Montagsinterview

Bauherr Leo de Man: „Die Solinger Verwaltung spielt in einer hohen Liga“

Leo de Man ist der Kopf von Kondor Wessels. Und er ist das Gesicht des Bauträgers, wenn es um die rund 300 Millionen Euro geht, die das Unternehmen in Solingen in Ohligs, Wald und der Stadtmitte vorwiegend in Wohnungsbau investiert. Er lobt dabei die Zusammenarbeit mit einer professionellen Stadtverwaltung. Foto: Roland Horn
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Leo de Man ist der Kopf von Kondor Wessels. Und er ist das Gesicht des Bauträgers, wenn es um die rund 300 Millionen Euro geht, die das Unternehmen in Solingen in Ohligs, Wald und der Stadtmitte vorwiegend in Wohnungsbau investiert. Er lobt dabei die Zusammenarbeit mit einer professionellen Stadtverwaltung.

Kopf des Baukonzerns Kondor Wessels nennt Gründe, warum er 300 Millionen Euro in der Klingenstadt investiert.

Von Philipp Müller 

Etwa 300 Millionen Euro investiert Kondor Wessels in den kommenden Jahren in Solingen überwiegend in den Wohnungsbau. Ist der Markt in Solingen dafür so groß?

Leo de Man: Nein, sicherlich nicht und es ist ja nicht nur der Wohnungsbau. Es sind auch Kitas und Gewerbe dabei. Aber es stimmt, der überwiegende Teil sind Wohnungen. Wir sind der Meinung, dass Solingen das Potenzial hat, Mieter und Käufer aus der Region anzuziehen, die erstens wieder im näheren Bereich von sozialen- und kulturellen Einrichtungen leben möchten und das zudem in bezahlbaren Wohnungen. Das hat natürlich auch mit dem demografischen Wandel zu tun. Und vor allem bei Letzterem hat Solingen einen großen Vorteil gegenüber Köln oder Düsseldorf, wo die Preise schnell schon mal 30 bis 40 Prozent höher liegen können.

Aber warum ausgerechnet Solingen, was unterscheidet die Stadt von anderen?

de Man: Warum Solingen? Das war eher Zufall. Wie das Leben so spielt, haben wir Kenntnis von dem Grundstück O-Quartier in Ohligs erlangt. Daraufhin haben wir einige Gespräche geführt und Recherchen getätigt, die man im Vorfeld einer Entwicklung eines Grundstücksankaufs immer durchführt, also eine klassische Mikro- und Makroanalyse. Und wie die Geschichte ausgegangen ist, haben Sie ja selbst miterlebt. Zehn Jahre andauernde, vorausgegangene Diskussionen konnten so von uns innerhalb von zwölf Monaten gelöst werden. Es wurde ein neuer Bebauungsplan erstellt, eine Baugenehmigung erteilt und mit dem Abriss sowie dem anschließenden Bau begonnen.

Wie steht es aktuell um das O-Quartier?

de Man: Mittlerweile sind von den 308 Wohnungen 299 verkauft. Des Weiteren hat Solingen einen jungen und dynamischen Oberbürgermeister, der die Menschen begeistert, für die Stadt brennt und dabei von einer hervorragenden, kundenorientierten Verwaltung unterstützt wird.

Sie haben immer betont „Wir bauen, um zu verkaufen“. Haben Sie keine Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie?

de Man: Nein, ich habe keine Angst. Natürlich verfolgen wir die Situation sehr genau und an erster Stelle kommen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir unternehmen für unsere Beschäftigten alles, was möglich ist, um sie zu schützen, ohne dass der Betrieb zum Erliegen kommt. Wirtschaftlich gesehen denke ich, dass, wenn die Pandemie hinter uns liegt, wir mit unserem Produktportfolio genau richtigliegen. Ich gehe mittelfristig doch von einer erhöhten Inflation gepaart mit anhaltenden Niedrigzinsen aus, weil ich nicht denke, dass die horrenden Summen an Geld, die überall in den Markt gepumpt wurden und werden, auf irgendeine Weise zurückgezahlt werden können.

Das heißt, Investoren bevorzugen das „Betongold“, das Sie ihnen anbieten?

de Man: So kann man das auch bezeichnen. Überwiegend verkaufen wir an Rentenkassen. Die wissen, dass in einer Stadt wie Solingen nie 300 Wohnungen leer stehen werden. Das gibt Sicherheit. Außerdem herrscht in Deutschland weiterhin Wohnungsnot.

Läuft das große Engagement auch deshalb, weil Sie ein gutes Verhältnis zur Solinger Stadtspitze haben?

de Man: Ihre Frage zielt vermutlich auf mein persönliches Verhältnis mit Oberbürgermeister Kurzbach ab. Auch ich mache lieber Geschäfte mit Menschen, die mir sympathisch sind und zielorientiert denken. Ich schätze Herrn Kurzbach sehr und mag ihn auch als Mensch. Aber dazu gehört für mich genauso auch Baudezernent Hartmut Hoferichter. Die beiden spielen für mich, wenn ich das mal mit anderen Städten vergleiche, in denen wir tätig sind, in einer anderen Liga. Aber da hört es dann auch auf. Das Immobiliengeschäft ist durch das deutsche Bau- und Planungsrecht sowie das Bürgerliche Gesetzbuch so gut geregelt, dass ein jeder Schritt transparent und nachvollziehbar ist, damit alle demokratischen und auch juristischen Regeln eingehalten werden. Ich würde es nicht anders wollen.

