Gericht

Totschlagsprozess: Angeklagter belog Freunde des Opfers

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Zeugen zeichnen Bild einer spannungsreichen Beziehung.

Von Kristin Dowe

Solingen. So sehr der Angeklagte beim Auftakt des Prozesses den Eindruck machte, nun mit offenen Karten spielen zu wollen – unmittelbar nach der mutmaßlichen Tat hatte der 33-jährige Solinger offenbar ein weitreichendes Lügengebäude in seinem Freundes- und Bekanntenkreis um das rätselhafte Verschwinden seiner damaligen Lebensgefährtin gebaut. Dies zumindest legten die Aussagen mehrerer Zeuginnen und Zeugen nahe, die am gestrigen Verhandlungstag vor dem Landgericht Wuppertal zu Wort kamen.

Dort muss sich der Beschuldigte aktuell wegen des Vorwurfs des Totschlags verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, im September 2021 im Streit seine frühere Freundin, eine zum Tatzeitpunkt 32-jährige Solingerin, mit Gewalteinwirkung getötet zu haben. Ihre Leiche soll er daraufhin in ein Waldstück im Raum Freudenstadt im Schwarzwald gebracht und dort versucht haben, sie zu verbrennen.

Bei Prozessbeginn hatte der Angeklagte, wie berichtet, weitgehend die Verantwortung für den Tod der Mutter seines kleinen Sohnes übernommen, dies jedoch als tragischen Unfall im Zuge von Handgreiflichkeiten geschildert. Wenige Tage vor ihrem Tod hatte die 32-Jährige die Trennung ausgesprochen, hieß es. An jenem schicksalhaften Tag habe sie plötzlich mit dem gemeinsamen Sohn die Wohnung verlassen wollen. Bei ihrem Versuch, das Kind aus dem Schlafzimmer zu holen, habe er sie daran hindern wollen und sie ruckartig von der Tür weggezogen. Dabei habe er sie – seinen Angaben zufolge aus Versehen – bei einer Rangelei gewürgt.

Freundinnen und Bekannten des Opfers, so geben die Zeugen zu Protokoll, erzählte er, dass seine Lebensgefährtin „schon weg war, als er nach Hause kam“. Sie habe wortlos ihre Sachen gepackt und sei einfach verschwunden.

„Das hat für mich absolut nicht zu ihr gepasst. Schon gar nicht, dass sie einfach ihren Sohn zurücklässt. Sie war eine sehr gute Mutter“, berichtet eine Freundin der Verstorbenen, die immer skeptischer geworden sei, je länger die Solingerin wie vom Erdboden verschluckt schien. Der Angeklagte habe sie von einer Vermisstenanzeige abhalten wollen, erinnerte sich die Zeugin. „Er hat einfach behauptet, dass das nichts bringt.“ Er habe zudem versucht, sie zu beruhigen – mit der Lüge, dass er die längst tote Solingerin nach deren Verschwinden noch weitere Male getroffen habe.

Die Beziehung der beiden, so berichten die Zeugen unisono, sei von Spannungen geprägt gewesen. Die Solingerin habe nach dem Tod ihrer Mutter mit Drogenproblemen und Schulden zu kämpfen gehabt, er habe sie noch während ihrer Schwangerschaft betrogen und kaum Verantwortung für Kind und Haushalt übernommen. Eine weitere Zeugin, die ein Verhältnis mit dem Angeklagten gehabt haben soll, gab an, dass ihr im Zeitraum nach dem Verschwinden der Solingerin mehrere Dinge merkwürdig vorgekommen seien. „Er fragte mich, ob ich schon mal jemanden umgebracht habe.“

Mit einer Freundin der Verstorbenen, so gab diese an, begann er unmittelbar nach dem Tod seiner Lebensgefährtin eine neue Beziehung. Auch ihr erzählte der Angeklagte offenbar die Geschichte vom mysteriösen Verschwinden seiner vormaligen Partnerin. „Die kommt nicht mehr wieder“, habe er schlicht zu ihr gesagt.

Von „diversen Freundinnen“ des Angeklagten berichtet auch einer seiner Bekannten, der zwischenzeitlich selbst ins Visier der Ermittlungen geraten war. Er habe dem Beschuldigten noch bei einer Entrümpelungsaktion geholfen, als dieser Habseligkeiten seiner Ex-Freundin nach deren Tod loszuwerden versuchte.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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