30 Solinger Mülltonnen

Analyse liefert Daten zur Mülltrennung

Waldemar Dederer (links) und Stefan Alscher analysieren den Müll aus Solinger Haushalten. Foto: Christian Beier
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Waldemar Dederer (links) und Stefan Alscher analysieren den Müll aus Solinger Haushalten.

Experten wünschen sich auf Produkten Hinweise, die zeigen, wie richtig sortiert wird.

  • Die Technischen Betriebe Solingen gehören dem "Club für Nachhaltige Verpackungslösungen" an.
  • Am Dienstag analysierten Vertreter den Inhalt von 30 Grauen und Gelben Tonnen.
  • Verbraucher greifen häufiger zu verpackten Produkten.

Von Alexandra Dulinski

Solingen. Joghurtbecher, Coladosen und Papiertüten sind nur drei von vielen Produkten, die ordentlich getrennt werden müssen, bevor sie zu Hause im Mülleimer landen sollten. Doch wie genau wird in der Realität wirklich getrennt? Wird der Joghurtdeckel vollständig vom Kunststoffbecher entfernt? Werden Shampooflaschen aussortiert oder landen sie doch mit den Wattepads gemeinsam im Badmülleimer? Und welche Rolle spielt dabei der Verbraucher? Diesen Fragen geht der „Club für Nachhaltige Verpackungslösungen“ nach, dem die Technischen Betriebe Solingen (TBS) angehören.

Um auf diese Fragen Antworten zu bekommen, analysierten am Dienstag Vertreter unter anderem aus der Industrie, dem Handel und Umweltverbänden jeweils 15 Graue und Gelbe Tonnen. Die Behälter stammten aus verschiedenen Haushalten, erklärte Olaf Schmidt von den TBS.

„Wir wollen herausfinden, wie Müll getrennt wird, und wie die Entsorgungsinfrastruktur im Haushalt aussieht“, sagt Stephan Schaller, Senior Consultant der Wuppertaler Firma CSCP, einem Tochterunternehmen des Wuppertal Instituts. Das analysiert das Verhalten von Endkonsumenten. Eine spannende Frage sei, wie die Motivation hinter der Mülltrennung aussieht. Verpackungen von rohem Fleisch oder Fisch seien häufig zusätzlich in Tüten eingepackt worden. „Das hat viele praktische Gründe, wie etwa die Vermeidung von Geruch oder Hygienebedenken“, so Schaller.

Trennhinweise auf den Produkten könnten System verbessern

Analysiert wird der Müll laut Schaller in vier Kategorien: Molkereibecher, Lebensmittelverpackungen, die sich aus einer Schale und einer Folie zusammensetzen, Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel, die primär im Badezimmer angewendet werden und Pappe in Verbindung mit Kunststoff, wie etwa bei Batterieverpackungen. Auch interessant sei die Frage, ob Verpackungen besser getrennt werden, wenn Trennhinweise auf dem Produkt aufgedruckt sind.

Die Ergebnisse sollen im September vorliegen. Erste Erkenntnisse hat Stephan Schaller schon jetzt gewonnen: „Es ist in jedem Fall sinnvoll, immer den Deckel abzumachen. Auch Shampooflaschen können aus zwei verschiedenen Kunststoffen bestehen. Dass die Deckel getrennt werden, haben wir hier noch nicht gefunden“, berichtet er. Auch sei aufgefallen, dass der Verbraucher häufiger zu verpackten Produkten greift, als die unverpackte Variante zu wählen.

„Wir müssen mehr kommunizieren, was Restmüll und was Wertstoff ist.“

Dagmar Glatz, Drogeriekette DM

Martina Merz, aus München angereiste Marken- und Verpackungsberaterin, erklärt, dass man aus dem Hausmüll vieles über die Bewohner herauslesen kann. So erfuhr sie, dass in einem Kinderzimmer kein Müll getrennt wird. Solche Verpackungen landen dann allerdings in der Müllverbrennung. „Wir brauchen die Rohstoffe“, so Merz. Es sei offensichtlich, dass Trennhinweise fehlen würden. „Die heutige Erkenntnis ist, dass wir mehr kommunizieren müssen, was Restmüll und was Wertstoff ist“, berichtet auch Dagmar Glatz, Verantwortliche für nachhaltige Verpackungen bei der Drogeriekette DM.

Ziel der Abfallanalyse sei es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Produkte zukünftig besser gestaltet werden können. Im Endeffekt solle es mehr recyclefähiges Material geben, so Schaller. Auch könne es einen Vorstoß in Richtung Politik geben. „Mit den Daten können wir unsere Abfallwirtschaft verbessern“, erklärt Olaf Schmidt von den TBS. 

Müllentsorgung

Im Jahr 2019 wurden in Solingen 9500 Tonnen Papier, 3600 Tonnen Leichtverpackungsmaterial und 43 500 Tonnen Restmüll entsorgt. 10 Prozent des Restmülls seien Verpackungen gewesen. Somit sei mehr Verpackungsabfall im Restmüll gelandet als in der gelben Tonne, erklärt Olaf Schmidt, Teilbetriebsleiter der Abfallwirtschaft der TBS.

Während der Corona-Pandemie seien 6 Prozent mehr Restmüll im Müllheizkraftwerk verbrannt worden als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Gelbe Tonne - Nicht alles wird recycelt: Die Reise des Abfalls beginnt mit der Leerung der gelben Tonne. Oft seien die allerdings falsch befüllt.

Tausende Tonnen Abfall aus anderen Städten landen im Müllheizkraftwerk. Das spart den Bürgern Geld. Deshalb kommt so viel Müll nach Solingen.

Anwohner sorgen sich wegen MHKW-Umbau. Neben dem Müllheizkraftwerk soll ein neuer Wertstoffhof entstehen.

Standpunkt: Transparenz beim Abfall

Von Alexandra Dulinski

alexandra.dulinski@solinger-tageblatt.de

Wer selbst Shampooflaschen richtig trennen möchte – Deckel und Behälter kommen einzeln in die Gelbe Tonne – hat es schwer. Man muss fast schon detaillierte Kenntnisse über die unterschiedlichen Arten von Kunststoffen besitzen. Deutlich einfacher wäre es dabei, die richtige Entsorgungsweise auf den Produkten auszuschildern. Viele Experten wünschen sich solche Hinweise. Diese können nicht nur für Klarheit sorgen, sondern auch das Bewusstsein für die richtige Mülltrennung fördern. Transparenz ist hierbei wichtig. 

Wer einmal einen Hinweis auf einer Verpackung liest, erinnert sich womöglich auch beim nächsten Produkt, das nicht gekennzeichnet ist, an die richtige Entsorgung. Dass die Mülltrennung ein wichtiges Thema ist, zeigt auch der starke Bezug zum Thema Nachhaltigkeit, bei dem immer wieder die Rede von Ressourcenknappheit ist. Mit Sicherheit würde es motivieren, zu erfahren, welche neuen Produkte aus dem recycelten Material entstehen. Es bleibt zu hoffen, dass aus der Analyse hilfreiche Erkenntnisse gezogen werden können. 

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