Ausgangssperre: Solingen im Ruhemodus

Auf der Düsseldorfer Straße in Ohligs war gegen 22.15 Uhr am Freitagabend nichts los – ebenso wie kurz zuvor am Graf-Wilhelm-Platz (großes Foto) oder andernorts in der Stadt. Fotos: Christian Beier
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Auf der Düsseldorfer Straße in Ohligs war gegen 22.15 Uhr am Freitagabend nichts los – ebenso wie kurz zuvor am Graf-Wilhelm-Platz (großes Foto) oder andernorts in der Stadt.

Die Stadt, so scheint es, hat sich die neuen Regeln schon vorab selbst auferlegt – eine Rundreise

Eine Reportage von Timo Lemmer

Eine Handvoll Menschen, darunter spielende Kinder, die kurz zuvor noch auf dem Neumarkt in der Innenstadt saßen oder umherliefen, sind urplötzlich allesamt verschwunden. Als sei in wenigen Augenblicken Zapfenstreich und sie müssten eilig nach Hause. Im Imbiss, der vor kurzem neu eröffnet wurde, wischt eine Frau allein den Thekenbereich, vor dem Restaurant daneben ist gar niemand zu sehen. Und am Ende des Platzes steht ein einsames Taxi: Am Freitagabend kurz nach 21.30 Uhr auf dem Neumarkt wirkt es so, als gelte in wenigen Minuten bereits die neuerliche Ausgangssperre – auch wenn sie erst seit Samstag in Kraft ist und erst seit gestern kontrolliert wird. Viel verändert hätte sie nicht.

Sicherlich: Es ist nicht nichts los. Aber die meisten Menschen, die zu sehen sind, tun nichts, was sie ab heute nicht auch tun dürfen. Eine junge Frau joggt gegen 22 Uhr in gelber Warnweste die Kölner Straße hinauf – das ist auch mit Ausgangsbeschränkung bis 24 Uhr erlaubt. Ein einzelner Passant wird von zwei Polizisten kontrolliert. Das dauert länger, scheint aber nichts mit einem Verstoß gegen die Corona-Regeln zu tun zu haben. Ohnehin tragen die meisten der wenigen Menschen ihre Maske ordnungsgemäß – und die, die das nicht tun, davon manche, weil sie ein Bier trinken, sind nur vereinzelt und einzeln unterwegs.

Den einzigen Betrieb macht der Verkehrsbetrieb

In der Innenstadt ist um kurz nach 22 Uhr abends quasi nichts mehr los. Auf der Kirchstraße wartet der Pavillon eines Obst- und Gemüsehändlers darauf, am nächsten Morgen wieder im Einsatz zu sein. Hell erleuchtet steht der Pavillon ebenso verlassen da wie die paar Kneipen in der Umgebung, in denen an normalen Freitagabenden zumindest Betrieb herrschen würde.

Der einzige Betrieb in der Innenstadt ist aktuell dem Verkehrsbetrieb vorbehalten – nicht, dass rund um den Grafen besonders viele Fahrgäste warten würden. Aber die Busse fahren, wenn auch teils leer. Das Wetter ist in Ordnung, aber auch nicht so gut, dass Menschenmengen die Plätze mit Aufenthaltsqualität fluten würden – mit ein paar Grad mehr wird das womöglich bald anders sein, immerhin ist es lange genug hell.

In Ohligs sitzen zwei Männer etwas gemütlicher am Marktplatz, sie haben sich Pizza mitgebracht. Und ein kaltes Getränk gleich dazu. Zwei Jungs in einem kleinen, weißen Auto scheinen Langeweile zu haben, mehrmals kurven sie rund um den Marktplatz die Straßen entlang, einmal geben sie viel Gas. Das beeindruckt sonst schon niemanden; jetzt ist aber nicht mal jemand da, der den Kopf schütteln kann.

Größter Menschenauflauf: Ein Regionalexpress kommt

Als die Männer mit ihrer Pizza fertig sind, fährt der Wachdienst am Eingang des neuen Supermarktes und der Sparkassen-Filiale vor: Jetzt sind auch hier die Türen dicht. Gekommen oder gegangen war die letzten Minuten ohnehin schon niemand mehr. Am Verkehrsknotenpunkt am Ende der Fußgängerstraße muss wenig später ein Zug angekommen sein – fast zehn Leute verlassen plötzlich zeitgleich den Hauptbahnhof. Der größte Menschenauflauf des Abends, der zu beobachten ist, nachdem der Regionalexpress um 22.15 Uhr Halt gemacht hat, verflüchtigt sich indes so schnell, wie er gekommen war. Kurz darauf kommt die Polizei, fährt einmal die Düsseldorfer Straße hinab: Zu sehen gibt es für die Beamten nichts.

Auch der Stadtteil Wald wirkt gegen 22.45 Uhr wie ausgestorben, lediglich vor einem Imbiss ist jemand zu sehen: Feierabend für den Hähnchen-Bräter, nur noch abschließen und dann ab nach Hause. Abends ist auf öffentlichen Plätzen in Solingen nichts mehr los, was nicht los sein darf – die Ausgangsbeschränkung hat sich die Stadt bereits selbst auferlegt. | Standpunkt

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