Die Woche von Stefan M. Kob

Auf die Flut folgt eine Welle der Hilfsbereitschaft

Welche Worte kann man finden, um das Unheil zu beschreiben, das uns überkommen hat?

stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Das Jahrtausendhochwasser (Jahrhundert reicht schon nicht mehr) hat Menschenleben gekostet, Existenzen vernichtet, Einsatzkräfte über den Rand der Erschöpfung gebracht, unser Leben, das uns gerade wieder ein bisschen Normalität vorgegaukelt hat, noch einmal grundlegend durcheinander gewirbelt. Man hat das Gefühl, niemals mehr aus dem Krisenmodus herauszukommen. Ein Wort steht aber jetzt schon über allen, auch wenn das Ausmaß der Katastrophe noch gar nicht richtig fassbar ist: Das Wort „Danke”. Es heißt ja immer so schön, dass in den schlimmsten Stunden das Beste im Menschen wieder hervortritt. In einer Gesellschaft, die scheinbar nur noch aus einer Ansammlung von Egoisten besteht, wird plötzlich ohne viel zu fragen angepackt, geholfen, unterstützt, aufgeräumt, Unterschlupf gewährt, Essen gebracht, getröstet. . .  Auf die Flutwelle folgt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Selbst über die Stadtgrenzen hinaus: Das Klinikum überließ den verzweifelten Kollegen aus Leverkusen spontan eine ganze Station, da diese ihr funktionsunfähiges Haus Hals über Kopf räumen und hunderte Patienten, teilweise im kritischen Zustand, verlegen mussten. Umgekehrt sprangen Helfer aus anderen Regionen den Solingern in dem verzweifelten Kampf bei, um das Leben von Menschen und Tieren zu retten und Hab und Gut zu bergen. Die Rettungskräfte haben nahezu Unmenschliches geleistet: Hätten sie einfach nur ihren Job gemacht, hätte die vernichtende Wucht der Wassermassen noch weit furchtbarer gewütet.

Um das Ausmaß der Katastrophe in Wort und Bild zu dokumentieren und aktuell im Internet und in der Zeitung über die Schäden, das Leid und eben auch die Hingabe der Retter und Helfer zu berichten, waren unsere Reporter von Tagesanbruch bis tief in die Nacht an den kritischen Stellen im Stadtgebiet unterwegs. Nicht sensationslüstern, sondern mit der gebotenen Sachlichkeit und dem Respekt vor dem Leid der Betroffenen. Diese Informationen sind einfach schon deshalb wichtig, um deutlich zu machen, dass die Politik die Katastrophenopfer jetzt nicht auf den Trümmern ihrer Existenz sitzenlassen darf, sondern ihnen mit einer nationalen Kraftanstrengung helfen muss.

In den nächsten Tagen und Wochen wird es darauf ankommen, dass diese Welle nicht verebbt. Und es kommt noch auf etwas anderes an: Dass die Politiker jetzt der Versuchung widerstehen, die Flutkatastrophe als einen Wahlkampfschlager zu instrumentalisieren. Erste schäbige Ansätze dazu sind leider schon im Umlauf. Als ob es nur die richtige politische Farbe bräuchte, um solche Unglücke zu verhindern. Die Einsicht, dass wir eine entschiedenere Klimaschutzpolitik brauchen, dass es globaler Anstrengungen bedarf, um den Klimatrend zu stoppen, bezweifelt doch keine demokratische Kraft mehr. Nur über den richtigen Weg dorthin darf und muss gestritten werden. Jetzt lautet das Gebot der Stunde, das Leid der Betroffenen schnell zu lindern.

TOP Läuft mit Ohligs: Die konzertierten Aktionen werden dem wachsenden Stadtteil neues Flair verleihen.

FLOP Läuft nicht mit Schule: Unsägliche Diskussion über Finanzierung von Luftfilteranlagen.

Rubriklistenbild: © cb

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