Mein Leben als Papa

Auf Augenhöhe: Der kleine Bruder hat jetzt ganz andere Möglichkeiten

Michel ist zwar der kleine Bruder, weiß aber, was er tun muss, um mit Hannes auf Augenhöhe zu sein. Foto: gf
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Michel ist zwar der kleine Bruder, weiß aber, was er tun muss, um mit Hannes auf Augenhöhe zu sein.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Sie glucken jetzt schon eine echt lange Zeit lang Tag für Tag aufeinander. Auch wenn Hannes und Michel froh sind, dass sie sich haben, weil zu Hause immer jemand zum Spielen da ist, bleiben Meinungsverschiedenheiten nicht aus. Beide wollen und müssen ab und zu ihre Interessen durchsetzen – und das geschieht natürlich nicht immer auf harmonische Art und Weise.

Die Zeiten, in denen sich Michel als unterlegener, kleiner Bruder nur mit Schubsen, Hauen oder Haareziehen behaupten konnte, sind allerdings vorbei. Er hat jetzt, gerade sprachlich, andere Möglichkeiten. Da wird das Kinderzimmer zum Schauplatz für Wortgefechte, sei es mit der Keule oder mit dem Florett.

Nicht falsch verstehen: Michel ist eigentlich ein friedliebendes Kerlchen. „Kannst du mit mir spielen?“, fragt er Hannes morgens ganz lieb. Und auch mitten im Spiel ist ihm die Meinung seines großen Bruders wichtig: „Möchtest du die Kurve einbauen: Ja oder nein?“

Michel kann aber auch bestimmender werden: „Hannes, du nimmst den Geländewagen und ich nehme das Quad“, heißt es etwa, wenn sie sich eine Feuerwehrmann-Sam-Welt aufgebaut haben. Manchmal ist das für Hannes in Ordnung, ein anderes Mal nicht. Spätestens, wenn von Michel ein lautes „Gaaar nicht!“ aus dem Kinderzimmer zu hören ist, kommt es zum Duell. Dann wird auch Hannes lauter und demonstriert, dass eigentlich er der Boss in seinem Zimmer ist. Aber so leicht lässt sich Michel jetzt eben nicht mehr unterbuttern. Er hält argumentativ dagegen. „Michel, du kannst nicht immer mit zwei Fahrzeugen gleichzeitig spielen!“, maßregelte ihn Hannes neulich. Und Michel parierte ganz cool: „Kann ich doch, ich hab ja zwei Hände.“

Nicht immer kontert Michel so präzise und gekonnt. Mitunter ist er auch einfach nur wütend und wird dann unsachlich – wie das beim Streiten eben passieren kann. „Dann mach ich deinen Teppich kaputt!“, droht er seinem Bruder schon mal. Oder auch: „Dann nehm ich einen großen Stuhl und verstecke dein Auto ganz oben im Schrank!“

Geschwisterkinder haben Einfluss auf die Entwicklung. Als Hannes in Michels Alter war, hatte er keinen großen Bruder. Michel dagegen orientiert sich daran, was Hannes ihm vorlebt, eifert ihm nach oder grenzt sich von ihm ab. Studien sagen, dass auch die Reihenfolge der Geburt Auswirkungen darauf hat, wer und vor allem wie wir einmal werden. Die jüngsten Geschwister sind als Erwachsene oft Menschen, die wissen, wie sie mit Charme Ärger vermeiden können. Auf Michel trifft das jetzt schon ein bisschen zu. Wenn ihm beim Spielen im Garten mit Nachbarkind Mila und Hannes irgendetwas nicht passt und er von seinem Klettergerüst aus ruft: „Das ist doch keine Lösung“, dann ist das einfach nur süß. Oder wenn er gerne noch draußen bleiben möchte und mich abwimmelt mit einem: „Geh du rein, ich halte hier die Stellung“, kann ich einfach kein strenger Papa sein.

Wenn Michel abends früher einschläft, bin ich übrigens manchmal froh, noch etwas Zeit alleine mit Hannes verbringen zu können. So bekommt er das Gefühl, dass er eben doch der Größere ist, und muss es seinem kleinen Bruder gegenüber mal nicht unter Beweis stellen. So ein bisschen Harmonie am Abend ist ja auch ganz schön.

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