Kommunale Konferenz Alter und Pflege

So wird in Solingen der Bedarf für Pflege ermittelt

Dezernent Jan Welzel ist Vorsitzender der Kommunalen Konferenz Alter und Pflege. Archivfoto: up
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Dezernent Jan Welzel ist Vorsitzender der Kommunalen Konferenz Alter und Pflege.

Prognose umfasst Bevölkerungsentwicklung, Bedürftigkeit und freie Plätze.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Zum 13. Mal findet in zwei Wochen (4. Mai) die Kommunale Konferenz Alter und Pflege statt – analog im Theater und Konzerthaus sowie parallel als Videokonferenz. Auf der Tagesordnung steht die Bedarfsplanung für vollstationäre und teilstationäre Pflegeplätze in Solingen. Aber auch alternative Formen für Wohnen und Versorgung sollen vorgestellt werden. Zudem die Herausforderungen, die mit der langfristigen Versorgung von Covid-19-Patienten einhergehen.

Mit Blick auf die notwendigen Betreuungs- und Pflegeplätze für alte Menschen hat die Stadt jetzt eine Bedarfsplanung für die Jahre 2022 bis 2025 erstellt. In den vergangenen Jahren hatte die Stadt in Beratungen mit Investoren und Trägern das pflegerische Angebot vor Ort zu steuern versucht. Seit dem Herbst 2019 soll eine verbindliche Bedarfsplanung mehr Versorgungssicherheit bieten. So soll etwa eine altengerechte Quartiersentwicklung eine Alternative zu vollstationären Pflegeplätzen werden, für die zunehmend das Personal fehle.

Grundlage der Erhebung ist eine Vorausberechnung der Bevölkerungsentwicklung der Statistikstelle der Stadt für die Jahre 2019 bis 2040. Neben Geburten und Sterbefälle sind Zu- und Fortzüge ebenso berücksichtigt wie die Steigerung der Lebenserwartung bis 2040 um voraussichtliche 1,5 Jahre. Modellrechnungen sollen zudem eine Prognose zur Pflegebedürftigkeit geben.

Von den 162 790 Solinger Einwohnern (Stichtag: 31. Dezember 2021) haben 47 233 das 60. Lebensjahr überschritten. Man unterscheidet die „jungen Alten“ von 55 bis 69 Jahre, die „fitten Senioren“ zwischen 70 und 79 Jahre und die Hochaltrigen ab 80 Jahre. In den vergangenen zwei Jahren ist die Gruppe der jungen Alten um 5,6 Prozent auf 35 438 Personen gewachsen. In der Gruppe der 70- bis 80-Jährigen ist die Zahl der Personen um 5,8 Prozent auf 13 654 gesunken. Die Bevölkerungszahl der Hochbetagten mit 80 Jahren und älter nimmt hingegen konstant zu. Aktuell sind es 12 371 Personen, davon 62 Prozent weiblich. Bei den Hochaltrigen ist ein prozentualer Anstieg von Hilfe- und Pflegebedürftigkeit zu erwarten und dementsprechend mit einer größeren Nachfrage nach Wohn-, Service-, Pflege- und Unterstützungsangeboten zu rechnen.

Bei den 60- bis unter 65-jährigen gilt fast jeder 24. als pflegebedürftig (4,2 %). Bei den über 80-Jährigen sind es 44,4 Prozent. Nach Prognose von IT.NRW werden im Jahr 2040 nur noch 67 Prozent aller Pflegebedürftigen zu Hause gepflegt. Aktuell zeigt sich jedoch ein gegenteiliger Trend. Der Anteil der zu Hause Versorgten steigt, derzeit liegt er bei rund 81 Prozent. Zum Stichtag gab es 1933 vollstationäre Dauerpflegeplätze. Steigende Bedeutung haben auch die Tagespflege (135 Plätze) und die Kurzzeitpflege (223 Plätze) in Solingen.

Standpunkt: Kreative Ideen fürs Alter

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

Die Solinger werden immer älter, die große Generation der Baby-Boomer orientiert sich so langsam Richtung Rente – Gründe, die Generation genauer in den Blick zu nehmen. Dabei ist alt nicht gleich alt, umfasst die Bedarfsanalyse der Stadt doch alle ab 55 – dabei sind die „jungen Alten“ und die „Best Ager“ in der Regel noch einige Jahre vom Thema Pflege entfernt. Aber auch wenn sich das „Eintrittsalter“ in die Pflege immer weiter nach hinten verschiebt – es wird zukünftig nicht nur an Pflegeplätzen, sondern vor allen Dingen an qualifiziertem Personal mangeln, das die Menschen dann pflegt. Deshalb ist es zwingend richtig, schon jetzt alternative Möglichkeiten fürs Alter zu planen. Ambulante Pflege zu Hause, Kurzzeitpflege oder Tagespflege, um Angehörige zu entlasten, betreute Wohngemeinschaften, Mehrgenerationen-Wohnen – all das sind Möglichkeiten jenseits der vollstationären Pflege. Für viele könnten sie mit Blick auf den eigenen letzten Lebensabschnitt attraktiv und vielleicht erschwinglicher sein. Wichtig bei allem ist, zu ermitteln, was vorhanden ist und was zukünftig gebraucht wird.

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