Zum Tod Elizabeth II.

So trauert Solingen um die Queen

Für Colin Moon und seine Solinger Cousine Carol Rohn war die englische Königin eine Konstante in ihrem Leben.
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Für Colin Moon und seine Solinger Cousine Carol Rohn war die englische Königin eine Konstante in ihrem Leben.

Eine Engländerin in Wald, Fahnen auf Halbmast, Stimmen aus Blyth und Eindrücke der ST-Volontärin aus York.

Manch einer mag es angesichts der Gerüchte um den schlechter werdenden Gesundheitszustand des britischen Staatsoberhaupts schon geahnt haben, doch hat die Nachricht am Donnerstagabend auch bei vielen Menschen in der Klingenstadt für Trauer gesorgt: Queen Elizabeth II. ist gestorben.

Vor allem Bürgerinnen und Bürger mit britischen Wurzeln trauern um ihre Königin, denn die Identifikation mit der Monarchin, die mehr als 70 Jahre lang ihr Land in der ganzen Welt würdevoll und pflichtbewusst repräsentiert hat, ist groß.

Carol Rohn: Tränen für ein Symbol der Beständigkeit

So geht es zumindest Carol Rohn, die – verheiratet mit Guido Rohn von der Denkmalstiftung Walder Kirche – seit 42 Jahren in Deutschland lebt, die emotionale Verbindung zu ihrer früheren Heimat aber nie verloren hat. „Ich habe gestern Abend ein bisschen geweint und sofort meiner Schwester geschrieben“, sagt die aus Leicester stammende Solingerin. „Die Queen hat ihr ganzes Leben für ihr Volk gegeben. Sie war für mich ein Symbol der Beständigkeit, denn sie war einfach immer da und hat ihre Pflicht erfüllt.“

Zwar habe sich Carol Rohn, trotz der gebotenen politischen Neutralität der Queen, gelegentlich auch mal einen kritischen Akzent in öffentlichen Debatten von Ihrer Majestät gewünscht. Doch überwiegt bei ihr die Anerkennung für die Königin, die für ihre geradlinige Persönlichkeit auch in Deutschland verehrt und geschätzt wurde.

Vor der Polizeiinspektion an der Kölner Straße wehten die Flaggen der EU, Deutschlands und NRWs auf halbmast.

Trauerbeflaggung: Fahnen wehen auch in Solingen auf Halbmast

Dies zeigt sich auch an den vielen Kondolenzbekundungen und Zeichen der Solidarität aus Deutschland: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ordnete für Freitag Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Dienstgebäuden an, so dass auch an der Solinger Polizeiinspektion an der Kölner Straße die Flaggen auf halbmast wehten.

Colin Moon: Vertrauen in Charles III.

Colin Moon, der in Großbritannien lebt und gerade in Solingen zu Besuch ist, teilt die Trauer mit seiner Cousine Carol Rohn. „Ich habe die Queen immer sehr gemocht – ich bin Royalist.“ Sogar früher in der Schule sei es durchaus üblich gewesen, morgens für die Königin zu beten – ein Brauch, den man sich in Deutschland wohl für keine öffentliche Persönlichkeit auch nur vorstellen könnte. „Ich glaube, dass auch Charles ein guter König sein wird. Er hatte ja lange Zeit, um zu üben!“, scherzt Moon lachend. Der britische Thronfolger werde aber einen anderen Stil als seine Mutter pflegen.

Partnerstadt Blyth: „Am Boden zerstört“

Die Nachricht vom Tod der Queen wurde auch in Solingens englischer Partnerstadt Blyth im County Northumberland mit Bestürzung aufgenommen. Die Northumberland Gazette zitiert den konservativen Unterhaus-Abgeordneten Ian Levy aus Blyth mit den Worten: „Ich bin sicher, ich spreche im Namen aller in Blyth Valley, wenn ich sage, wie am Boden zerstört ich war, als ich die Nachricht höre, dass Ihre Majestät gestorben ist.“ Und er fährt fort: „Sie wird uns allen sehr fehlen, und wir sind wirklich dankbar für alles, was sie für unser Land getan hat.“

Warren Taylor, Bürgermeister von Blyth, erklärt auf der Homepage der Stadt, dass die Stadt von tiefer Traurigkeit erfasst sei: „Im Namen der Räte und Offiziere, die dem Rat von Blyth dienen, und der Einwohner von Blyth senden wir allen Mitgliedern der königlichen Familie in dieser sehr traurigen Zeit unser herzliches Beileid.“ Taylor war kürzlich erst in Solingen und hatte mit einer erneuten Freundschaftsurkunde zusammen mit Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) die Verbundenheit der beiden Städte bekräftigt, deren Partnerschaft seit 1962 besteht.

ST-Volontärin in York: Öffentliches Leben steht still

Einen Eindruck davon, wie die Stimmungslage bei den Briten derzeit ist, kann sich unsere Volontärin Michelle Jünger vor Ort machen – sie verbringt ihren Urlaub gerade in der Stadt York in Mittelengland. „Man merkt ihnen den Verlust an“, sagt sie. Viele Konzerte und Ausstellungen seien bereits abgesagt und Pubs geschlossen. Ihren Urlaub hätte sich die Remscheiderin sicherlich anders vorgestellt, doch mangels Alternativen folgt sie nun dem Motto der Queen: „Never complain, never explain.“

Am Sonntag wird sie nach London reisen. Ins Zentrum des Gedenkens an die verehrte Königin.

Dazu auch: Bergische Symphoniker spielten für die Queen

und: Eine Bergische auf Englands Thron

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