Landgericht

Beihilfe zu Missbrauch: Mutter aus Solingen verurteilt

Das Landgericht in Wupperatl.
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Das Landgericht in Wupperatl.

Solingerin soll Übergriffe ihres Ex-Mannes gegen die Kinder tatenlos geduldet haben.

Von Kristin Dowe

Solingen. Ihre Rolle als naives und abhängiges Opfer ihres Ex-Mannes, als das die Angeklagte sich in der Verhandlung teilweise zu inszenieren versucht hatte, nahm die Kammer der 39-jährigen Solingerin nicht ab: So verurteilte das Landgericht Wuppertal am Donnerstag die Mutter einer 14-jährigen Tochter und eines elfjährigen Sohnes zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren wegen Beihilfe zu teilweise schwerem sexuellen Missbrauch in 13 Fällen.

Nach Auffassung des Gerichts hatte die Angeklagte sich wiederholt über die Auflage des Jugendamtes hinweggesetzt, ihren zum Tatzeitpunkt 38-jährigen Ehemann nicht mit den gemeinsamen Kindern allein zu lassen, da Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs in erheblichem Umfang gegen diesen liefen. Zudem soll sie Polizei und Jugendamt immer wieder belogen haben. Für dieses Verhalten fand der Vorsitzende Richter Dr. Karsten Bremer drastische Worte: „Sie haben das Jugendamt verarscht.“

Tatsächlich hatte sich der 40-jährige Solinger in zahlreichen Fällen immer wieder an den beiden Kindern vergangen und Fotos von den Taten angefertigt, die er ins Netz stellte. 2019 geriet der ehemalige Zeitsoldat erstmals ins Visier der US-Behörden, als ein einschlägiges Foto der Tochter im Internet aufgetaucht war. Nach einer Wohnungsdurchsuchung und weiteren Ermittlungen verurteilte das Landgericht Wuppertal den Mann im März 2021 zu einer mehrjährigen Haftstrafe.

„Sie haben das Schutzkonzept des Jugendamtes von Anfang an mit Füßen getreten.“

Richter Dr. Karsten Bremer

Ein Jahr lang hatte der Vater nach den ersten Hinweisen auf den Missbrauch die Familienwohnung verlassen müssen und war später zurückgekehrt. Nur um dort weiterzumachen, wo er aufgehört hatte. Regelmäßig brachte er die Kinder ins Bett oder verbrachte Zeit mit der Tochter allein im Wohnwagen auf einem FKK-Campingplatz, wo es zu weiteren Übergriffen kam. Die Angeklagte ließ ihren Mann tatenlos gewähren.

Dabei gab es aus Sicht der Kammer etliche Hinweise, dass der Solinger sich weiter an den Kindern vergriff: Regelmäßig drängte er die Familie zum FKK-Urlaub, die Tochter legte zudem ein auffällig sexualisiertes Verhalten an den Tag. „Da hätten Sie hellhörig werden müssen“, insistierte der Vorsitzende gegenüber der Angeklagten, die „das Schutzkonzept des Jugendamtes von Anfang an mit Füßen getreten“ habe.

Solingen: Angeklagte ist mehrfach wegen Betrugs vorbestraft

Zudem soll sich die Solingerin nur äußerst halbherzig von ihrem damaligen Ehemann getrennt haben. Als dieser sich noch in U-Haft befand, schrieb sie ihm einen Brief, aus dem hervorging, dass sie sich nur trenne, weil dies nun von ihr erwartet werde und sie fürchte, die Kinder sonst nicht zurückzubekommen. Aus Chats zwischen den früheren Eheleuten ging hervor, dass über die Kontaktbeschränkung gar zynisch gescherzt wurde.

Bremer bescheinigte der Angeklagten auch angesichts dieser Details „eine hohe kriminelle Energie“ und empfahl ihr im offenen Vollzug eine Therapie, um das Verhältnis zu ihren Kindern aufzuarbeiten. Dennoch will die 39-Jährige „hörig und abhängig“ von ihrem Mann gewesen sein, der ihr laut Auffassung der Kammer „ein bequemes Leben“ ohne Erwerbsarbeit ermöglicht hatte. So sah sie auch stillschweigend darüber hinweg, als ihr Ex-Mann ihr ein offensichtliches Missbrauchsfoto als Versuch verkaufte, einen vermeintlichen Hautausschlag seiner Tochter zu dokumentieren.

Erschwerend hinzu kam bei der Strafzumessung die Tatsache, dass die Angeklagte mehrfach wegen Betruges vorbestraft ist. Auch dafür schob sie größtenteils ihrem Ex-Mann die Verantwortung zu, der immer wieder Bestellungen auf ihren Namen getätigt habe, ohne die Rechnung zu begleichen. So häuften sich mit der Zeit Schulden an, die noch lange nicht abbezahlt sind. Die Verstöße gegen die Auflagen des Jugendamtes beging sie unter laufender Bewährung. „Dann muss die Haft jetzt mal vollzogen werden“, machte der Vorsitzende klar.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft, Verteidiger David S. Deutgen hatte einen Freispruch für seine Mandantin gefordert.

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