Mein Leben als Papa

Auf den Spuren Picassos – aber wohin mit den ganzen Kunstwerken?

Stolz auf ihre Werke, die beim Kunst-Happening im Garten entstanden: Hannes und Michel.Foto: Heidermann
+
Stolz auf ihre Werke, die beim Kunst-Happening im Garten entstanden: Hannes und Michel.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Pablo Picasso, zweifellos einer der einflussreichsten Künstler der Geschichte, hat oft von seiner Sehnsucht erzählt, so unbefangen und unverbildet malen zu können wie ein Kind. In Hannes und Michel hätte er seine Meister gefunden. Die beiden überbieten sich seit einigen Wochen darin, Kunstwerke zu erschaffen. „Gebt mir ein Museum, und ich werde es füllen“, hat Picasso mal gesagt. Bei Hannes und Michel würde es auch schon locker für eine Ausstellung im Museum of Modern Art reichen. Quantitativ zumindest. Dabei war Malen für Hannes lange Zeit nicht die liebste Beschäftigung. Weil er den Stift nicht richtig hielt, entstand auf dem Papier nicht das, was er sich vorgestellt hatte. Aus dem Perfektionisten Hannes, der sich irgendwann doch von der korrekten Stifthaltung überzeugen ließ, ist jetzt aber ein kreativer Geist geworden, der so unbefangen drauflos malt, wie Picasso es sich gewünscht hätte. Bilder von Dinosauriern, Raketen, Fußballstadien, Ninja-Kämpfern und Regenbogenwelten entstanden in unterschiedlicher Qualität und hängen nun über seinem Bett. „Ich male Objekte, wie ich sie denke, nicht wie ich sie sehe“, sagt Hannes dazu. Oder war das auch Picasso?

Gunnar Freudenberg

Für Michel ist das Hantieren mit Stiften und Papier in erster Linie ein Spiel. Eines, das bei ihm immer schon hoch im Kurs steht. Er experimentiert gerne mit Farben. Etwas Gegenständliches sollte man in seinen Werken nicht erwarten. Wenn ich ihn mal frage, was das auf seinem Bild denn darstellen soll, lautet seine Antwort oft: „Das ist Rot, Papa.“ Und der Opa, an dessen Wänden zeitgenössische Kunst en masse hängt, versteht ihn. Was Hannes und Michel eint, ist die Fähigkeit, beim Malen komplett abzuschalten und zu entspannen. „Der Zweck der Kunst ist es, den Staub des Alltags von unseren Seelen zu waschen.“ Sie ahnen sicher, von wem dieses Zitat überliefert ist. Kommt dann noch Fingermalfarbe ins Spiel, wird Kunst zum sinnlichen Erlebnis. Vor allem Michel liebt es, alle Farben so lange in seinen Händen zu verreiben, bis die immer gleiche braune Matsche entsteht. Die Seele mag hinterher gewaschen sein, die Klamotten haben es noch vor sich.

Bei Hannes werden die Werke nun sogar skulptural. Er hat das Basteln für sich entdeckt. Flugzeuge, Schiffe und Superhelden entstehen – immer mit reichlich Kleber und Pappe. Er liebt es, seine Werke zu verschenken. Auf meinem Schreibtisch wird der Stapel mit seinen Bildern und Basteleien immer höher. Die zehnte Papa-Zeichnung, der siebte Fußballspieler, der fünfte Papp-Superheld – ich bringe es nicht übers Herz, auch nur ein Objekt wegzuschmeißen. Außerdem, meint auch Picasso, „könnte man nicht 100 Bilder über dasselbe Thema malen, wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe.“ Ich muss mir also etwas für die Unterbringung einfallen lassen.

Mit der Oma von Nachbarin Mila durften Hannes und Michel kürzlich im Garten mit Acrylfarbe auf echten Leinwänden ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die hierbei entstandenen Bilder hängen nun in unserem Flur. Aber noch viel wichtiger: Bei diesem Happening sah man nur in strahlende Gesichter. Jedes Kind ist eben ein Künstler. Wusste schon Picasso und fügte an: „Das Problem ist nur, ein Künstler zu bleiben, während man erwachsen wird.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Fahren trotz Verbot: Autofahrer ignorieren Absperrungen
Fahren trotz Verbot: Autofahrer ignorieren Absperrungen
Fahren trotz Verbot: Autofahrer ignorieren Absperrungen
Frau fährt gegen geparktes Auto
Frau fährt gegen geparktes Auto
Frau fährt gegen geparktes Auto

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare