, die immer mehr Start-up-Unternehmen anlockt. Die Stadtverwaltung sollte die Gründer unterstützen, indem sie für sie einen festen Anlaufpunkt schafft.

Burg, Wald und Gräfrath eignen sich als Besuchermagneten

Als Magnet für Besucher und damit als Wirtschaftsfaktor sieht der Berater Wald. Für diesen Stadtteil stellt er sich ein Zentrum der Werksverkäufe von Besteckwaren-Unternehmen und verwandten Branchen vor. Gräfrath könnte sich als Standort der Süßwarenfachschule das Thema „Gourmet“ geben. Für Burg mit seiner Nähe zur Natur würde sich laut Niederhagen „Live Balance“ anbieten.

Ein Standort für Firmengründer ist auf dem Omega- und Evertz-Gelände in Innenstadtnähe denkbar.

Seine Vorschläge hält der Unternehmensberater nicht für gesetzt. Mit seinem Konzept will er eine Diskussion über die Zukunft des Standortes Solingen anregen. Das begrüßt der Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, Frank Balkenhol. Die Überlegungen zum Thema „Kotten 4.0“ bezeichnete er auf Anfrage als „interessant“. Allerdings sei das Gründer- und Technologiezentrum nach seiner Neuausrichtung auf einem ähnlichen Weg. Die Überlegungen zu einer Fachhochschule hält er zwar für richtig. Er gibt aber zu bedenken, dass die Standortfrage für FHs Sache des Landes NRW sei. Für Wald wies Balkenhol darauf hin, dass sich die Akteure dort bereits für die Schwerpunkte Bildung, Kultur und Sport entschieden hätte. Die müsse man einbinden.

ZUR PERSON

PRIVAT Der Unternehmensberater Rolf Niederhagen (66) wurde in Solingen geboren. Er lebt im Stadtbezirk Mitte. 

BERUF Niederhagen war unter anderem als Chef einer Fahrschule, Leiter einer Schmiede, als Unternehmensberater in Österreich und Indien sowie in führender Funktion für einen Automobil-Zulieferer tätig.

Als „durchdacht“ bezeichnete der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Michael Wenge, die Ideen Niederhagens. Allerdings teilt er, wie auch Balkenhol, nicht die pessimistischen Ansichten über den Standort Deutschland.

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