Spicherstraße, Pützfeld und viele andere

Wolfgang Nerger baute rund 400 Häuser in der Region

Ist stolz auf seinen Werdegang: Die Handwerkskammer Düsseldorf verlieh Wolfgang Nerger den Diamantenen Meisterbrief. Foto: Stefanie Leo
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Ist stolz auf seinen Werdegang: Die Handwerkskammer Düsseldorf verlieh Wolfgang Nerger den Diamantenen Meisterbrief.

Bauunternehmer Wolfgang Nerger erhielt den Diamantenen Meisterbrief - mit 13 begann er einst seine Lehre

Von Holger Hoeck,

Solingen. Der letzte Tag dieses ungewöhnlichen Jahres wird ein ganz besonderer für Wolfgang Nerger, denn dann feiert der 81-Jährige mit seiner Frau Bärbel den 60. Hochzeitstag. Das Jahr 1960 war für den vierfachen Vater jedoch nicht nur privat, sondern auch beruflich ein entscheidendes Jahr, denn vier Monate zuvor wurde ihm sein Meisterbrief ausgehändigt. Somit kann der frühere Bauunternehmer, der auch heute noch gerne handwerklich anpackt, gleich zwei diamantene Jubiläen begehen.

Die von der Handwerkskammer Düsseldorf ausgestellte Urkunde hat inzwischen, gut aufbewahrt hinter einem Glasrahmen, einen Ehrenplatz im Merscheider Domizil erhalten. „Rückblickend muss ich sagen, dass es nicht unbedingt mein Wunschberuf war, aber auf jeden Fall ein Job, der mir eine sehr große Erfüllung gebracht hat“, resümiert Wolfgang Nerger.

1953 hatte er, erst 13-jährig, in Brandenburg seine Lehre begonnen und zwei Jahre später seine Gesellenprüfung abgelegt. Danach strebte er ein Ingenieursstudium an. „Dann hätte ich mich aber verpflichten müssen, nach Beendigung des Studiums drei Jahre Soldat zu werden. Das wollte ich jedoch genauso wenig wie mein Vater, der erst kurz vorher aus Sibirien zurückkam und nie mehr ein Gewehr anfassen wollte. 1956 bin ich dann geflüchtet und über West-Berlin und Hannover schließlich nach Solingen gekommen“, erinnert sich Nerger. „Ich hatte nur ein Fahrrad und eine Aktentasche dabei, in der sich meine Papiere und Unterwäsche befanden. Übernachtung und Verpflegung bekam ich zwischendurch bei früheren Kriegskameraden meines Vaters“, so Nerger, der früher Radrennfahrer bei Dynamo Berlin war, an seine Anfänge im Westen.

In Hilden traf er seinen Vater wieder, der als Widerstandskämpfer nach einem Tipp bereits drei Jahre zuvor die Heimat verlassen hatte. Als auch Mutter und Schwester nachkamen, war die Familie wieder vollständig. „Wir haben dann für ein Jahr ein zehn Quadratmeter großes Zimmer bezogen. Das ist heutzutage unvorstellbar, aber damals keine Seltenheit.“ 1957 reiften Überlegungen, ein eigenes Baugeschäft zu eröffnen. Dafür nahm Nerger auch dreimal wöchentliche Fahrten nach Remscheid zur Abendschule in Kauf.

„Ein Diamantener Meisterbrief ist schon etwas Besonderes.“

Wolfgang Nerger

1960 konnte er schließlich erfolgreich seine Maurer-Meisterprüfung ablegen. „Im darauffolgenden Jahr habe ich dann mein Bauunternehmen gegründet, das ich 42 Jahre als Inhaber geführt habe.“ Zahlreiche Neubauten, teilweise auch vollständige Straßen wie etwa die Spichernstraße oder das Pützfeld, hat Wolfgang Nerger in Solingen, aber auch im benachbarten Hilden und Wuppertal errichtet. Zudem war er 40 Jahre als stellvertretender Obermeister und Lehrlingswart in der Solinger Bauinnung aktiv.

Ausgerechnet zur unternehmerischen Hoch-Zeit im Jahre 2002, als er 20 Mitarbeiter beschäftigte, ereilte ihn die größte Betriebskrise, die ihn letztlich bald darauf zur Aufgabe zwang. „Es gab einfach keine Aufträge. Niemand wollte bauen, was vielleicht auch an dem seinerzeitigen hohen Zinssatz von sieben Prozent für Hypotheken lag“, mutmaßt der neunfache Großvater. „Ein Diamantener Meisterbrief ist schon etwas Besonderes. Angesichts der längeren Schul- und Ausbildungszeit ist das für die heutige Generation ja kaum zu schaffen“, sagt Nerger, der optimistisch in die Zukunft schaut. „Als ich im vergangenen Jahr meinen 80. Geburtstag gefeiert hatte, bat ich meine Gäste, sich schon mal den 4. Mai 2029 für meinen Neunzigsten freizuhalten. Also, ich will auf jeden Fall dabei sein!“

Zur Person

Wolfgang Nerger lebt mit Frau Bärbel in Merscheid. Er ist Vater von vier Kindern. 1961 gründete er ein Bauunternehmen, das er bis zu dessen Auflösung 2003 als Inhaber führte. In dieser Zeit war er für den Bau von mehr als 400 Häusern im Raum Solingen verantwortlich.

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