Medizin

Apotheken: Säfte und einige Wirkstoffe sind knapp

Christian Veithen ist Solingens Kreisvertrauensapotheker und Inhaber der St. Michael Apotheke.
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Christian Veithen ist Solingens Kreisvertrauensapotheker und Inhaber der St. Michael Apotheke.

Riesenproblem bei Elektrolyten: Grund sind falsche Informationen im Internet.

Von Björn Boch

Solingen. Bei den Wirkstoffen Paracetamol und Ibuprofen, die unter anderem oft in der Kinderheilkunde eingesetzt werden, gibt es Engpässe – vor allem im Bereich von Säften. Das berichten Kreisvertrauensapotheker Christian Veithen und seine Stellvertreterin Sylvia Weber-Erz im Gespräch mit unserer Redaktion.

Weber-Erz, die auch als Dozentin am Walter-Bremer-Institut tätig ist und dort pharmazeutisch-technische Assistentinnen und -Assistenten (PTA) ausbildet, erklärt: „Aktuell bringe ich aus der Apotheke Paracetamol-Tabletten ins Institut mit. Daraus stellen wir zwei Säfte her – einen für Kinder, einen für Säuglinge.“ Sollte der Mangel schlimmer werden im Herbst, werde das Rezept Apothekern und Ärzten zur Verfügung gestellt, betont Weber-Erz. Aktuell gebe es noch Säfte, die Apotheken direkt über die Firmen beziehen könnten. „Aber nicht so viel, wie einige gerne hätten.“ Im Großhandel sei teilweise nichts mehr zu bekommen.

Stellvertreterin Sylvia Weber-Erz ist auch als Dozentin am Walter-Bremer-Institut tätig.

Immer wieder – nicht erst seit der Corona-Pandemie – kommt es in Apotheken zu Engpässen bei bestimmten Produkten. Ein Grund ist, dass die Zahl der Firmen, die einen bestimmten Wirkstoff herstellen, weltweit immer kleiner geworden ist. Gibt es dort Schwierigkeiten bei der Produktion, können andere nicht mehr einspringen. Dieses Problem benannte Vertrauensapotheker Veithen bereits 2019 in dieser Zeitung.

Im ersten Halbjahr war ein Krebsmedikament betroffen

Gestörte Lieferketten können das Problem ebenso verschärfen wie Rabattverträge der Krankenkassen. „Was eigentlich sinnvoll ist, um Kosten zu sparen, kann zum Problem werden, zum Beispiel beim schlechten Euro-Dollarkurs“, berichtet Sylvia Weber-Erz. Firmen stoppten dann die Produktion, um keinen Verlust zu machen – oder verkauften in andere Länder.

So habe es im ersten Halbjahr Lieferschwierigkeiten beim Krebsmedikament Tamoxifen gegeben. Ein Riesenproblem gebe es ganz aktuell mit der Lieferung von Elektrolyten – das sind Mineralstoffe, die bei Durchfall oder Erbrechen helfen, den Kreislauf stabil zu halten. Hier gibt es allerdings einen ganz anderen Grund für den Mangel: „Das ist unter anderem durch Videos bei Youtube passiert, in denen fälschlicherweise behauptet wird, Elektrolyten würden gegen alkoholbedingten Kater helfen“, so Weber-Erz.

In den meisten Fällen, das betont auch Christian Veithen, finden die Apotheken in Rücksprache mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten alternative Lösungen. Und viele hätten im Wissen um Engpässe Vorsorge getroffen – so auch seine St. Michael Apotheke in Bezug auf Paracetamol und Ibuprofen. „Das geht, auch wegen unserer Größe. Bei uns ist es noch nicht zu Ausfällen gekommen.“

Einen Engpass bei einigen Medikamenten hatte es in Solingen bereits im Jahr 2020 gegeben.

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