Mobilität

E-Autos: Zahl der Ladestationen wächst in Solingen

Zuletzt sind in der Ohligser Tiefgarage von Rewe und Stadt-Sparkasse mehrere öffentliche Ladestationen entstanden.
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Zuletzt sind in der Ohligser Tiefgarage von Rewe und Stadt-Sparkasse mehrere öffentliche Ladestationen entstanden.

Mehr als 2500 Möglichkeiten gibt es, um Elektrofahrzeuge zu tanken – 100 neue öffentliche Säulen geplant

Von Manuel Böhnke

Solingen. Sie waren Exoten: Es ist noch nicht lange her, da gab es nur wenige Fahrzeuge mit dem Kennzeichen-Zusatz „E“. „Heute kann ich nicht mehr über die Straße gehen, ohne dass mir Elektroautos begegnen“, sagt Stefan Kirschner. Den Solinger freut’s: Seit 2017 betreibt er mit dem Verein Klingenstromer Aufklärung zum Thema. Die Entwicklung seitdem? Bemerkenswert. In den ersten elf Monaten des Jahres 2022 betrug der Anteil alternativer Antriebe an den deutschlandweiten Pkw-Zulassungen laut Kraftfahrtbundesamt 47,1 Prozent. Parallel dazu wächst die Infrastruktur: Inzwischen gibt es in Solingen mehr als 2500 Ladestationen, berichtet die SWS Netze Solingen GmbH. In den kommenden zwei Jahren sollen allein 100 öffentliche hinzukommen.

Die überwiegende Mehrheit befindet sich im privaten und gewerblichen Bereich. Anlagen mit einer Leistung von bis zu elf Kilowatt müssen der Stadtwerke-Tochter angezeigt, größere genehmigt werden. In der Regel komme es dabei nicht zu Problemen, betont Frank Engel von Netze Solingen. Insbesondere bei Mehrfamilienhäusern könne allerdings vorkommen, dass der Hausanschluss für das geplante Projekt nicht genügt. Dann bedarf es einer genaueren Prüfung. In der Regel lassen sich in solchen Fällen Engel zufolge „Lösungen mit Lademanagement oder stärkeren Hausanschlüssen“ finden.

In Debatten über Elektromobilität stehen öffentliche Lademöglichkeiten im Fokus. Derer gibt es laut Angaben der Stadt derzeit 59 mit 107 Ladepunkten in Solingen, darunter acht Schnellladepunkte an der A 3. Stefan Kirschner zeigt sich mit der Verfügbarkeit zufrieden. Sie sei besser als in Wuppertal und Remscheid.

Privat verfügt der Unternehmer über keine Option, sein Fahrzeug mit Strom zu betanken. Das erledigt er an seinem Betrieb an der Katternberger Straße. Bei privaten Terminen, etwa Kinobesuchen, steuert er Parkplätze mit Ladesäulen an. Das gelinge im Großen und Ganzen gut. Aber: „Es gibt Gebiete in der Stadt, wo das Angebot ausbaufähig ist.“ Beispielhaft nennt er Burg, Widdert und Hästen.

Das haben auch die Solinger Verantwortlichen erkannt. „Die Verwaltung erarbeitet gerade ein Standortkonzept zur besseren Verteilung der Ladeinfrastruktur in der Stadt sowie zum Verfahrensablauf“, heißt es aus dem Rathaus. Ziel sei, „dass Antragsteller schnell und strukturiert die notwendige Sondernutzungsgenehmigung beantragen und erhalten können“. Zudem bedarf es eines Standortkonzeptes, um vergaberechtliche Anforderungen einzuhalten und die Ladepunkte ausgewogen zu verteilen.

Im Rathaus geht man davon aus, dass die „überwiegende Mehrheit der Ladeinfrastruktur“ – etwa 80 Prozent – im privaten Bereich benötigt wird. Gleichzeitig steige der Bedarf für öffentliche Anlagen. Im „Integrierten kommunalen Elektromobilitätskonzept“ steht, 2030 werde es in Solingen einen Bedarf für 352 bis 1022 (halb-)öffentliche Ladesäulen geben.

Die Stadtwerke wollen ihren Beitrag zum Ausbau leisten. Sie sehen sich einerseits als „kompetenten und leistungsstarken Partner“ für den privaten Bereich. Selbst betreiben sie 40 Ladesäulen mit 80 Ladepunkten. In den kommenden zwei Jahren sollen 100 weitere hinzukommen, berichtet Frank Engel. Projekte externer Anbieter seien darüber hinaus denkbar. „Das Thema boomt, es ist aber schwierig, Standorte zu finden – der Straßenraum ist knapp.“ Die Absicht sei jedoch definitiv da: „Wir sehen die Entwicklung positiv und sind zuversichtlich, die Herausforderungen zu meistern.“

Stefan Kirschner sieht einen erfreulichen Trend. 2014 kaufte er den ersten elektrischen Lieferwagen für seine Firma, 2016 für sich einen Plug-in-Hybrid, drei Jahre später ein rein elektrisches Auto. Als die Klingenstromer 2017 an den Start gegangen sind, habe es in Solingen lediglich eine öffentliche Ladesäule gegeben.

Die Corona-Krise hat dem Vereinsleben zugesetzt. Als die Mitglieder ihre Aktivitäten wieder aufnehmen wollten, kam die Diskussion auf: „Wen wollen wir eigentlich noch überzeugen?“ Aufklärungsarbeit zu Elektromobilität sei deutlich weniger notwendig als vor sechs Jahren. Deshalb wird sich der Zusammenschluss auflösen. Stefan Kirschner wertet das als Erfolg: „Es geht nicht mehr darum, ob Elektromobilität funktioniert. Heute ist die Frage, wann welches Modell verfügbar ist.“

Steigender Stromverbrauch

Trends wie die Elektromobilität und elektrisch betriebene Wärmepumpen lassen den Stromverbrauch steigen. „Wir beobachten die Entwicklung der Anschlüsse und des Energiebedarfes genau und erkennen, wo unser Netz verstärkt werden muss“, betont Frank Engel von der Stadtwerke-Tochter Netze Solingen. Er geht deshalb von zunehmender Bautätigkeit aus. Auch bei der Erneuerung veralteter Infrastruktur werden diese Entwicklungen berücksichtigt.

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