Krankheiten

Praxen und Kinderklinik in Solingen sind voll

Dr. Sven Propson ist Chefarzt der Kinderklinik.
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Dr. Sven Propson ist Chefarzt der Kinderklinik.

Viele Kinder leiden derzeit unter Atemwegsinfektionen. Die Solinger Ärzte machen sich große Sorgen.

Von Anja Kriskofski

Die Infektionswelle unter Kindern und Jugendlichen wirkt sich auch in Solingen aus. Die Notfallpraxis der niedergelassenen Kinderärzte im Städtischen Klinikum war am Wochenende brechend voll. Ebenso die Kinderklinik: Dort würden aktuell viele Kinder mit Luftwegsinfekten wie dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) behandelt, berichtet Chefarzt Dr. Sven Propson. „Parallel dazu baut sich die Influenzawelle auf. Jedes frei werdende Bett wird sofort wieder belegt.“ Inzwischen würden Kinder NRW-weit verlegt.

Durch die Corona-Maßnahmen und Lockdowns hätten sich Infektionen verschoben, die jetzt nachgeholt werden. Aktuell behandele das Team der Kinderklinik vor allem Säuglinge und Kleinkinder mit einer RSV-Infektion, die zusätzlichen Sauerstoff bräuchten und zum Teil auch dehydriert seien, weil sie nicht mehr trinken. „Manche sind so krank, dass sie auf die Intensivstation müssen.“

Auch die Grippewelle, die sonst erst danach komme, beginne bereits, berichtet Propson. Um Kinder unterbringen zu können, sind die Kinderkliniken in NRW in engem Austausch. „Wir haben schon Kinder aus Bonn hier behandelt.“ Ebenso habe man Kinder aus Solingen in andere Krankenhäuser verlegen müssen. „Wir versuchen, wohnortnah zu behandeln, aber die Kapazitäten sind begrenzt.“ Teils könnten Kinder früher entlassen werden und in den Praxen engmaschiger betreut werden. „Hier ist der Austausch mit den niedergelassenen Ärzten sehr eng.“

Höhepunkt der Infektionswellen ist noch nicht erreicht

„Es ist sehr chaotisch“, sagt Dr. Sonia van Afferden, Sprecherin der Solinger Kinderärzte. „Wir haben einen unglaublich hohen Krankenstand auch unter den Mitarbeitern.“ Seit etwa zweieinhalb Wochen gebe es einen starken Anstieg bei den Grippefällen, auch bereits bei kleineren Kindern. „Durch die Isolation wegen Corona haben wir zudem zwei Jahrgänge, die bislang keinen Kontakt mit dem RS-Virus hatten.“ Hinzu komme, dass Medikamente wie Fiebersäfte nicht lieferbar seien. „Ich kann mich nicht erinnern, so einen Winter schon erlebt zu haben.“

Das bestätigt auch Dr. Thomas Fischbach, niedergelassener Arzt und Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. „Der Ansturm ist kaum zu schaffen. Ich mache mir große Sorgen, denn das Winterhalbjahr fängt gerade erst an.“ Corona spiele bei den Kindern allenfalls eine untergeordnete Rolle. Die jungen Patienten erkrankten an RSV, Influenza und anderen Viren.

Seien Kinder nicht schwer krank, müssten sie nicht in der Praxis vorgestellt werden. „Wenn sie aber erschwert atmen und der allgemeine Zustand schlecht ist, müssen Eltern kommen“, betont er. Ein Problem seien aktuell auch die fehlenden Klinikplätze für Kinder. „Ich habe heute versucht, eine junge Post-Covid-Patientin unterzubekommen. Es ist mir nicht geglückt.“

Entspannung ist laut Kinderklinik-Leiter Propson nicht in Sicht: „Wir haben den Peak noch nicht erreicht.“

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