Verkehr

Balkhauser Weg: Raser bleiben ein Problem

Auf dem Balkhauser Weg kommt es im Bereich der 30er-Zone noch immer zu Tempoverstößen. Foto: Christian Beier
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Auf dem Balkhauser Weg kommt es im Bereich der 30er-Zone noch immer zu Tempoverstößen.

Nachdem Stadt und Polizei umfangreiche Maßnahmen auf den Weg brachten, sehen Anwohner noch keine Entspannung.

Solingen. Im vergangenen Jahr hatte eine Unfallserie auf dem Balkhauser Weg und der Glüderstraße (Kreisstraße 4) die Stadt unter Handlungsdruck gesetzt. Gleich mehrfach hatten sich Anwohner des Balkhauser Weges in der Vergangenheit an die Stadt gewandt, da Raserei auf der Strecke ein Dauerproblem sei. Geändert habe sich – trotz eines umfangreichen Maßnahmenpakets von Stadt und Polizei – nicht viel, bedauert Anwohnerin Sandra Lilienthal. „Die Situation ist noch genauso katastrophal wie vorher“, sagt die Solingerin. „Wir werden uns deshalb erneut mit unserem Anliegen an den OB wenden.“

„Die Situation ist noch genauso katastrophal wie vorher.“

Sandra Lilienthal, Anwohnerin

Lilienthal wohnt mit ihrer Familie von Solinger Seite aus betrachtet im oberen Abschnitt des Balkhauser Weges in Höhe des ehemaligen Schulgebäudes, wo über 200 Meter Tempo 30 und auf der übrigen Strecke Tempo 50 gilt. „Daran hält sich aber so gut wie niemand“, ärgert sie sich. „Kurzzeitig gab es ja die Anzeigetafeln mit Smileys in der 30er-Zone. In einem Fall hat die Tafel 97 Stundenkilometer angezeigt. Aber auch sonst knallen hier regelmäßig Leute mit quietschenden Reifen durch die Ortschaft.“ Gerade weil der Odenthaler Weg noch immer gesperrt ist – nach Angaben der Stadt sind die Arbeiten dort Ende April abgeschlossen – , werde die Kreisstraße 4 von Solingen nach Witzhelden besonders intensiv genutzt. Den Behörden macht Sandra Lilienthal ausdrücklich keinen Vorwurf, zumal Stadt und Polizei im Nachgang zu Gesprächen zwischen OB Tim Kurzbach (SPD) und den Anwohnern bereits einige Anstrengungen unternommen haben, um die Situation auf der Strecke zu entschärfen.

So wurden zwischen August und November 2020 im Bereich der 30er-Zone provisorisch Engstellen hergestellt, die noch baulich errichtet werden sollen. Das Ortseingangsschild in Richtung Hästener Weg wurde vorgezogen und auf dem Balkhauser Weg kurz vor der Hofschaft Balkhausen der Hinweis „30 km/h“ auf der Fahrbahn markiert. Zudem prüfe die Stadt aktuell eine „Verbesserung der Warteflächen an den Haltestellen vor der Hofschaft Balkhausen in beiden Fahrtrichtungen“, berichtet Rathaussprecherin Sabine Rische.

