Nachgehakt

Baudezernent Hartmut Hoferichter zum Bau-Boom in Solingen

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Hartmut Hoferichter ist als Baudezernent, Macher, Moderator und Entscheider in einer Person, wenn es um den Solinger Immobilienmarkt geht.

Die Redaktion des Solinger Tageblatts hatte einigen Akteuren Fragen zum aktuellen Immobilienmarkt und zu den laufenden und anstehenden Bauprojekten gestellt.

Das ST hat ausdrücklich um ausführliche Antworten gebeten, die sich auf diese Themen konzentrieren sollten:

  • Ist der Markt so groß, dass man die alle verkauft bekommen wird? Und wer wird sie kaufen?
  • Ist die Zahl der Interessenten so groß, dass man die Wohnungen auch anschließend vermieten kann?
  • Droht bei Verkaufspreisen zwischen knapp 4000 Euro pro Quadratmeter und teilweise deutlich mehr nicht eine Immobilienblase?
  • Hat bei dieser „Goldgräberstimmung“ der geförderte Wohnungsbau dabei überhaupt noch eine Chance? Und wenn ja, wo und wer soll es umsetzen?

Hartmut Hoferichter ist noch bis zum Ende des Jahres Stadtdirektor und Baudezernent von Solingen. In seiner Funktion als Beigeordneter des Verwaltungsvorstands der Stadt Solingen koordiniert er vom Bebauungsplan bis zum Erstellen von grundsätzlichen Überlegungen wie dem Handlungskonzept Wohnen unter Beteiligung von externen Experten.

Bebauungspläne haben nur Vorrang, wenn auch geförderter Wohnraum geschaffen wird

Von Hartmut Hoferichter

Ist der Markt so groß, dass man die alle verkauft bekommen wird? Und wer wird sie kaufen?

Die derzeitige Bevölkerungsentwicklung in Solingen und die über die Wohnbauoffensive bei uns eingehenden Anfragen zeigen, dass nach wie vor ein großes Interesse auch von außen am Wohnstandort Solingen besteht, insofern ist das Interesse und die Nachfrage an Wohnraum nach wie vor gegeben. Die erwähnten und geplanten Neubauaktivitäten bringen uns dem Ziel aus dem Handlungskonzept Wohnen ein deutliches Stück näher. Danach sind rund 220 bis 250 neu Wohneinheiten pro Jahr notwendig, laut der der GEWOS Studie von 2020 sogar 300 Wohneinheiten Die Wohnungen werden im Übrigen über einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren verteilt dem Markt zugeführt. Zugleich sind die zurzeit projektierten Wohnungen – auch entsprechend der Ziele aus dem Handlungskonzept Wohnen – über das Stadtgebiet verteilt. Sie sind sogar den drei großen Zentren Mitte, Ohligs und Wald räumlich zugeordnet, was im Sinne der entsprechenden Ziele der Integrierten Handlungskonzepte für diese Stadtteile ist. Zusammen mit weiteren kleineren Vorhaben für unterschiedliche Wohnbedarfe können wir damit unsere Zielvorgaben erreichen.

Ist die Zahl der Interessenten so groß, dass man die Wohnungen auch anschließend vermieten kann?

Da auch die Vermietungssituation angespannter als vor einigen Jahren ist, sehen wir als Stadt Solingen eine deutliche Nachfrage nach entsprechendem Wohnraum, gerade auch in Nachbarschaft zu den Versorgungszentren und in der Stadtmitte. Dabei erfahren gemäß dem Handlungskonzept Wohnen fast alle Preisklassen eine hohe Nachfrage und der altersgerechte Wohnungsbau zeigt deutliche Potenziale für einen Ausbau des Angebotes.

Droht bei Verkaufspreisen zwischen knapp 4000 Euro pro Quadratmeter und teilweise deutlich mehr nicht eine Immobilienblase?

Es werden nicht alle Wohnungen zu diesen Preisen angeboten, hier gibt es schon auch Angebote deutlich darunter. Die historisch niedrigen Bauzinsen machen es darüber hinaus für viele nach Wohnraumsuchende überaus interessant, eine Wohnung zu erwerben, gerade weil die Preise im Vergleich zu vielen Nachbarregionen und vor allem gegenüber den großen Städten wie zum Beispiel Köln und Düsseldorf günstiger sind.

Hat bei dieser „Goldgräberstimmung“ der geförderte Wohnungsbau dabei überhaupt noch eine Chance? Und wenn ja, wo und wer soll es umsetzen?

Der geförderte Wohnungsbau ist und bleibt ein zentrales Anliegen aus dem Handlungskonzept Wohnen, welches wir – soweit möglich – über die geeigneten Quartiere verteilt entwickeln. So wird in Kooperation mit den Investoren und Projektentwicklern natürlich immer auch dafür geworben, einen Anteil gefördert zu realisieren. Neue Regelungen des Baugesetzbuches , die in 2021 in Kraft treten, geben hier weitere Möglichkeiten. In diesem Zusammenhang werden auch die Akteure der Allianz für Wohnen, dazu zählen etwa die örtlichen Genossenschaften oder die großen Eigentümer, künftig zusätzliche Impulse setzen. Die Stadt leitet zum Beispiel die Verfahren für neue Bebauungspläne zum Wohnungsbau nur dann noch mit Vorrang ein, wenn die Investoren sich vertraglich verpflichten, im Plangebiet auch geförderte Wohnungen zu realisieren.

Das ST hat mir mehreren Experten zum Bau-Boom in Solingen gesprochen, das sind die weiteren Beiträge:

Stefan Jäger, Olaf Jansen Immobilien, sagt: „Die Nachfrage nach Wohnraum in Solingen und von außerhalb ist stark.“ 

Gerd Fischer, plan8, Group meint: „Die großen Projekte sind am Bedarf vorbeigeplant.“ 

Makler Dirk Isenburg fordert: „Bei geförderten Wohnungsbau sollte nicht die Investoren, sondern die Mieter gefördert werden.“

Immobilienkaufmann Sam Jordan betont: „Solingen muss zukunftsorientiert handeln.“ 

Projektentwickler Norbert Zimmermann ist sich sicher: „Eine gute Zukunft verspricht das nachhaltige, ökologische Bauen.“ 

Dr. Thorsten Meis, Kubikom, sagt: „Günstigen Wohnraum gibt es vor allen in älteren Gebäuden.“ 

Zudem sei an dieser Stelle auf ein Interview mit Leo de man von Kondor Wessels verwiesen, in dem er erklärt, warum der Berliner Baukonzern so umfangreich in der Klingenstadt investiert.

Hintergrund-Information finden die ST-Leser dort auch als Download:

Der aktuelle Grundstücksmarktbericht 2020 der Stadt.

Das Handlungskonzept Wohnen der Stadt Solingen.

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