Dreharbeiten

„Babylon Berlin“ liegt schemenhaft in Solingen

Oldtimer werden in Stöcken zur Kulisse für die Dreharbeiten zur dritten Staffel von „Babylon Berlin“. Wen sie transportieren? Alles ist ein großes Geheimnis. Foto: Christian Beier
+
Oldtimer werden in Stöcken zur Kulisse für die Dreharbeiten zur dritten Staffel von „Babylon Berlin“. Wen sie transportieren? Alles ist ein großes Geheimnis.

Streng geheime Dreharbeiten für die Erfolgsserie wurden auf dem Gelände von Rasspe durchgeführt.

Von Stefanie Knupp und Philipp Müller

Vielleicht hätte die Hauptfigur der Erfolgsserie „Babylon Berlin“, Kommissar Gereon Rath, großen Spaß an dieser Geschichte. Seit gut vier Wochen kursiert die Nachricht, dass für die dritte Staffel über das Berlin der 1920er und 1930er Jahre auch in Solingen gedreht wird. Doch niemand wollte Genaueres verraten. Also wagte sich das Tageblatt an den Versuch, das Geheimnis zu lüften.

Wir starteten mit einem Ortsbesuch. Volltreffer! Drehort ist das ehemalige Gelände von Rasspe. Zumindest zeugen davon die vielen Fahrzeuge und einige Menschen mit Knöpfen im Ohr, die den Parkplatz links des Gebäudes in Beschlag genommen haben. Betreten werden darf das Gelände ohnehin nicht. Von der Straße Stöckerberg aus aber sind diverse weiße Transporter zu erkennen. Sowohl am späten Montagnachmittag als auch am Dienstagvormittag sind nur wenige Crewmitglieder in der Mini-Stadt zu sehen – von Schauspielern in Kostümen weit und breit keine Spur.

Lesen Sie auch: Rasspe - Annäherung an ersten Investor

Das zur Straßenseite gelegene Tor 3, über dem der Schriftzug „P. D. Rasspe Söhne“ noch auf die ursprüngliche Nutzung der Anlage hinweist, ist wie üblich verschlossen. Auch das angebrachte rot-weiße Flatterband macht klar: Hier geht es nicht weiter. Lediglich ein Oldtimer ist aus der Ferne zu erkennen. Die Klappen fallen vermutlich im Inneren oder auf dem Hof des Geländes.

An der Peter-Rasspe-Straße ist ein Hubsteiger postiert, auf dem in luftiger Höhe ein Scheinwerfer prangt – jetzt weht doch noch ein Hauch vom Babelsberger Filmstudio durch Stöcken, wo ansonsten außer den vielen Fahrzeugen wenig auf die aufwendig produzierte Serie hindeutet. Auch vor Ort wird auf höchste Geheimhaltung gesetzt. Hinweis für Schaulustige: Es gibt wirklich nichts zu sehen.

Komparsen wurden für die Dreharbeiten in Solingen gesucht

Die Erfolgsserie „Babylon Berlin“ suchte im Januar Komparsen für die Drehorte in NRW. Darunter auch Solingen. Doch was genau gedreht wird, daraus machten die Produktionsfirmen ARD Degeto, X Filme Creative Pool, Sky und Beta Film ein großes Geheimnis. Auch die Münchener PR-Agentur Just Publicity, die für „Babylon Berlin“ zuständig ist, gab sich verschlossen. Geschäftsführerin Regine Baschny erklärte auf ST-Nachfrage, sie wisse nicht einmal, dass in Solingen gedreht werde. Zum Inhalt der Dreharbeiten, gar zu den Stars könne sie nichts sagen. Und selbst wenn: Sie dürfe es auch nicht. Durften auch die Mitarbeiter vor Ort nicht. Das Recherche-Team des Tageblatts wurde freundlich, ohne Erklärung im stummen Rasspe-Babelsberg-Nebel stehengelassen. Rückzug.

An das Schweigegelübde hielt sich auch der sonst um lautes Marketing nicht verlegene Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. Frank Balkenhol wollte weder bestätigen noch dementieren, dass auf dem Rasspe-Gelände gedreht werde, man es dafür vermietet habe. Zuvor gab bereits eine Nachbarin den entscheidenden Tipp, dass auf der Industriebrache heftiges Treiben herrsche. Dies schon seit vergangenem Samstag. Auf Facebook tauchte an diesem Tag ein Foto eines Oldtimer-Transporters der Marke Ford auf.

Er transportierte Bierkisten von „Berliner Kindl“. Aber für wen und warum? Alles bleibt mysteriös. Auch die Komparsen waren am Dienstag nicht zu sehen. Schemenhaft huschten zwei Gestalten in langen Mänteln durch die Rasspe-Kulisse. Wird gar ein Italowestern gedreht? Immerhin wussten die Komparsen vorab, dass von 5.30 bis 21 Uhr gedreht werde. Man erhalte Kostüme und einen neuen Haarschnitt.

Die Ausstrahlung der Solinger Szenen erfolgt ab Herbst im Pay-TV

Das weiß man auch noch: Die dritte Staffel bewegt sich in der Welt des Films. Wurde am Dienstag aus Rasspe gar Babelsberg? Die Auflösung gibt es im frei empfangbaren Fernsehen erst im Herbst 2020, in diesem Herbst bereits im Pay-TV bei Sky.

BABYLON BERLIN

INHALT Drogen und die Filmwelt sollen den Inhalt der dritten Staffel bestimmen. Ab Ende der 1920er  Jahre  überschwemmte Heroin Berlin – damals in der Apotheke frei verkäuflich.

VORLAGE Der Roman „Der stumme Tod“ gehört in die Serie der historischen Romane von Volker Kutscher. Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries hatten die Vorlage für die Serie bearbeitet.

Wer doch noch selbst einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten werfen will, kann das in Wuppertal tun. Wann? Logisch: Wird nicht verraten – aber Komparsen sollten aus der Welt des orientalischen Tanzes kommen.

Und so bleiben uns am Ende – wie Kommissar Rath am Anfang der dritten Babylon-Staffel – vor allem viele offene Fragen. Die Spannung steigt.

Auch interessant: Lars Eidinger, der den reichen Unternehmersohn Alfred Nyssen spielt, plaudert offen über einen Fehler beim Dreh.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Stadt-Sparkasse in Solingen schließt zwei Filialen
Stadt-Sparkasse in Solingen schließt zwei Filialen
Stadt-Sparkasse in Solingen schließt zwei Filialen
MTB-Fahrer greift 57-Jährigen auf Korkenziehertrasse an
MTB-Fahrer greift 57-Jährigen auf Korkenziehertrasse an
MTB-Fahrer greift 57-Jährigen auf Korkenziehertrasse an
Schwertstraße nach Unfall gesperrt
Schwertstraße nach Unfall gesperrt
Schwertstraße nach Unfall gesperrt
Corona: Stadt Solingen verliert Überblick bei Nachverfolgung
Corona: Stadt Solingen verliert Überblick bei Nachverfolgung
Corona: Stadt Solingen verliert Überblick bei Nachverfolgung

Kommentare