Bunker in Solingen

Aus altem Hochbunker wird Gewerbefläche

Der ehemalige Hochbunker an der Keldersstraße wurde umgebaut und aufgestockt. Heute beherbergt er Arztpraxen und Büros. Foto: Christian Beier
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Der ehemalige Hochbunker an der Keldersstraße wurde umgebaut und aufgestockt. Heute beherbergt er Arztpraxen und Büros.

An der Keldersstraße in Ohligs fanden 1000 Menschen Schutz bei Luftangriffen.

Von Manuel Böhnke

Auf den ersten Blick sieht das Gebäude an der Keldersstraße aus wie ein normaler Bürokomplex. Doch der modern anmutende Rundbau hat eine bewegte Geschichte. Errichtet während des Zweiten Weltkriegs, bot er im Falle eines Luftangriffs bis zu 1000 Menschen Schutz. Nach umfangreicher Sanierung haben sich dort im Herzen Ohligs Arztpraxen und Büros angesiedelt. Komplett verbergen lässt sich der ursprüngliche Zweck allerdings nicht.

Als „Luftschutz-Sonderbau 6“ wird der Bunker in Korrespondenzen des städtischen Bauamts mit der Firma MAN bezeichnet. Das MAN-Werk wurde Anfang 1942 beauftragt, eine Dieselmaschine als Notstromaggregat herzustellen. Zu diesem Zeitpunkt, so schreibt es der damalige Oberbaurat Dörich, sei an der Baustelle mit dem Ausschachten bereits begonnen worden.

In Dokumenten, die im Stadtarchiv aufbewahrt werden, berichtet Dörich im August 1942 von „fortschreitenden Betonarbeiten“. Wann die Arbeiten begannen, wann der Bau fertiggestellt wurde, geht aus den Dokumenten nicht hervor. Das georderte Notstromaggregat steht jedenfalls, sofern es jemals installiert wurde, nicht mehr im Untergeschoss der Keldersstraße 6.

Nach Kriegsende wurde der etwa 25 Meter hohe Turm sukzessive auf eine zivile Nutzung vorbereitet. Die Schwierigkeiten liegen auf der Hand: Die 1,80 Meter dicken Wände mussten für den Einbau der Fenster durchbrochen werden. Für Beobachtungsposten und Flugabwehr auf dem Dach gab es keine Verwendung mehr – an ihrer Stelle wurden der Turm um zwei Etagen aufgestockt. Nach dem Umbau in den 80er-Jahren bezog 1998 das damalige Landeszentrum für Zuwanderung als einer der ersten Mieter den Rundbau.

Statischer Kern verläuft zwischen Keller und Dachgeschoss

Der heutige Zustand taugt zum Paradebeispiel für die zivile Nutzung ehemaliger Bunker-Anlagen. Mit einen Außenaufzug, der einen Blick über Ohligs zulässt, erreicht man jede der acht Etagen. Die Raumaufteilung ist in den Stockwerken nahezu identisch. In der Mitte steht eine Säule. Der statische Kern des ehemaligen Bunkers verläuft zwischen Keller und Dachgeschoss.

Seine Existenz muss kein Nachteil sein, beweisen die Zahnärztinnen Isabella Leisner-Wycisk und Gudrun Wochnik. In ihrer Gemeinschaftspraxis haben sie den Kern genutzt, um eine Wand zu ziehen. Sie trennt Wartezimmer und Empfang. Denn eigentlich ist der etwa 70 Quadratmeter große Raum um den Kern offen. Einteilungen in Form von Wänden gibt es lediglich zum äußeren Ring.

Seine kreisförmig angeordneten Räume bieten Vorteile für Ärzte. „Es ist praktisch, dass man quasi einen Rundgang durch seine Behandlungszimmer hat“, sagt Dana Cleff. Ihre Praxis für Physio- und Osteopathie liegt im ehemaligen Bunker. Auch bei ihren Patienten kommt der Bau gut an: „Sie finden die unkonventionelle Form interessant.“

Der Hochbunker in Ohligs

 © Christian Beier
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 © Christian Beier
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 © Christian Beier

Ein weiterer Vorteil: Zwei verzinkte Rohre der Entlüftungsanlage verlaufen durch jede Etage. Im Winter geben sie etwas warme Luft ab. In Kombination mit den dicken Wänden sorgen sie auch ohne Heizung für angenehme Temperaturen. Während der letzten Renovierung wurden die Grundrisse der früheren Bunker-Etagen an die Wände des Treppenhauses gepinselt. Ganz in Vergessenheit gerät die Vergangenheit des Gebäudes nicht.

DATEN UND FAKTEN

VERWALTUNG Seit 2004 verwaltet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als zentrale Stelle die Gebäude und Grundstücke des Bundes. Darunter fallen auch ehemalige Bunkeranlagen, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den Besitz des Bundes übergegangen sind. UMBAU Schritt für Schritt versucht die BImA, diese Objekte beispielsweise als Gewerbeflächen zu verkaufen. SOLINGEN In Solingen verwaltet die Bundesanstalt an der Weißenburg- und Malteserstraße noch zwei ehemalige Bunker. Verkauft wurde vor etwa zwei Jahren die Anlage an der Walter-Dodde-Straße. bundesimmobilien.de

Im letzten Teil der Serie geht es kommenden Dienstag im Solinger Tageblatt um den ehemaligen Bunker an der Max-Leven-Gasse.

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