Tourismus

Skywalk in Müngsten: Befürworter erwarten geringe Kosten

Oben die Züge, unten Radfahrer und Fußgänger: Sven Wolf zeigte interessierten Bürgern, wie er sich den Skywalk Müngsten vorstellt. Foto: wey
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Oben die Züge, unten Radfahrer und Fußgänger: Sven Wolf zeigte interessierten Bürgern, wie er sich den Skywalk Müngsten vorstellt.

Der Landtagsabgeordnete Sven Wolf arbeitet weiter an Plänen für den Skywalk Müngsten

Von Sven Schlickowey

Müngsten Sven Wolf wirbt weiter für die Idee eines Skywalks unter der Müngstener Brücke. Der Remscheider Landtagsabgeordnete, zugleich SPD-Fraktionschef im Stadtrat, hatte eine kleine Gruppe interessierter Bürger eingeladen, sich die Brücke aus der Nähe anzuschauen – und sich so von der Machbarkeit des Plans zu überzeugen.

Zusammen mit Hans Günter Gewehr, Projektleiter für die Sanierung der Müngstener Brücke bei der Deutschen Bahn, führte Wolf die rund 30 Teilnehmer auf eine Ebene etwa sieben Meter unter den Schienen. Die dient momentan vor allem den Arbeitern als Plattform. Könnte aber auch von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden, sagen die Befürworter der Skywalk-Idee.

„Es ist schon alles da. Das ist gar kein Aufwand.“

Sven Wolf über die Infrastruktur

Ursprünglich habe es hier nur Schienen für einen Reparatur-Wagen gegeben, berichtet Gewehr. Doch im Zuge der derzeitigen Arbeiten habe man dazwischen Lochbleche angebracht und so einen Weg geschaffen. „Die müssen aber ersetzt werden, weil sie nicht genug Licht durchlassen“, sagt der Projektleiter. „Das will der Denkmalschutz so, weil das sonst die Anmutung des Bauwerks stört.“ Deswegen besteht ein Teil des Weges jetzt schon aus Gittern, die im Gegensatz zu den Lochblechen auch fest verschraubt sind. Der Rest soll bald folgen.

„Es ist schon alles da“, sagt deshalb auch Sven Wolf. „Das ist gar kein Aufwand.“Auch die anderen Unterstützer des Projekts verweisen immer wieder darauf, dass vieles bereits vorhanden ist. Gerd Münnekehoff, einer der Initiatoren, schätzt, dass jetzt schon 80 Prozent der notwendigen Infrastruktur vorhanden seien: „Mit nur 1,2 Kilometern zusätzlichem Radweg könnten wir die Korkenziehertrasse in Solingen mit der Balkantrasse verbinden.“

Wirklich benötigt würden laut Wolf vor allem noch Sicherheitsnetze an den Seiten, Zubringer von den bereits in der Nähe vorhandenen Radwegen zur Brücke – und ein Betreiber. Denn die Bahn hat offensichtlich wenig Lust, die Aufgabe zu übernehmen. „Ob der Skywalk dann nachts geschlossen bleibt, müssen wir noch sehen“, sagt Wolf.

Dabei ist der Begriff Skywalk eigentlich irreführend. Die meisten dieser Attraktionen, die überall auf der Welt Touristen anlocken, meist an hohen Gebäuden oder über Schluchten, sind keine Verbindungen, sondern Aussichtsplattformen mit Glasboden. Der Müngstener Skywalk hingegen wäre eher eine zweite Brücke für Fußgänger und Radfahrer unter der für Züge.

Er würde aber auch eine Ursprungsidee des Brückenparks darunter aufgreifen. Denn schon in den ersten Entwürfen des Berliner Atelier Loidl, das den Park im Rahmen der Regionale 2006 gestaltete, war eine Trasse unter der eigentlichen Brücke vorgesehen. Zum Beispiel für Inliner, die so die Geschwindigkeit der Züge aufnehmen könnten.

„Es ist schon alles da. Das ist gar kein Aufwand.“ Sven Wolf über die Infrastruktur Was die Landschaftsarchitekten vor bald 20 Jahren schon wollten, finden die Skywalk-Befürworter auf beiden Seiten des Tals auch heute noch gut. Die Vorzüge liegen für Sven Wolf auf der Hand: Der 14 Jahre alte Brückenpark (Wolf: „Der ist noch schön, aber schon in die Jahre gekommen.“) würde ein neues Highlight bekommen. Zudem würden die Radwegenetze von Remscheid und Solingen verbunden. Und auch die Besucher der Akademie der Kulturellen Bildung in Küppelstein würden profitieren, meint Wolf. Bisher müssten die noch in Güldenwerth aus dem Zug aussteigen und dann mit dem Bus fahren. „In Zukunft sind die von Schaberg aus über die Brücke in ein paar Minuten zu Fuß da.“

Über die Kosten macht sich der Landtagsabgeordnete wenig Sorgen. Die seien angesichts der bereits vorhandenen Infrastruktur vermutlich eher gering, sagt er. Für den Rest könne man Fördermittel auftreiben. „Da muss man ja nur mal einen Staatsminister mit auf die Brücke nehmen, was soll der dann schon anderes sein, als begeistert?“

Hintergrund

Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke, 107 Meter hoch, 465 Meter lang und bald 125 Jahre alt, und der nach ihr benannte Park darunter gehörten für die Planer des Parks von Beginn an zusammen. Das Atelier Loidl, das mit seinem Entwurf 2003 den dazugehörigen Wettbewerb gewann, hatte zum Beispiel das Uferrelief der Wupper in Bezug zu der Stahlkonstruktion streng geometrisch entworfen. Pläne, die Brücke wirklich einzubinden, scheiterten jedoch. Heute zieht der mehrfach ausgezeichnete Park jährlich einige hunderttausend Besucher an.

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