Erinnerung

Arbeitskreis will Max-Leven-Haus erhalten

Fordern ein Gedenkhaus für die Opfer des Nationalsozialismus in Solingen: Die Mitglieder des Arbeitskreises „Verfolgung und Widerstand“ (von links) Günter Koch, Daniela Tobias, Finn Grimsehl-Schmitz, Günter Bischoff und Inge Krämer. Foto: Uli Preuss
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Fordern ein Gedenkhaus für die Opfer des Nationalsozialismus in Solingen: Die Mitglieder des Arbeitskreises „Verfolgung und Widerstand“ (von links) Günter Koch, Daniela Tobias, Finn Grimsehl-Schmitz, Günter Bischoff und Inge Krämer.

Mitglieder fordern Rücksichtnahme der Stadt-Sparkasse bei geplantem Neubau am Neumarkt.

Von Stefan Prinz

Die Zukunft zweier Gebäude am Neumarkt könnte zum Problemfall für den geplanten Neubau der Stadt-Sparkasse werden: Der Arbeitskreis „Verfolgung und Widerstand in Solingen 1933 - 1945“ will die Häuser des NS-Opfers Max Leven und das angrenzende Gebäude der ehemaligen Zeitung „Bergische Arbeiterstimme“ als Haus des Gedenkens für alle Solinger NS-Opfer erhalten. Das Gebäude solle zu Ausstellungszwecken umgestaltet werden. Das erklärten die Mitglieder des Arbeitskreises gestern bei einer Pressekonferenz vor Ort. Die Gebäude gehören seit Kurzem der Stadt-Sparkasse. Ihnen droht im Zuge des Sparkassen-Neubaus der Abriss.

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In Solingen sei eine „außergewöhnlich hohe Zahl an Menschen im Widerstand aktiv gewesen“, sagte Günter Koch. Daraus resultiere auch eine sehr hohe Zahl an Widerstandsopfern. Solingen sei eines der Zentren des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Deutschland gewesen. Man gehe von 1500 Männern und Frauen aus, die in der Klingenstadt versuchten, „Unterdrückung, Terror und Krieg etwas entgegenzusetzen“. 57 Personen davon seien ums Leben gekommen.

Insbesondere mit Blick auf das 75. Jahrestag des Endes des Nationalsozialismus im nächsten Jahr sei es wünschenswert, den Gebäudekomplex als Gedenkestätte zu erhalten. „Viele Schüler fahren im Unterricht an Gedenkorte nach Köln oder Düsseldorf“, weiß der dreifache Vater Günter Bischoff. „Sie wissen aber nicht, dass auch all das auch in Solingen vor ihrer Haustür stattgefunden hat.“ Diese Erinnerung gelte es aufzufrischen.

Neubau der Sparkasse als Chance für das Gedenken

Nachdem Teile der Gebäude in den letzten Jahren verfallen seien, sei mit den Neubauplänen der Stadt-Sparkasse eine günstige Gelegenheit gekommen, eine Gedenkstätte einzurichten und mit staatlichen Fördermitteln auszubauen.

MAX LEVEN

PRIVAT Max Leven wurde 1882 in Lothringen geboren und im Alter von 56 Jahren in seinem Haus in Solingen von Nationalsozialisten ermordet.

PARTEI 1918 wurde er Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), wechselte aber später zur KPD.

JOURNALIST Max Leven war als Kulturredakteur bei der KPD-Zeitung „Bergische Arbeiterstimme“ tätig, deren Redaktion sich in Solingen am Neumarkt befand.

Eine schlichter Gedenkort sei nicht ausreichend, betonten die Arbeitskreis-Mitglieder. Bereits im Mai vergangenen Jahres habe man einen Antrag auf Denkmalschutz der Gebäude gestellt. Die Stadtverwaltung habe daraufhin den Leiter des Stadtarchivs, Ralf Rogge, um eine Einschätzung zur Denkmalwürdigkeit des Ensembles gebeten. Dieser kam zu folgendem Schluss: „Aus stadtgeschichtlicher Sicht empfiehlt sich der Erhalt des größten Teils des Gebäudekomplexes Am Neumarkt 23 / Max-Leven-Gasse 3-5 und seine Nutzung als stadthistorisches und sozialgeschichtliches Museum mit dem Schwerpunkt Arbeiter- und soziale Bewegung.“

Die Stadt möchte diese Einschätzung nicht kommentieren: „Da es sich bei besagtem Statement um eine persönliche Einschätzung unseres Stadtarchivars handelt, die offenbar im nichtöffentlichen Teil des Verwaltungsrates der Stadtsparkasse diskutiert wurde, werden wir dazu keine Stellung nehmen“, erklärte am Mittwoch Stadtsprecherin Stefanie Mergehenn auf Nachfrage.

Der Arbeitskreis hat bisher noch keinen Kontakt zur Stadt-Sparkasse aufgenommen. Aus diesem Grund möchte sich das Kreditinstitut noch nicht zu diesem Anliegen äußern, erklärte dessen Sprecher Martin Idelberger.

Die Stadt-Sparkasse Solingen plant am Neumarkt ein mordernes Bürogebäude. Dort werden auch die bisherigen Standorte Mühlenplatz und Fronhof konzentriert. Der Architekten-Wettbewerb ist kürzlich gestartet worden. Das Andenken an Max Leven möchte die Stadt-Sparkasse in jedem Fall erhalten. Wie das umgesetzt werden soll, ist Teil des Architektenwettbewerbs. Nach den Vorstellungen von Sparkassen-Chef Stefan Grunwald könnte eine Gedenkstätte entstehen, an der auch Kränze abgelegt werden können. Das hält der Arbeitskreis für keine ausreichende Lösung.

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