Die Woche von Björn Boch

Von der Ausgangssperre geht eine Signalwirkung aus

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bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Angesichts hoher Infektions- und steigender Todeszahlen braucht es strenge Regeln.

Die nächtliche Ausgangsbeschränkung, die für viele de facto eine Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr ist, fühlt sich befremdlich an. Allein schon, weil es Vergleichbares seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben hat. Dasselbe gilt allerdings für die Pandemie, die für einen Ausnahmezustand sorgt – und auch Ärzte auf Solinger Intensivstationen bald in die Lage bringen kann, entscheiden zu müssen, wer aufgrund schwindender Kapazitäten behandelt werden kann – und wer nicht.

Deshalb braucht es, angesichts hoher Infektions- und steigender Todeszahlen, strenge Regeln. Zu den bundesweiten Maßnahmen kommt in Solingen nun noch die Ausgangssperre hinzu. Das ist vertretbar, auch wenn es einen großen Eingriff in die Grundrechte bedeutet. Denn viele Menschen in Solingen bringen bereits ebenso große Opfer. Manche Händler und Dienstleister können ihren Berufen nicht nachgehen. Pflegekräfte in Krankenhäusern und Altenheimen arbeiten seit langer Zeit am Anschlag – oder sind weit darüber hinaus. Eltern mussten wieder für die Betreuung ihrer Kinder sorgen. Diese Liste ließe sich noch sehr lange fortschreiben. Und wie es nach dem 10. Januar weitergeht, weiß niemand.

Daher ist es zumutbar, für einen begrenzten Zeitraum nachts das Haus nicht mehr zu verlassen, wenn es keinen triftigen Grund dafür gibt. So sollen vor allem die letzten Unvernünftigen eingefangen werden, die auf private Feiern und Treffen nicht verzichten wollen. Das wird nun deutlich unattraktiver – und eine weniger strenge Ausgangsbeschränkung – 1 bis 5 Uhr – für die Weihnachtstage und Silvester gibt es ja.

Mit einer Sache haben die Kritiker dieser Einschränkung recht: Es ist unklar, ob sie wirksam ist. Aber die Pandemie ist derart außer Kontrolle geraten, dass wir mit letzter Sicherheit wohl nie werden feststellen können, wo genau Infektionen entstehen. Die Ausgangssperre ist eben nur ein Teil der Maßnahmen.

Denn zur Wahrheit gehört auch: Jeder – insbesondere jeder Betroffene – weiß oft sehr schnell, wo die Infektionen eben nicht herkommen. Die Schulen seien keine Infektionsherde, wiederholte das Land gebetsmühlenartig. Ein Besuch der Restaurants sei ungefährlich, sagten die Gastronomen vor der Zwangsschließung. Der Einzelhandel habe überzeugende Hygienekonzepte, betonten die Handelsverbände erfolglos. Wo aber kommen die vielen Infektionen dann her?

Dass sie ausschließlich im privaten Umfeld stattfinden, ist unwahrscheinlich. Natürlich spielt dieser Bereich eine große Rolle. Und zugleich ist er – etwa wegen des besonderen Schutzes der eigenen Wohnung – am schwersten zu kontrollieren. Es ist aber wahrscheinlich, dass ein strenger Lockdown nebst Ausgangssperre eine Signalwirkung auch in das Private hat. Oder zumindest ist das zu hoffen. Der eine oder andere mag sich durchaus gefragt haben, warum er auf den Besuch bei Freunden verzichten soll, obwohl er ganz normal zur Arbeit fahren muss, den Friseur besuchen kann und in einer vollen Innenstadt unterwegs ist.

Jetzt muss auch der Letzte verstanden haben, wie ernst die Lage ist.

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