Gerichtsverfahren

Messerattacke: Anklage lautet auf versuchten Totschlag

Landgericht in Wuppertal
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Ein 54-jähriger Familienvater aus Solingen muss sich vor dem Landgericht in Wuppertal verantworten.

Ein Familienvater soll seine Frau mit einem Messer attackiert haben. Sein Grund: nicht gemachtes Essen.

Von Dirk Lotze

Solingen/Wuppertal. Der Streit sei um nicht gemachtes Essen gegangen, er sei beleidigt gewesen. So beschreibt ein 54-jähriger Angeklagter aus Ohligs den Auslöser für eine Messerattacke auf seine vier Jahre jüngere Frau in der gemeinsamen Wohnung. Der achtfache Vater muss sich vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag. Dem Gericht sagte er: „Ich bin wütend geworden. Sie hat mich vor den Kindern beleidigt.“

Die Frau erlitt am 30. Januar durch ein Küchenmesser schwere Stiche an Hals, Kopf und Oberkörper. Währenddessen waren erwachsene und minderjährige Kinder des Paars in der Wohnung. Die Frau lief kurz nach Mitternacht blutend auf die Straße, als ein Bus die Stelle passierte. Fahrer und Passagiere leisteten Erste Hilfe. Ein Fahrgast: „Sie hatte einen Jungen an der Hand, der war ungefähr so alt wie meine Tochter. Der rief ,Mama, Mama!‘. Er war völlig verzweifelt. Es war schrecklich.“ Der Junge habe später auf Fragen klar geantwortet: „Der Papa hat das gemacht.“

Die Frau kam in ein Krankenhaus, den Angeklagten machte die Polizei vor Ort dingfest. Fotos seiner Hände zeigen Blutspuren und eigene Verletzungen des Mannes: Laut einer Gerichtsmedizinerin könnte er vom Griff des Tatwerkzeugs abgerutscht sein und in die Klinge gefasst haben. In der spärlich möblierten Wohnung gab es in mehreren Räumen blutige Spuren.

Womöglich ging es dem Angeklagten um Bestrafung

Der 54-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Im Prozess machte er zunächst keine Angaben. Er brach sein Schweigen, nachdem ein Bekannter der Familie gesprochen hatte, der über zwei Jahre ehrenamtlich geholfen hatte: Die Beteiligten stammten aus dem Irak, der Angeklagte sei erfolgreicher Geschäftsmann gewesen. Als schwierig habe sich erwiesen, in Deutschland auf Hilfe angewiesen zu sein und dass die Frau selbstsicher Familienangelegenheiten regelte. In dem milden Bild des Zeugen blitzten teils irritierende Beschreibungen auf: Womöglich sei es dem Angeklagten um „Bestrafung“ gegangen.

Angaben des Angeklagten zufolge hatte er am Abend des Geschehens mehrere Stunden in einer Gaststätte verbracht und Spirituosen getrunken. Auch zu Hause habe er noch getrunken. Nach Streit und Stichen habe er sein Messer freiwillig weggeworfen.

Die Frau und die Kinder schweigen, wie es ihr Recht als Angehörige ist. Das Gericht will Mittwoch, 7. Oktober, weiter verhandeln.

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