Derweil sprechen die Zahlen der Stadt dafür, dass das Problem am Balkhauser Weg noch nicht gebannt ist: Allein diesen Februar gab es 97 Tempoverstöße bei fünf Messungen – zwei davon in der 30er- und drei in der 50er-Zone. „Die Verstöße mit der höchsten Geschwindigkeit wurden im Bereich des Balkhauser Kottens von Motorradfahrern begangen“, berichtet Rische. In 2020 habe die Stadt insgesamt 45 Messungen durchgeführt, bei denen es zu 1818 Verstößen kam. Vom 1. Januar bis zum 28. Februar dieses Jahres waren es schon wieder 125 Verstöße. Zudem gab es von August bis Oktober sporadisch Messungen über ein Tempo-Display mit Smileys, das zur Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer dient. Über „Counter“ wurden außerdem die Fahrzeuge gezählt und Geschwindigkeiten zu statistischen Zwecken gemessen, ohne die Fahrzeugdaten zu erfassen. Dabei stoße auch die Messtechnik auf dem Balkhauser Weg aufgrund seiner Topografie zuweilen an Grenzen, erläutert Rische. „Kurvenmessungen sind nicht möglich – eine gerade Strecke von mindestens 30 Metern wird benötigt.“ Aus diesem Grund wolle die Stadt künftig teilstationäre Blitzer einsetzen, die im gesamten Stadtgebiet flexibel genutzt werden können. „Die Ausschreibung wird auf den Weg gebracht, sobald der Haushalt genehmigt ist.“

Ein weniger dramatisches Bild hätten die Messungen der Polizei bei mobilen Kontrollen ergeben, berichtet Simone Mellin, Sprecherin der Polizei Wuppertal. „Die festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitungen waren bis auf wenige Ausreißer eher geringfügig, also im Bereich von 5 bis 10 km/h. Natürlich kann eine Kontrolle auch immer nur eine Momentaufnahme abbilden.“ Bei 932 kontrollierten Fahrzeugen im Jahr 2020 seien 50 Verstöße durch die Direktion Verkehr der Polizei Wuppertal festgestellt worden. Im Vorjahr 2019 waren es bei 587 kontrollierten Fahrzeugen 27 Verstöße.

Die Polizeiinspektion Solingen hat darüber hinaus bei einer Messung im Februar 2020 19 Verstöße festgestellt, der Großteil davon ebenfalls mit eher geringen Überschreitungen. In einem Fall sei der Fahrer allerdings mit 50 bis 60 Stundenkilometer zu viel auf dem Tacho erwischt worden. Mellin: „Das wurde dann auch richtig teuer.“

Unfallentwicklung

Nachdem es in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres mehrere Unfälle auf der Kreisstraße 4 gab, kam es nach Angaben der Stadt vom 6. September bis Ende Dezember 2020 zu weiteren fünf Unfällen auf dem Balkhauser Weg (vom Pfaffenberger Weg bis zum Wanderparkplatz Glüder). Die meisten davon endeten mit leichtem Sachschaden.

Im Jahr 2021 haben sich bis jetzt weitere fünf Unfälle ereignet – zwei davon auf winterglatter Fahrbahn- Es gab zwei Unfälle mit jeweils einem Leichtverletzten.

Standpunkt: Deutliches Alarmsignal

Kommentar von Kristin Dowe

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Trotz aller lobenswerten gemeinsamen Bemühungen von Stadt und Polizei, die Verkehrssituation auf dem Balkhauser Weg und der Glüderstraße sicherer zu gestalten, kann von einer Entspannung auf der Strecke seit den Ereignissen im vergangenen Jahr noch keine Rede sein. Mehr als 1800 Verstöße, die allein die Stadt 2020 auf der Kreisstraße 4 gemessen hat, sind schon ein deutliches Alarmsignal. Nicht zuletzt zeugen die Zahlen auch von der Verantwortungslosigkeit vieler Verkehrsteilnehmer, die sich offenbar weder von niederschwelligen Instrumenten zur Sensibilisierung wie Tempo-Displays mit Smileys noch von saftigen Bußgeldern abschrecken lassen. Erschwerend hinzu kommt, dass die bauliche Gestaltung der Kreisstraße 4 manchen zum Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit verleitet. Durch seinen breiten Ausbau mutet der Balkhauser Weg optisch wie eine Landstraße an, ist aber durch seine kurvige Streckenführung nicht zum Schnellfahren geeignet. Stadt und Polizei müssen an diesem Problem weiter dranbleiben. Die Verantwortung für die Vielzahl der Verstöße liegt aber allein bei jenen, die sie begangen haben. Raser müssen konsequent zur Kasse gebeten werden.

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