Auto-Zulieferer rüsten sich für Neustart

Von Andreas Tews

Die bergischen Automobilzulieferer wollen alles daran setzen, um bei einem Neustart der Produktion den Gesundheitsschutz für ihre Mitarbeiter zu gewährleisten. In den Betrieben arbeite man an entsprechenden Konzepten, sagte Stephan A. Vogelskamp, Geschäftsführer des Vereins Automotiveland NRW, gestern. Dies sei ein wichtiges Signal an die Entscheider beim Land, die über einen Neustart der Wirtschaft befinden.

Unter den Folgen der Corona-Krise leiden die Automobilzulieferer – wie die gesamte metallverarbeitende Branche – in besonderem Maß. Es gebe kaum einen Betrieb im Städtedreieck, der nicht Kurzarbeit angemeldet habe, berichtete Vogelskamp, dessen Verein seine Wurzeln im Bergischen Land hat.

Für einen erfolgreichen Neustart sei es jetzt wichtig, dass die Firmen einen „synchronisierten Neustart“ hinbekommen, dass sie sich also so abstimmen, dass die Lieferketten für jeden einzelnen Hersteller gesichert seien. Für die Firmen sei es wichtig, dass sie bei einem Neustart verlässlich für mehrere Wochen vernünftig ausgelastet seien.

Dazu sei es wichtig, den Neustart frühzeitig zu planen und die Transparenz zwischen den Firmen sicherzustellen. Dies sei nicht die Zeit für Konkurrenzkampf, sondern für einen offenen und fairen Umgang miteinander, stellte Vogelskamp klar. Es sollte nach seiner Meinung jetzt selbstverständlich sein, dass die Unternehmen entsprechende Informationen weitergeben. Automotiveland NRW sammele diese und gebe sie an die Firmen weiter.

Zwischen 72 und 96 Stunden benötige ein mittelständischer Betrieb der Zulieferbranche, um die Produktion wieder hochzufahren, berichtete Vogelskamp. Dabei seien Vorkehrungen zum Gesundheitsschutz umzusetzen. Wenn dazu Produktionslinien umgestellt werden müssten, um den Abstand der Mitarbeiter zueinander zu gewährleisten, falle die Vorbereitungszeit noch länger aus.

Für den Restart gebe es intelligente Konzepte. Möglich sei zum Beispiel, die Produktion im Ein-Schicht-Betrieb wieder hochzufahren, schilderte der Betriebsratsvorsitzende des Volkswagenwerks in Braunschweig, Uwe Fritsch. Die Mitarbeiter sollen dabei im Vier-Wochen-Rhythmus zwischen Kurzarbeit und Schichtdienst wechseln. Dies sei wichtig, um alle Kollegen mit den neuen Abläufen vertraut zu machen.

Die „Zeit der Wahrheit“ erwartet Stephan A. Vogelskamp für die Zulieferbetriebe im dritten Quartal – also im Sommer – dieses Jahres. Derzeit sei das finanzielle Überleben der meisten Unternehmen noch durch Eigenmittel oder Kredite von Banken gesichert. Ab dem dritten Quartal werde es aber immer wichtiger, dass die Firmen vernünftig ausgelastet seien.

Kenner der Branche warnt davor, die Klimaschutzziele aufzugeben

Ausdrücklich warnte Vogelskamp die Branche davor, sich im Zuge der Corona-Krise von technischen Innovationen wie Elektromobilität oder autonomem Fahren zu verabschieden. Dies wäre aus seiner Sicht „verheerend“. Erstaunt sei er darüber gewesen, wie schnell in der öffentlichen Diskussion die Klimaschutzziele in Frage gestellt worden seien. Die Branche habe eigentlich verstanden, wie wichtig es sei, die technischen Neuerungen weiter zu verfolgen. Skeptisch stimme ihn aber, dass die technischen Entwicklungsabteilungen die ersten gewesen seien, die in Kurzarbeit geschickt worden seien.

Eine technische Entwicklung wird nach Auffassung von Thomas Aurich, Technologie-Botschafter von Automotiveland NRW, durch die Corona-Krise beschleunigt: die Digitalisierung. Virtuelle Teamarbeit erhalte einen neuen Stellenwert. Hier dürften die bergischen Unternehmen, die oft noch „traditionell aufgestellt“ seien, die Entwicklung nicht verpassen. » Standpunkt

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