Bergische Symphoniker

„Als Dirigentin kannst du mit dem Orchester eins werden“

Zoi  Tsokanou. Foto: Amanda Protidou
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Zoi  Tsokanou.

Zoi Tsokanou aus Griechenland leitet die Symphoniker beim 7. Philharmonischen Konzert nächste Woche an.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Remscheid/Solingen Frau Tsokanou, Sie sind beim 7. Philharmonischen Konzert nächste Woche in Remscheid und Solingen die Gastdirigentin. Auf was können sich die Zuhörer freuen?

Zoi Tsokanou: Bei meinem ersten Mal hier im Bergischen, worauf ich mich sehr freue, präsentieren wir mit dem Orchester ein abwechslungsreiches Programm. Am Anfang bringe ich ein kleines Stück Heimat mit: die Dodekanesische 2. Suite von Giannis Konstantinidis, eine Volksmelodie über die verschiedenen Inseln. Mit seiner Musik bin ich aufgewachsen. Daher freue ich mich besonders, dem Publikum das Stück präsentieren zu können. Es ist ein Stück mit viel orchestraler Farbe und viel Herz. In 17 Minuten können die Zuhörer so in die Ägäis reisen. Dann gehen wir weiter zum Konzert für Fagott und Orchester F-Dur op. 75 von Carl Maria von Weber. Das Stück spielen wir gemeinsam mit dem jungen Fagottisten Theo Plath, der bereits den Deutschen Musikwettbewerb gewonnen hat. Und dann führen wir die Symphonie Nr. 2 in h-Moll von Alexander Borodin auf, ein eher unbekannteres Stück. Es handelt sich um eine heitere russische Symphonie, um wunderschöne Musik. Auch das Volkselement kommt noch vor, aber auch das Tänzerische. Das Finale ist pure Spielfreude. Ich freue mich, dieses unbekanntere Werk ins Licht zu bringen.

Kennen Sie die Bergischen Symphoniker bereits?

Tsokanou: Ich habe das Orchester noch nie gehört, ich war auch noch nicht so oft in dieser Region. Die ersten Proben haben wir gerade abgeschlossen, so langsam bekomme ich ein Gefühl für die Orchesterdynamik. Es ist wichtig, den Charakter von jedem Orchester zu pflegen. Ich kenne ein Orchester auch erst dann richtig, wenn ich es in seinem Umfeld erlebe, im Dialog mit dem Publikum. Es ist eine Herausforderung, als Gastdirigentin mit einem anderen Orchester zu arbeiten, aber auch sehr schön.

Sie sind die erste Frau, die ein bedeutendes griechisches Orchester leitet. Seit 2017/2018 sind Sie Chefdirigentin und künstlerische Leiterin der Thessaloniki State Symphony Orchestra. Gibt es einen Unterschied, ob eine Frau oder ein Mann am Dirigentenpult steht?

Tsokanou: Irgendjemand muss ja den Anfang machen (lacht). Ich bin froh, dass mir diese Berufung zuteil geworden ist. Ich finde: Beim Musikmachen darf kein Unterschied sein. Wenn man wirklich drin ist im Werk und in der Musik, dann denkt man nicht: Steht dort vorne ein Mann oder eine Frau? Es ist nicht wichtig. Ich bin jedoch froh, dass es auch in Griechenland nun so ist. Ich bin mir sicher, dass noch mehrere Dirigentinnen folgen werden. Es ist wichtig, dass alle anderen sehen: Es ist völlig normal, dass eine Frau am Dirigentenpult steht. Ob Chefdirigentin oder Chefin einer Firma – positive Beispiele machen anderen Frauen Mut. Die Welt ist offen, solange du es möchtest und dafür kämpfst.

Sie haben Klavier und das Dirigieren studiert, sich aber für das Dirigat entschieden. Was fasziniert Sie so an dem Beruf?

Tsokanou: Ich habe mich immer für den großen Bogen, den Blick fürs Ganze interessiert. Was will ich mit dem Stück sagen, wo führt es hin, was könnte man noch rausholen? Das sind unglaubliche Möglichkeiten, die mir dieser Beruf bietet. Du hast die Noten vor dir, das Orchester mit seinen tollen Musikern, und du kannst mit allem eins werden und Musik vermitteln. Das war auf jeden Fall die richtige Wahl. Aber natürlich hat mir meine Erfahrung als Kammermusikerin geholfen. Ich habe auch als Pianistin viele Konzerte gegeben. Aber da war immer dieses Verlangen nach etwas mehr.

Sie sind nicht nur Dirigentin, sondern auch Mutter. Wie bekommen Sie den Job, der Sie durch die ganze Welt führt, und eine Familie unter einen Hut?

Tsokanou: Das ist genauso wie der Beruf selbst eine große Herausforderung, vor allem, weil ich teils in Zürich und teils in Thessaloniki lebe. Es braucht eine unheimlich gute Organisation, es braucht Menschen, die Verständnis haben und das Ganze unterstützen. Und manchmal muss man sich auch selbst sagen: Wir machen es jetzt und glauben daran. Zuversicht ist das Stichwort. In meinem Fall helfen mein Mann, der auch Musiker ist, meine Mutter oder meine Schwiegermutter. Oft kommen meine Kinder aber auch mit. Jetzt nach Remscheid und Solingen aber nicht.

Welche Musik hören Sie privat am liebsten?

Tsokanou: Um ehrlich zu sein, höre ich privat eher wenig Musik, weil mein Berufsleben schon viel Musik enthält. Wenn, dann höre ich gerne Jazz. Ich bin sehr gerne draußen, ich laufe gerne, dann genieße ich die Naturklänge – die Bäume und das Meer.

Zur Person

Zoi Tsokanou (40) wurde in Thessaloniki geboren, wo sie ihren Abschluss in Klavier und Musikwissenschaft erhielt. In Zürich studierte sie Klavier bei Konstantin Scherbakov und Dirigieren bei Johannes Schlaefli. Sie gewann mehrere Preise bei internationalen Dirigentenwettbewerben. Nach ihrem Engagement als Kapellmeisterin am Theater Erfurt wurde sie 2017/2018 Chefdirigentin und künstlerische Leiterin des Thessaloniki State Symphony Orchestra. Zu vergangenen Engagements zählen unter anderem das Orchestre National de Lille, die Düsseldorfer Sinfoniker, das Radio-TV Orchester in Madrid und die Oper in Athen. Im Oktober wird sie das Royal Opera House Orchester in London mit der World-Premiere-Ballett-Produktion von Crystel Pite begleiten. Zudem wird sie zum dritten Mal auf dem Podium des Barcelona Sinfonie Orchesters stehen. Zoi Tsokanou ist Mutter von zwei Kindern (2 und 6).

Hörprobe

Weitere Hörproben gibt es hier: https://www.zoi-tsokanou.com/videos; https://www.tsso.gr

Zum Konzert

7. Philharmonisches Konzert der Bergischen Symphoniker am Dienstag, 8. März, 19.30 Uhr, Theater und Konzerthaus, Großer Konzertsaal. Der Einführungsvortrag startet um 18.45 Uhr. Karten ab 24 Euro, 20 48 20 oder online. 3G-Regel, Test empfohlen.

theater-solingen.de

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