Andacht im ST

Sterne weisen dem Christkind den Weg

Raphaela Demski-Galla ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Die Theologin ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Dorp. Fotos: Roland Keusch/Demski
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Raphaela Demski-Galla ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Die Theologin ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Dorp.

Theologen laden zur Andacht ein – heute die evangelische Pfarrerin Raphaela Demski-Galla

Liebe Leserinnen und Leser!

Es gab eine Zeit, da konnte ich es kaum erwarten: Den Engelschor auf der Anrichte meiner Mutter zu entdecken. Die erste Kerze auf dem Adventskranz anzuzünden, die ersten Weihnachtslieder im Radio zu hören. Und dieses Jahr liegt dieser erste Advent vor mir und macht mir fast ein bisschen Angst. Ich fand es schön, ihn noch ein wenig hinauszuzögern. Doch nun ist es so weit. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, heißt es in einem Adventslied, das so oft das erste Adventslied ist, das wir in unseren Gottesdiensten singen. „Macht hoch die Tür“ - dabei stehen doch die Zeichen auf Türen Schließen, Dichtmachen. Letztes Jahr gab es noch diese Energie, Wege zu finden, die Tore weit zu machen, Advent und Weihnachten in die Häuser und Wohnungen einziehen zu lassen, obwohl kurz vor Weihnachten alles runterfuhr, trotz krisenhafter Corona-Zahlen. Es gab eine Art Trotzkraft: Weihnachten lassen wir uns nicht nehmen trotz dieses Virus, das wir nicht schaffen aufzuhalten.

Und in diesem Jahr erlebe ich so viele Menschen, die ausgelaugt sind. Wenig Kraft und Energie spüre ich. Viele von uns sind frustriert, ganz zu schweigen von denjenigen, die es erwischt hat, dieses Virus, und denjenigen, die auf den Intensivstationen um Menschenleben kämpfen.

Vor zwei Wochen dann ungefähr bat mich meine Tochter, die Weihnachtsmusik aufzulegen. „In der Weihnachtsbäckerei“ wurde gewünscht und es folgte eine Art Medley von Weihnachtsliedern ihrerseits. Zunächst war ich peinlich berührt. Es war noch nicht Advent. Aber dann dachte ich, warum soll ich ihr diesen Wunsch abschlagen, wenn sie doch jetzt das Gefühl hat, es ist an der Zeit. Und mit ihr und diesen Liedern wurde ich ein wenig offener, ein Stück mehr bereit für diese Zeit. Diese Woche kam dann das Goldpapier zum Einsatz. „Mama, wir müssen Sterne basteln und ans Fenster kleben, für das Christkind, damit es den Weg zu uns findet.“ Und gemeinsam schnitten wir Sterne aus, was das Zeug hält. Auch die Tanten, Omas und Opas sollten welche bekommen. Denn schließlich sollen die Sterne auch an ihren Fenstern funkeln und dem Christkind den Weg zeigen.

Pfarrerin Raphaela Demski-Galla

Über dieses Basteln und durch diese Kinderaugen blicke ich nun doch ein wenig anders auf den kommenden ersten Advent. Der Frust über die Geschehnisse rundherum und die Sorge, Menschen anzustecken, bleiben. Aber ich baue darauf, dass es unter uns die Menschen gibt, die für andere Sterne basteln, die sich darauf freuen, dem Christkind den Weg zu zeigen; die auf ganz unterschiedliche und sichere Art und Weise den Weg bereit machen für das Kommen Gottes in diese Welt.

Ich möchte noch viele Sterne basteln in dieser Adventszeit und sie weitergeben. Wenn das in diesem Jahr nicht für Sie dran sein sollte, ist das vermutlich auch ok. Vielleicht bekommen Sie ja einen Stern, der die besondere Adventsstimmung auch bei Ihnen einziehen lässt. Denn in einer Sache bin ich ganz gewiss, es liegt nicht an unserer Stimmung, ob der Advent eine Chance hat – es wird einen geben, der es Weihnachten werden lässt. Gott selbst wird Mensch und wird fühlen, was wir fühlen und wird uns dabei ganz nahe sein. Gott selbst wird Mensch, und wo das sichtbar wird, hat diese Welt die Möglichkeit, anders zu werden. „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer!“

So steht es in der Bibel. Und das feiern wir. Vielleicht können wir es nicht greifen, vielleicht bleibt es ein Gefühl, eine Stimmung – etwas Geheimnisvolles in dieser Zeit. Aber er macht sich jeden Tag auf den Weg; Gott macht sich auf den Weg zu uns. Und wie schön wäre es, wenn er es auf einem Weg tun könnte, der leuchtet und funkelt durch kleine Sterne an den Fenstern. Bei uns hängen sie schon. Denn es wird Advent!

Ihre Pfarrerin Raphaela Demski-Galla

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