Die Woche

Auch in der Pandemie gilt: Arme werden eher krank

bjoern.boch@ solinger-tageblatt.de
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Das Coronavirus interessiert sich nicht für Staaten- oder Stadtteilgrenzen.

Wenn sich das Corona-Virus schon nicht für Staatengrenzen interessiert – das zeigt die Verbreitung der indischen Mutante wieder einmal –, dürfte jedem klar sein, dass es sich mit Stadtteilgrenzen ebenso verhält. Ja, die Infektionszahlen sind in Mitte am höchsten. Aber das betrifft eben nicht nur die Innenstadt, sondern alle. Sind die Inzidenzen in Solingen zu hoch, sind Lockerungen nicht möglich – egal, wo diese Inzidenzen herkommen. Wenn der Appell, dass wir alle in einem Boot sitzen, jemals angebracht war, dann jetzt.

Dass es mit der Solidarität allerdings nicht allzu weit her sein könnte, lässt die Sensibilität vermuten, mit der das Thema „Impfen in sozialen Brennpunkten“ von vielen Seiten angepackt wird. So beeilt sich das NRW-Gesundheitsministerium zu betonen, dass Biontech und Moderna in den Impfzentren verplant seien. Minister Laumann schreibt wörtlich: „Daher können wir lediglich auf die Impfdosen von Johnson & Johnson zurückgreifen.“ Heißt: Niemand außerhalb dieser Brennpunkte soll sich Sorgen machen, dass er den Kürzeren zieht. Schon gar nicht, da Geimpfte schneller ihre Rechte zurückerhalten.

Die erste Impfaktion in Köln-Chorweiler (die Inzidenz lag dort über 500) ging bundesweit durch die Medien – und musste unterbrochen werden, weil die Nachfrage größer war als die Impfstoffmenge, die das Land liefern konnte. Auch wenn die Impfkampagne nun schneller wird, noch ist Impfstoff ein zu knappes Gut. Und knappe Güter sorgen für Verteilungskämpfe.

Mit dem Beginn der Impfungen in der Priorität 3 haben Bund, Land und auch die Stadt Solingen nun ein Argument an der Hand, soziale Aspekte stärker als bislang zu berücksichtigen: „Personen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen“ sind dort explizit genannt. Die Gruppen in dieser Priorität sind allerdings zahlreich, sehr viele Menschen haben nun ein bevorzugtes Recht auf eine Impfung.

Unter denen, die von den Sonderimpfungen in den Brennpunkten profitieren können, werden mehr Menschen mit Migrationshintergrund sein als im Rest der Stadt. Dass sich das Virus dort stärker ausbreitet, mag im Einzelfall kulturelle Hintergründe haben, die beiden wichtigsten Faktoren sind aber unabhängig von Nation oder Herkunft zu sehen: Armut – und damit verbunden ein geringeres Bildungsniveau. Armut führt zu beengten Wohnverhältnissen, die die Ausbreitung des Virus begünstigen. Drei von vier Menschen in Solingen stecken sich im direkten familiären Umfeld an. Mit fehlender Bildung geht einher, sich weniger oder aus zweifelhaften Quellen zu informieren. Auch Gesundheitsvorsorge steht weniger im Fokus, arme Menschen sterben früher. Oder, um es im Kontext der Pandemie zu sagen: Arme werden eher krank. Menschen mit höherer Bildung und gutem Einkommen können sich besser schützen – weil sie schöner wohnen, wahrscheinlicher Jobs mit Homeoffice-Möglichkeit haben und sich eher um eine Impfung bemühen. In die Brennpunkte wird im Zweifel ein Impfmobil fahren müssen. Das muss vorab gut kommuniziert werden. Das Beispiel Köln zeigt, dass es angenommen wird.

TOP Die Bürger freut’s: Initiativkreis und Zöppkesmarkt-Macher planen kleine Stadtteilfeste im Herbst.

FLOP Die Anwohner nervt’s: Anliegerstraßen dienen als Abkürzung.

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