Lieferkettengesetz

Auch Solinger Betriebe müssen Lieferanten jetzt überwachen

Unter anderem der Süßwarenhersteller Haribo ist von der neuen gesetzlichen Regelung betroffen.
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Unter anderem der Süßwarenhersteller Haribo ist von der neuen gesetzlichen Regelung betroffen.

Ab diesem Jahr gilt das neue Lieferkettengesetz. Unternehmen im Bergischen befürchten mehr Bürokratie.

Von Kristin Dowe

Solingen. Für Unternehmen ab 3000 Mitarbeitern ist am 1. Januar das neue Lieferkettengesetz in Kraft getreten, ab dem kommenden Jahr gilt es auch für Unternehmen ab 1000 Beschäftigten. Darüber hinaus beginnen voraussichtlich im Frühjahr dieses Jahres Verhandlungen für ein EU-Lieferkettengesetz auf europäischer Ebene, das auch deutlich kleinere Betriebe treffen wird. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was beinhaltet das Gesetz – und was wird damit bezweckt?

Mit dem sogenannten Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) sollen Menschen- und Umweltrechte entlang der Lieferketten geschützt und die internationale Menschenrechtslage verbessert werden. Das Gesetz verpflichtet Unternehmen – entsprechend ihrer Größe ab diesem oder erst ab kommendem Jahr – ein Risikomanagement in Bezug auf mögliche Umweltbelastungen oder Menschenrechtsverletzungen in der eigenen Lieferkette zu erstellen. „Das bedeutet, dass alle Produkte und Dienstleistungen, Beschaffungswege und Lieferanten genauestens unter die Lupe genommen werden müssen“, erklärt die Solinger Wirtschaftsförderung auf ihrer Internetseite. Die Umsetzung in der Praxis ist für betroffene Unternehmen komplex – Unterstützung bieten unter anderem Institutionen, Initiativen und Verbände an.

Welche Erwartungen haben die Unternehmen im Bergischen an das neue Gesetz?

„Das Ziel ist grundsätzlich zu begrüßen“, hält Michael Wenge, Hauptgeschäftsführer der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), für deren Mitgliedsunternehmen fest. „Allerdings darf man die Unternehmen gerade in der gegenwärtigen Lage nicht überfordern.“ So führten die „sehr detaillierten Vorschriften“ laut Wenge zu einem hohen bürokratischen und personellen Aufwand. „Die betroffenen Firmen müssen ein Risikomanagement implementieren, umfangreiche Informationen über ihre Geschäftspartner einholen, recherchieren, woher diese ihre Waren beziehen, und dies alles aufwendig dokumentieren“, erklärt er. „Die konkreten Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit sind schwer abschätzbar, wir hoffen aber sehr, dass bergische Unternehmen durch das deutsche Gesetz keine Marktanteile verlieren.“

Wie bereitet sich ein Solinger Unternehmen auf das Gesetz vor?

Bei der Firma Haribo, deren größter deutscher Standort mit 1000 Mitarbeitern sich in Solingen befindet, beschäftigt sich laut einer Sprecherin bereits seit Monaten eine „internationale Projektgruppe“ intensiv mit dem Thema. „Für ein mittelständisches Unternehmen bedeutet das einen nicht unerheblichen Mehraufwand – an Kosten und vor allem an Zeit“, heißt es bei dem Süßwarenhersteller. Für die Umsetzung des Gesetzes diene Haribo das Qualitätsmanagement-System gemäß FSSC 22000, eine Norm zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit. „Das darin geforderte Lieferantenmanagement – insbesondere die Lieferantenbewertung – erweitern wir entsprechend den Vorgaben des Gesetzes mit dem Wissen unserer Experten aus dem Unternehmen.“ So wolle das Unternehmen an sämtlichen Standorten weltweit einen einheitlichen Standard für die Betrachtung all seiner Lieferanten schaffen.

Welche Branchen sind auf Zulieferer in Ländern angewiesen, wo es Probleme mit den Menschenrechten gibt?

Deutsche und europäische Unternehmen beziehen unter anderem seltene Erden und viele weitere Rohstoffe aus verschiedenen Ländern des asiatischen und afrikanischen Kontinents. Diese Rohstoffe sind insbesondere für die Maschinenbau- und die Elektroindustrie unverzichtbar. „Aufgrund der niedrigen Löhne sind auch Endfertigungen der Textil- und Lederbranche auf diese Länder angewiesen“, macht Michael Wenge deutlich. Bislang konnten sich Unternehmen über die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte selbst zur Einhaltung menschen- und umweltrechtlicher Standards verpflichten. „Die positive Reputation sollte Unternehmen dazu anregen, die Bedingungen entlang der Wertschöpfungskette zu verbessern“, blickt der IHK-Hauptgeschäftsführer zurück. „Auch die Textilbranche hatte schon vor geraumer Zeit umfangreiche Selbstverpflichtungen beschlossen.“

Haribo gibt an, ausschließlich mit zertifizierten Lieferanten zusammenzuarbeiten, „die unseren globalen Verhaltenskodex für Lieferanten unterzeichnen und die unseren strengen Qualitäts- sowie ethischen, sozialen und ökologischen Standards entsprechen“.

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