Batteriebetriebene O-Busse

Das Ausland entdeckt den Solinger BOB

KlimaExpo.NRW-Geschäftsführer Heinrich Dornbusch (Mitte) zeichnete gestern den Solinger Busverkehr als 251. Projekt in NRW als Vorreiter für den Klimaschutz aus. Die Urkunde nahmen Stadtwerke-Geschäftsführer Conrad Troullier (links) und OB Tim Kurzbach entgegen. Foto: Christian Beier
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KlimaExpo.NRW-Geschäftsführer Heinrich Dornbusch (Mitte) zeichnete gestern den Solinger Busverkehr als 251. Projekt in NRW als Vorreiter für den Klimaschutz aus. Die Urkunde nahmen Stadtwerke-Geschäftsführer Conrad Troullier (links) und OB Tim Kurzbach entgegen.

Der neue Batterie-Bus zieht immer mehr Interessenten an. Die Stadtwerke verfolgen ein großes Ziel.

Von Stefan Prinz

Der Obus ist das Aushängeschild der Klingenstadt. In keiner anderen deutschen Großstadt wird die Technik elektrisch betriebener Busse so lange genutzt wie in Solingen. In den vergangenen Wochen ist das Interesse an dem elektrischen Stadtverkehr weiter gewachsen.

Standpunkt von Stefan Prinz

Insbesondere die neue batteriebetriebene Bus-Generation, der BOB, macht neugierig. Derzeit stehen drei BOB (batteriebetriebene Oberleitungs-Busse) auf dem Betriebshof der Stadtwerke – der vierte Wagen wird nach Auskunft der Stadtwerke in diesem Monat erwartet. Ab Juni sollen dann alle vier Fahrzeuge zunächst auf den sechs O-Buslinien eingesetzt werden, bevor diese ab Herbst dieses Jahres auf der Linie 695 (zwischen Abteiweg und Meigen) fahren.

Bisher fließt der Strom vom Verteilnetz in das Oberleitungsnetz. „Zukünftig planen wir Photovoltaikanlagen direkt an das Oberleitungsnetz anzuschließen“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Conrad Troullier. Dieser Strom fließt dann in das Stromverteilernetz, das die Elektro-Busse versorgt. So wird der Solinger Nahverkehr nur noch durch lokal erzeugten Ökostrom betrieben. „Wir zeigen damit, wie elektrifizierter Nahverkehr einen wichtigsten Beitrag zur Lösung der Energie- und Verkehrswende leistet, betont Troullier.

Das große Interesse gilt insbesondere für das Ausland. Erst vor wenigen Tagen haben sich Tschechen, Niederländer und Norweger die neue Technik angeschaut. Auch ein Staatssekretär aus Thüringen war vor Kurzem da.

„Wir konzentrieren uns zunächst auf Linien mit vielen Fahrgästen.“
Conrad Troullier, Geschäftsführer Stadtwerke

Zwei von drei gefahrenen Solinger Buskilometern werden bereits elektrisch gefahren. „Diesen Anteil bauen wir immer weiter aus“, sagt Troullier. Bereits im Jahr 2030 könnte der gesamte Solinger Busverkehr elektrisch unterwegs sein. „Wir konzentrieren uns beim Ausbau zunächst auf die Linien mit vielen Fahrgästen.“

Dazu benötigen die Stadtwerke mehr Busse der neuen Technik-Generation und ein noch effektiveres Ladenetz. Der neue BOB verfügt, anders als bisherige O-Busse, über keinen Dieselmotor. Für Fahrten ohne Oberleitung hat er Hochleistungs-Akkus, die für 20 Kilometer Reichweite ausgelegt sind.

OBERLEITUNGSBUS-SYSTEM

GRÖSSE Der Obus Solingen ist eines von drei Oberleitungsbus-Systemen in Deutschland. Die anderen beiden Kommunen mit einem solchen System sind Eberswalde und Esslingen am Neckar. Mit einem Fahrzeugbestand von mehr als 50 Gelenkwagen besitzt die Klingenstadt das größte Obus-System in Deutschland. 

NACHBARN Die Stadtwerke betreiben, ergänzend zu den Obus-Linien, auch andere Stadtbus-Verbindungen. Ein kleiner Teil des Obus-Netzes führt in Wuppertal zum dortigen Bahnhof Vohwinkel.

So viel Zukunftsdenken beeindruckt auch die Landesregierung: Die Initiative KlimaExpo.NRW hat gestern den Solinger Bus-Betrieb offiziell als Vorreiter für den Klimaschutz im Land ausgezeichnet. Initiativen-Geschäftsführer Heinrich Dornbusch betonte vor Ort, dass das Solinger Modell anderen Interessierten Mut mache, in die Technik zu investieren.

„Das funktioniert in keiner deutschen Großstadt so gut wie bei uns“, ist sich Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) sicher. Gerade diese Langlebigkeit überzeuge die Gäste aus anderen Städten, weiß der Rathauschef. Der Obus sei kein Versuchsmodell, sondern könne auch Verkehrsprobleme in Großstädten lösen. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer von KlimaExpo, würdigt Solingen als „Mutmacher“ für andere.

Für das neue Projekt des batteriebetriebenen Busses „benötigen Städte unternehmerischen Mut“, um in diese Technologie zu investieren. Solingen zeige, dass das gelingen könne, so Dornbusch.

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