Landgericht Wuppertal

Prozess um tote Solingerin im Schwarzwald: Angeklagter soll Opfer minutenlang gewürgt haben

Prozess im Landgericht Wuppertal.
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Prozess im Landgericht Wuppertal.

Die 36-Jährige wurde von ihrem Freund mutmaßlich zu Tode gewürgt und dann in einem Wald bei Freudenstadt verbrannt. Der Tathergang ist strittig.

Von Dirk Lotze

Solingen. Im Totschlagsprozess um den Tod einer 36 Jahre alt gewordenen Solingerin widerspricht der Gerichtsmediziner den Angaben des Angeklagten. Der Sachverständige ergänzte im Landgericht Wuppertal sein früheres Gutachten und stellte fest: Für den Fall, dass die Frau erdrosselt worden sei – wie der Angeklagte (33) sagt – müsse er seine Lebenspartnerin minutenlang gewürgt haben.

Der Angeklagte demonstrierte seine Version vom Tatgeschehen eigens im Verhandlungssaal anhand seiner Anwälte, während der Gerichtsmediziner zusah. Der stellte dazu fest: Es komme auf die Zeitangaben des Mannes an. Der Würgeangriff sei plausibel, aber ein Ablauf innerhalb weniger Sekunden könne nicht stimmen.

Der 33 Jahre alte Angeklagte aus Solingen hat im Prozess ausgesagt: Er habe die Verstorbene am 6. September 2021 in der gemeinsamen Wohnung kurz von hinten in der Armbeuge gewürgt – im Zuge eines Trennungsstreits. Er habe sie am Hals gerissen, töten wollen habe er sie nicht. Sie sei „umgekippt“, trotz seiner Hilfeversuche sei sie gestorben. Die stark verbrannte Leiche der Frau fand fünf Tage später ein Pilzsammler im Schwarzwald bei Freudenstadt. Laut dem Angeklagten wollte er die Frau heimlich bestatten, er habe aber im Waldboden kein Grab ausheben können und deshalb Feuer gelegt.

Die Todesursache der Frau lässt sich medizinisch nicht mehr nachvollziehen

Der Gerichtsmediziner stellte in seiner Aussage klar: Medizinisch lasse sich die Todesursache der Frau nicht mehr feststellen. Dafür sei die Leiche zu weit verbrannt. Er fügte hinzu: „Dass es um ein Erdrosseln gegangen sein soll, wissen wir nur aus der Aussage des Angeklagten.“ Den Zeitablauf, wie ihn der Mann angegeben hat, könne er nicht mit dem Stand der Medizin in Einklang bringen.

Für den nachgestellten Würgeangriff im Gerichtssaal gingen die Anwälte jeweils einige Zentimeter in die Knie, um die Körpergröße der Getöteten zu simulieren. Sie maß 1,60 Meter, der Angeklagte ist mehr als 20 Zentimeter größer. Bei dem Simulationsversuch mit den beiden Verteidigern bekundete Rechtsanwalt Athanasios Antonakis anschließend: „Der hat Power. Das ist ein sehr starker Mann.“

Dem Gerichtsmediziner zufolge kann ein Mensch problemlos ein Würgen von einer Minute überstehen: „Die Person würde bewusstlos werden. Aber sie würde wieder aufwachen – und zwar schlagartig und ohne Folgeschäden.“ Um zu töten müsse man minutenlang zudrücken. Der Angeklagte widersprach: „Ich habe nicht minutenlang dagestanden und gedrückt.“

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