Andacht

Auch wir Menschen sind Lastenträger

Die katholische Pfarrkirche St. Clemens liegt in der Solinger Innenstadt. Archivfoto. Christian Beier
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Die katholische Pfarrkirche St. Clemens liegt in der Solinger Innenstadt.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der katholische Pfarrer Michael Mohr

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

die Ferien haben angefangen. Endlich! Nach Wochen des „Homeoffice“ und des „Homeschooling“ ist vielleicht Zeit, etwas zu unternehmen. Oder sogar in den Urlaub zu fahren? Weit weg geht dieses Jahr nicht, aber es gibt so viele Ziele auch in unserer Heimat, bei denen es sich lohnt, sie zu entdecken. Und vielleicht begegnet Ihnen ja auch ein Rindvieh. Wobei es mir gar nicht um das Rindvieh geht, sondern um das Holz auf den Schultern des Rindes. Wissen Sie, was ein „Joch“ ist? Ich vermute, dass einige das wissen. Aber die meisten vielleicht eher nicht. Genau das ist dieses Ding dort. Jemanden „unterjochen“, ihn also unter ein Joch nehmen, ist alles andere als angenehm oder bequem. Es bedeutet eine Last aufzulegen, um noch mehr Lasten zu tragen oder zu schleppen. Allein das hölzerne Joch auf dem Bild wird einiges wiegen. Aber es dient letztlich dazu, einen Pflug oder einen Wagen oder was auch immer ziehen zu können. Es ist nicht die Vorfreude auf den Urlaub in den Bergen, der mich zu diesem seltsamen Gegenstand bringt. Es ist ein Satz aus dem Evangelium, das wir am kommenden Sonntag in den katholischen Messen hören: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Mt 11, 29-30)

Von Jesus lernen, das klingt gut. Aber sein Joch auf mich nehmen? Wirklich denken, dass seine Last leicht ist und sein Joch sanft? Da war doch die Sache mit der Folter und der Kreuzigung, oder? Das klingt für mich nicht nach Leichtigkeit und Sanftheit. Im Gegenteil! Aber Jesus meint das trotzdem ernst. Wie also kann ich das verstehen oder sogar annehmen? Ich denke, dass jeder, der Verantwortung trägt, weiß, dass da immer so eine Art Joch auf unseren Schultern liegt. Und eigentlich trägt jeder Verantwortung: mindestens für sich selbst, und darüber hinaus für die Familie, im Beruf und und und. Wir sind, egal in welchem Bereich, auch Lastenträger. Eigentlich erzählt uns Jesus da nichts Neues. Leicht ist die Last Jesu sicher nicht, weil sie einfach zu tragen ist oder alle Sorgen des Lebens wegwischt. Leicht kann das Joch Jesu nur sein, wenn mir bewusst ist, dass ich nie allein bin mit meiner Last: Neben mir ist immer Jesus, mit mir trägt immer Gott. Und dann fange ich an zu ahnen, was Jesus wirklich meint: Mit all dem, was dich belastet, mit all dem, was du schultern musst, bist du nie allein. Lass dich nicht erdrücken, sondern stützen!

Klingt simpel, oder? So einfach ist es im Alltag sicher nicht. Kennen Sie nicht auch das Gefühl, nicht mehr zu können? Total ausgelaugt zu sein? Am Ende? Vielleicht probieren Sie es dann mal mit einem Gebet? Das kann ein ganz kurzes, vielleicht ein Stoßgebet sein. Das wird nicht dafür sorgen, dass sich alle Probleme in Luft auflösen. Aber vielleicht spüren Sie in dem Moment doch: Ich bin nicht allein.

Ich wünsche Ihnen eine gute Ferienzeit und die Erfahrung, dass es gut tut, bei all dem, was wir schultern müssen, jemanden an unserer Seite zu haben! Atmen Sie durch, achten Sie auf sich und Ihre Lieben und bleiben Sie gesund!

Zur Person

Michael Mohr studierte Theologie in Bonn, Salamanca und Köln, Diakonenweihe 2007, Priesterweihe 2008. Nach Kaplanstellen in Neuss, Wipperfürth und Grevenbroich ist er seit 2016 Pfarrer in der Klingenstadt, seit 2017 Stadtdechant.

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