Für Außenstehende taucht Kondor Wessels wie Phönix aus Asche auf. Was machen die anderen, vielleicht auch die örtlichen Bauträger schlechter als Sie?

de Man: Ja, den Eindruck könnte man bekommen. Und nein, die Kollegen machen nichts schlechter. Lassen Sie mich dazu zwei Anmerkungen machen. Erstens: Kondor Wessels war immer schon in Nordrhein-Westfalen präsent, nur nicht in Solingen und vor allem nicht so erfolgreich wie in den Jahren 2019 bis 2020. Aber die Sanierung der Kondor Wessels NRW gepaart mit Neuakquise gibt den Anschein eines Phönix aus der Asche. Doch wir machen auch mehr.

„Das Omega-Areal könnte CO2-neutral gestaltet werden.“
Leo de Man, Kondor Wessels

Wir bauen das „Cologneo“ in Köln, das ist ein großer Bauauftrag der Consus-Gruppe (ehemals CG). Und ab Januar bauen wir in Düsseldorf die neue Hauptzentrale eines namhaften Reiseveranstalters. In den Nachbarkommunen kaufen wir zudem weitere Grundstücke. Das Unternehmen war bis 2019 nicht reif und fähig, solche Projekte wirtschaftlich umzusetzen. Jetzt haben wir ein tolles und dynamisches Team vor Ort, dem ich viel zutraue. Wir fangen somit erst an. Zweitens: Es ist immer so, dass Außenstehende einen anderen Blick haben. Wenn man vor Ort ist, kennt man alle Ins and Outs. Und das hemmt. Wenn wir alles vorher gewusst hätten, hätten wir vielleicht auch das eine oder andere Projekt nicht realisiert. So aber gehen wir unvoreingenommen an die Sachen heran und lösen die Probleme. So wie ich immer sage: Schritt für Schritt.

Im Sommer haben Sie mit der Siedlung „Greeen“ in Wald und dem Projekt Evertz- und Omega-Areal nochmals auf die Tube gedrückt. Gibt es mittlerweile einen Zeithorizont, wann dort jeweils die Bagger anrollen?

de Man: Das ist schwer zu sagen. Bei „Greeen“ läuft der Bebauungsplan nebst Städtebau auf Hochtouren. Beim Omega-Areal finden gerade die Grundlagenermittlungen in Vorbereitung des Bebauungsplans im Bauteam-Verfahren mit der städtischen Behörde statt. Also Ende 2021, Anfang 2022 könnten bei dem einen oder anderen Projekt Bautätigkeiten zu sehen sein.

Solingen bezeichnet sich gerne als grüne Stadt. Inwieweit setzt Kondor Wessels auf Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Erneuerbare Energie?

de Man: Bei „Greeen“, aber mehr noch beim Omega-Areal wollen wir der Umwelt und damit uns etwas Gutes tun. Bei „Omega“ gibt es Ideen, ein CO2-neutrales Gebiet zu erstellen. Hierzu finden bereits seit über einem Jahr diverse Gespräche statt. Aber man sollte realistisch bleiben. Wenn am Ende 50 Prozent davon umgesetzt werden, sind wir immer noch 100 Prozent besser als jetzt.

Das „Handlungskonzept Wohnen“ der Stadt fordert bei Neubauten bis zu einem Drittel geförderten Wohnraum. Wie realistisch ist es, dass Sie Käufer finden, die das Modell der „Sozialwohnung“ in Ihren Bauvorhaben umsetzen wollen?

de Man: Bei „Evertz“ wird das kommen müssen. Das ist einfach, denn es gibt genügend Firmen, die sich hierauf spezialisiert haben. Man muss nur rechtzeitig starten, um die richtigen Partner wie Genossenschaften, Wohnungsbaugesellschaften und auch Anleger auszuwählen. Bestandshalter braucht man, und das sind wir nicht.

Gerade für das Omega-Gelände ist Gewerbe gewünscht. Haben Sie bereits eine Idee, wie das umgesetzt werden kann?

de Man: Also, wenn Ihre Frage auf das Produkt abzielt, dann ja. Wir reden hier über Büroflächen. Ob wir schon Nutzer haben, nein. Dazu ist es viel zu früh. Hier wollen wir aber auch intensiv mit der Wirtschaftsförderung zusammenarbeiten.

Sie hatten angekündigt, eine der Firmen Ihrer Firmengruppe nach Solingen zu verlegen. Bleibt es dabei?

de Man: Ich sagte, ich könnte mir das gut vorstellen und es wäre eine Option. Ja, die Option bleibt bestehen.

Zur Person

Leo W. A. de Man ist 1964 in Grave (Niederlande) geboren und absolvierte Studiengänge zum Bauingenieur sowie zum Wirtschaftsingenieur an der Technischen Universität in den Niederlanden. 1997 erreichte er außerdem den Abschluss zum Immobilienökonom an der European Business School. Nach über 20 Jahren bei der Kondor Wessels-Gruppe verantwortet er seit Januar 2019 als CEO die strategische Ausrichtung der Gesellschaften. Privat verbringt Leo W. A. de Man gerne Zeit mit seiner Frau und seinen beiden Kindern.

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