Andacht im ST

Der Glaube nährt die Hoffnung

Thomas Förster, Pressepfarrer des Evangelischen Kirchenkreises, ist Mitglied im Team, das die heutige 5. Solinger Nacht der offenen Kirchen organisiert. Fotos: Thomas Förster/Christian Beier
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Thomas Förster, Pressepfarrer des Evangelischen Kirchenkreises, ist Mitglied im Team, das die heutige 5. Solinger Nacht der offenen Kirchen organisiert.

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der evangelische Pfarrer Thomas Förster.

Liebe Leserinnen und Leser, alle vier oder fünf Jahre, wenn ausgezählt wurde, kann sich der Wahlabend für manche Abgeordneten ganz schön bitter anfühlen. Sie haben sich vielleicht mit hohem Einsatz für Wahlkreis und Land eingesetzt, haben sich dafür Anerkennung in der eigenen Partei erworben und einen vermeintlich sicheren Listenplatz erkämpft. Doch am Ende des Wahlabends spielt alles das keine Rolle mehr. Der Platz im Parlament ist futsch. Das Leben mit einem Mal komplett umgekrempelt. Uns, die wir nicht in der großen Politik tätig sind, bleiben manchmal noch bitterere Erfahrungen nicht erspart: Da läuft gerade alles so gut – privat wie beruflich. Und plötzlich bringt eine schlimme Diagnose das gewohnte Leben wie ein Kartenhaus zum Einsturz. Oder der bittere Abschied von einem geliebten Menschen zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Oder unerwartete Katastrophen zerstören brutal die wirtschaftliche Existenz. Für viele, die von solch einem Einschnitt betroffen sind, stellt sich dann die Frage, auf welchem Fundament eigentlich ihr Leben gegründet ist.

Wenn es gut geht, spüren Christinnen und Christen dann, dass ihr Glaube sie davor bewahrt, im Treibsand der Hoffnungslosigkeit zu versinken. Der christliche Glaube entwickelt seine eigentliche Kraft ja nicht da, wo Menschen unbekümmert auf der Sonnenallee des Lebens unterwegs sind und alles gut läuft. Er entwickelt seine Kraft, wenn Menschen das Gefühl haben, es sei zappenduster um sie geworden. Und wenn sie trotzdem an der Hoffnung festhalten können, dass Gott auch im Dunkeln mit ihnen unterwegs ist.

Thomas Förster

Wenn die Hoffnung, dass Jesus Christus auch ihre Krisen kennt und mitträgt, ihnen Zuversicht gibt, um weiterzumachen. Und auf eine Zukunft zu bauen, in der es wieder heller wird. Wenn sie sich daran erinnern, dass Jesus Christus selber durchlitten hat, wie es ist, wenn das Leben brutal durchkreuzt wird. Aber auch daran, dass Gott Jesus in ein neues Leben geführt hat – sogar aus dem Tod heraus. Der christliche Glaube entfaltet seine Kraft da, wo trotz aller Krisen und Brüche die Hoffnung auf Gottes gute Zukunft bewahrt. Wo Menschen in der Krise sich von dieser Hoffnung bewahren lassen. Selbst da noch, wo nach menschlichem Ermessen alles zu Ende zu sein scheint.

Diese Hoffnung kann im Krisenfall tragen. Vor allem dann, wenn sie vorher gepflegt und genährt wurde. Die christlichen Gemeinden verstehen es als ihre Aufgabe, dabei mitzuhelfen. Sie bringen zur Sprache, was Hoffnung gibt und wie sich diese im persönlichen Leben auswirken kann. Sie bieten persönliche Kontakte, damit Menschen, die sich hoffnungslos fühlen, jemanden zum Reden haben. Sie sammeln Spenden für Menschen in Not. Und sie kümmern sich um Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und manches mehr, weil Kultur ein wichtiges Lebensmittel sein kann, dass die Seele satt macht und Hoffnung nährt. So versuchen sie, dem Auftrag zu entsprechen, den die Bibel so formuliert: „Seid immer bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn euch andere nach der Hoffnung fragen, die in euch ist.“ (1. Petrusbrief 3,15).

Von diesem vielfältigen Hoffnungsangebot können Sie heute Abend manches bei der 5. Solinger Nacht der offenen Kirchen erleben. In der ganzen Stadt haben Kirchen und Gemeindehäuser für Sie geöffnet. Zu Beginn um 18 Uhr feiern wir in der Stadtkirche am Fronhof einen großen Gottesdienst unter der Überschrift „Hoffnung ist nicht nur ein Wort“. Feiern Sie doch einfach mit!

Ihr Thomas Förster

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