Mein Blick auf die Woche

Arena: Der Kampf um die Deutungshoheit läuft

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de
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Rund um die geplante Arena Bergisch Land wird derzeit jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Die Parteien kämpfen um die Deutungshoheit zum neuen Beschluss, der kommende Woche wohl vom Rat verabschiedet wird. Die Handballer des Bergischen HC werden dagegen seit Jahren nach dem Karotte-Esel-Prinzip hingehalten. Warum das so ist, erklärt ST-Lokalchef Björn Boch in seinem Blick auf die Woche. 

Von Björn Boch 

Solingen. Wer in diesen Tagen mit politischen Entscheidungsträgern spricht, spürt deutlich: Beim Themenkomplex Arena/Weyersberg/Klingenhalle wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Schon eine bloße Anfrage zur neuen Beschlussvorlage für eine BHC-Arena wird schnell korrigiert: „Sie meinen die Arena Bergisch Land?“ Auf keinen Fall soll der Eindruck entstehen, die Stadt gebe hier bloß das Geld für ein Projekt des Bergischen HC. 

Wahr ist, dass die Nutzung für den Schul- und Breitensport von Anfang an im Prüfauftrag steht – und viele andere die Multifunktionsarena, so sie denn einmal kommt, nutzen sollen. „Multi“ steckt ja schon im Namen. Wahr ist aber auch, dass niemand auf die Idee zu einer solchen Halle käme, hätte das Bergische keinen Handball-Erstligisten

Angesichts der Bedeutung des Projekts haben Politikerinnen und Politiker den Kampf um die Deutungshoheit längst eröffnet. Gut zu beobachten ist das rund um die Vorlage, die nun im Rat verabschiedet werden soll. Die Prüfaufträge und Optionen werden dort deutlich weiter gefasst, die Sprachregelung der CDU ist: „Die Vorlage der Stadt wurde einkassiert.“ Das soll klar machen, dass die Christdemokraten nicht nur weitere Vorschläge gemacht, sondern das Verfahren an sich gezogen und für neue Möglichkeiten gesorgt haben.  

Arena-Projekt ist für BHC stets sichtbar, aber bislang unerreichbar

„Die Vorlage wurde ergänzt“ heißt es dagegen bei den Sozialdemokraten. Soll wiederum heißen: Wir nehmen Anregungen gerne auf, die Idee ist aber von uns, respektive von Stadtverwaltung und SPD-Oberbürgermeister Tim Kurzbach. 

Der tiefste Graben verläuft aber zwischen Grünen und BHC – nun auch, weil der Club einer Podiumsdiskussion von „Fridays for Future“ fernblieb. Mit den Grünen wird es heftige Diskussionen um Naturschutz und Ökobilanz geben – Aspekte, die mit Verweis auf künftige Gutachten derzeit eher stiefmütterlich behandelt werden. Die Partei vermisst aber eine Bedarfsanalyse für Shows, Konzerte oder Firmenveranstaltungen, die den Betrieb mitfinanzieren sollen. Es steht also die Frage im Raum, ob die Halle überhaupt Chancen hat im Wettbewerb mit anderen Veranstaltungsorten.

Ja, es gibt große Unwägbarkeiten in der Veranstaltungsbranche – die kann pandemiebedingt derzeit aber niemand auflösen. Und dass diese Form der grundsätzlichen Hinterfragung den BHC rasend machen muss, erklärt ein Blick in die jüngere Geschichte: Seit Jahren wird den Handballern von allen bergischen Großstädten Unterstützung zugesichert, die Frage einer neuen Spielstätte ist stets „Wie?“, nie „Warum?“ – weshalb BHC-Geschäftsführer Jörg Föste dem ST vor sieben Jahren sagte: „Wenn alles glatt läuft, könnte die Arena Mitte 2017 fertig sein.“ Er sprach noch vom Standort Piepersberg, der an Grundstücksfragen scheiterte, obwohl er zum Greifen nah schien.

Nach dem Karotte-Esel-Prinzip ist das Arena-Projekt also stets sichtbar für die Handballer, aber bislang unerreichbar. Mit einem Ratsbeschluss kommende Woche wäre noch nicht einmal der frühere Planungsstand vom Piepersberg erreicht. Und falls sich der Weyersberg als geeignet herausstellt, wäre es eine große Überraschung, ginge das Projekt ohne Bürgerinitiativen oder Klagen über die Bühne. Remscheid musste gerade die schmerzliche Erfahrung machen, wie spät ein Großprojekt noch scheitern kann

Was sonst noch wichtig ist

Große Kochlust: Zwilling erzielt Rekordumsatz 

Großer Frust: Walder beklagen fehlende Entwicklung

Große Mehrheit: Dagmar Becker wird Stadtdirektorin

Große Unsicherheit: Stadtwerke erhöhen Preise für Strom und Gas

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