Pilotprojekt

Batterie-Busse ersetzen bald Dieselbusse

Projektleiter Holger Ben Zid (l.) und Conrad Troullier an einem Bus mit dem eine Tonne schweren Diesel-aggregat: In Batterien gespeicherter Strom soll demnächst die Busse antreiben. Foto: Christian Beier
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Projektleiter Holger Ben Zid (l.) und Conrad Troullier an einem Bus mit dem eine Tonne schweren Diesel-aggregat: In Batterien gespeicherter Strom soll demnächst die Busse antreiben. Foto: Christian Beier

Stadt und Stadtwerke wollen die Elektromobilität weiter ausbauen.

Von Hans-Peter Meurer

Solingen soll eine der umweltfreundlichsten Großstädte Deutschlands werden und will Dieselfahrzeuge aus der Flotte der Stadtwerke-Busse verbannen. Das ist zumindest das mittelfristige Ziel von Stadt und Stadtwerken (SWS). Alle Busse sollen zukünftig emissionsfrei rollen, indem sie nur noch elektrisch betrieben werden. Auch dieses Vorhaben steht: Die Energie für die Busse soll ausschließlich aus erneuerbaren Quellen stammen.

Was sich zunächst wie ein hehrer Wunsch, eine Vision anhört, könnte schon bald Wirklichkeit werden. Denn Stadt und Stadtwerke arbeiten seit zwei Jahren an einem Pilotprojekt: „E-Bus 2020“ heißt es und könnte den Öffentlichen Personennahverkehr revolutionieren – europa- und sogar weltweit.

Standpunkt von Hans-Peter Meurer

„Wir haben in unserer Stadt die besten Voraussetzungen dafür, dieses Projekt anzugehen und auch erfolgreich umzusetzen“, erläutert Conrad Troullier. Der Chef des SWS-Verkehrsbetriebs verweist dabei auf die langejährigen Erfahrungen im O-Busbetrieb. Denn seit 1952 gibt es den umweltfreundlichen Trolly in unserer Stadt, die das größte O-Busnetz in Deutschland besitzt. Strombetriebene O-Busse im Linienverkehr gibt es nur noch in Eberswalde und Esslingen.

„Es ist zwar ein Pilotprojekt, das wir angehen, aber ich bin mir sicher, dass es in den nächsten Jahren technisch umsetzbar ist und auch von vielen anderen Städten übernommen werden wird“, ist Projektleiter Holger Ben Zid von der Idee überzeugt, an der ein Dutzend SWS-Spezialisten arbeiten.

Erstes Teilziel soll die Umstellung einer Dieselbuslinie auf Hybridoberleitungsbusse sein. „Wir brauchen ja eine Teststrecke, um die Fahrzeugtechnik zu optimieren und um Erfahrungen zu sammeln“, sagt Ben Zid.

Als Teststrecke soll die Linie 695 herhalten. Sie führt vom Abteiweg in Gräfrath über die Unionstraße auf die Schlagbaumer Straße, dann weiter durch die Innenstadt bis nach Meigen. 15 bis 17 Minuten rollt der eingesetzte Dieselbus derzeit dabei unter der auf diesem Streckenabschnitt vorhandenen Bus-Oberleitung. Einfach wie genial: „Diese Zeit können wir nutzen, brauchen also nur einen Batterie-Bus einzusetzen, dessen Stromabnehmer – wie schon am Burger Bahnhof – per Knopfdruck mithilfe einer Trichtertechnik an der Haltstelle Unionstraße andocken. Ab dort fährt der neue Bus dann mit Oberleitungsstrom durch die Innenstadt und wird später wieder auf Batteriebetrieb umgeschaltet“, erläutert Ben Zid.

Uni Wuppertal begleitet das Projekt wissenschaftlich

Vier neue Hybrid-Busse sollen für die Erprobungsphase angeschafft werden. Spezialisten der Uni Wuppertal arbeiten darum derzeit an einem Batterie-Prototypen, der das Dieselaggregat in den Bussen ersetzen soll. Eine zweite Fachrichtung der Uni Wuppertal begleitet das Vorhaben wissenschaftlich.

VERKEHRSBETRIEB DER STADTWERKE

NETZ Mit über 100 Kilometern Länge ist das Solinger O-Busnetz das größte in Deutschland. Das gesamte Liniennetz (mit Dieselbuslinien) beträgt rund 200 Kilometer. 50 Oberleitungsbusse, allesamt Gelenfahrzeuge, sind auf der Strecke, dazu kommen 49 Dieselbusse, die stadtweit die nicht elektrifizierten Strecken bedienen. 

FAHRKILOMETER Auf insgesamt 24 Linien fahren die Busse der Stadtwerke Solingen (SWS) und legen dabei jährlich mehr als 4,7 Millionen Kilometer zurück. Sie befördern dabei rund 24,2 Millionen Fahrgäste im Jahr. Die Busse steuern alle 465 Meter eine von 508 Solinger Haltestellen an. Für einen reibungslosen Fahrplan sorgen 200 Fahrer.

Die Versorgungssparte der SWS arbeiten zudem parallel daran, dass demnächst auch Energie aus Photovoltaik-Anlagen, auch aus privaten, durch das Gleichstrom-Oberleitungsnetz ins Versorgungsnetz eingespeist werden kann.

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