Fachtagung

Bald fertigen 3D-Drucker die Bauteile

Werner Koch ist Manager des Netzwerk 3D-Druck Solingen. Gestern begrüßte er rund 100 Teilnehmer bei einer Fachtagung im Gründer- und Technologiezentrum. Die Wirtschaftsförderung hatte eingeladen. Foto: Christian Beier
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Werner Koch ist Manager des Netzwerk 3D-Druck Solingen. Am Mittwoch begrüßte er rund 100 Teilnehmer bei einer Fachtagung im Gründer- und Technologiezentrum. Die Wirtschaftsförderung hatte eingeladen.

Bei einer Fachtagung informieren Experten über die Chancen der Technik. Das Solinger Netzwerk wächst.

Von Thomas Kraft

Letztlich spuckt ein 3D-Drucker alles aus – Holz, Metall, Kunststoff, Lebensmittel. Die Technik ist soweit, gewünschte Gegenstände einzuscannen und dreidimensional auszudrucken. Dass die großen Wirtschaftsunternehmen dies noch nicht massenhaft in großen Serien tun, hat Kosten- und Entwicklungsgründe. Der 3D-Druck wird zwar schon seit Mitte der 90er Jahre erforscht und vorangetrieben. Aber noch steckt die Technik am Anfang. Doch eines sei jetzt bereits sicher, sagt Frank Balkenhol, Geschäftsführer der Solinger Wirtschaftsförderung: „Der 3D-Druck wird massive Auswirkungen haben – in fast allen Branchen.“ Deshalb lud er am Mittwoch zu einer Fachtagung ins Gründer- und Technologiezentrum am Grünewald.

Das Verfahren eröffnet gewaltige Chancen, um klassische Produktionsprozesse abzulösen. Um die Fertigung schneller, leichter und günstiger zu gestalten. Balkenhol spricht im Digitalzeitalter von der Industriealisierung 4.0.

Damit die Solinger Unternehmen von Beginn an vorne dabei sind, hat die Wirtschaftsförderung das Netzwerk „3D-Druck Solingen“ aufgebaut. Dieser Verbund sei in NRW einmalig, berichtet Balkenhol. 120 Mitglieder zählt der Kreis bereits – und er soll weiter wachsen. Neben Firmen und Fachleuten aus der Region ist auch die Wuppertaler Universität dabei. Mittwochmorgen begrüßte die Wirtschaftsförderung die meisten Mitglieder – um die Möglichkeiten des 3D-Drucks für metallbe- und verarbeitende Firmen zu erörtern.

Ein Riese wie der Flugzeughersteller Airbus hat damit begonnen, Bauteile in Serie zu drucken. Auch Volkswagen produziert Elemente bereits auf diese Art. „Mit 50 bis 70 Prozent Kostenersparnis“, berichtet Referent Peter Unterberg. Er ist Geschäfsführer der Realizer GmbH, die als Pionier im Bereich des 3D-Drucks gilt.

Bisher eigne sich das Verfahren vor allem für komplexe und kleine Bauteile, die in geringen Stückzahlen hergestellt werden, erklärte Unterberg. Doch das werde nicht so bleiben, blickt Frank Balkenhol in die Zukunft. Auf Sicht sei zu erwarten, dass klassische Produktionsverfahren durch den 3D-Druck abgelöst würden. „Das kann dazu führen, dass wir Fertigungen zurück nach Deutschland holen“ – oder sie im Bergischen behalten. „Wir sind hier ja eine Erfinder- und Produktentwickler-Region.“

In Solingen setzt jeder vierte Produktentwickler 3D-Drucker ein

Das Netzwerk solle allen Unternehmern die Chance geben, am Ball zu bleiben. Sich zu informieren und sich beraten zu lassen, wie ihr Betrieb betroffen ist. Worauf sich die Firma einstellen muss, um früh die Weichen zu stellen. „Denn wo es Chancen gibt, herrschen auch Risiken“, weiß Balkenhol.

DAS NETZWERK

KONTAKT Dipl. Ökonom Werner Koch ist der von der Wirtschaftsförderung beauftragte Koordinator des Netzwerks: Er ist erreichbar unter P 1 28 55 30 sowie per Mail unter: info@3d-druck-solingen.de 

INFOS Mehr Wissenswertes zu Technologie und Netzwerk: www.3d-druck-solingen.de

Technische Revolutionen fordern stets auch Opfer. Das ist die Kehrseite des Fortschritts. „Aber aufzuhalten ist er nicht“, sagt Achim Ihlefeld vom Solinger Maschinenbau-Unternehmen Aumat. Der Betrieb setzt den 3D-Druck bereits ein. Ein 20 000-Euro-Drucker habe sich innerhalb eines halben Jahres amortisiert. Den Vorteil beschreibt Frank Balkenhol: „Für einen Prototypen muss ich nicht erst 40 000 Euro in ein Werkzeug investieren. Ich drucke ihn aus.“

Werner Koch, Manager des 3D-Druck-Netzwerks, schätzt, dass in Solingen bereits jeder vierte Betrieb diese Technik in der Produktentwicklung nutzt.

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