Kunstmuseum

Alltagsfiguren spiegeln sich in kubistische Welten

Thomas Kratz kümmert sich um das künstlerische Erbe seiner Mutter Gerda und seines Vaters Max. Der wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Im Kunstmuseum sind exemplarisch einige seiner Skulpturen bis zum 25. April zu sehen. Da lernen die Betrachtenden: Neben Bronze hat der Bildhauer auch Erden verwendet. Thomas Kratz hat einen Tisch (unten rechts) aus dem Atelier seines Vaters zur Verfügung gestellt. Fotos: Christian Beier
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Neben Bronze hat der Bildhauer auch Erden verwendet.

Kunstmuseum würdigt den vor 100 Jahren geborenen Max Kratz mit einer Werkschau.

Solingen. In Solingen ist der vor 100 Jahren in Remscheid geborene Bildhauer Max Kratz oft zu sehen. Im Innenhof des Theater und Konzerthauses hängt seine Wandskulptur „Finale“, an der Poststraße im Stadtteil Wald können „Der Fischer un sin Frau“ bewundert werden. Vor dem Kunstmuseum in Gräfrath steht die „Mollige“. Und genau dort wurde am Samstag die Ausstellung „100 Jahre Max Kratz“ eröffnet.

Zu Max Kratz berichtet die Direktorin des Kunstmuseums, Gisela Elbracht-Iglhaut: „Kratz wurde am 3. Mai 1921 in Remscheid geboren. Er absolvierte zunächst ein Studium an der Werkkunstschule in Krefeld. Dort legte er seine Gesellenprüfung als Goldschmied ab. 1941 begann er ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie.“

Thomas Kratz kümmert sich um das künstlerische Erbe seiner Mutter Gerda und seines Vaters Max. Der wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Im Kunstmuseum sind exemplarisch einige seiner Skulpturen bis zum 25. April zu sehen.

Doch schon im gleichen Jahr musste er mitten im Studium an die Front, unter anderem nach Russland. Der Zweite Weltkrieg brach sein Bewusstsein, Künstler zu sein, nicht. Im Gegenteil, ab 1946 studierte der junge Kratz bei Prof. Sepp Mages an der Düsseldorfer Kunstakademie weiter. Endlich konnte er die Techniken anwenden, deren Protagonisten in der Nazizeit verpönt, verboten, verfolgt waren – die gar ermordet wurden: Kubistische und expressionistische Einflüsse prägen sein Werk zeit seines Lebens.

In dieser Zeit kurz nach dem Krieg begann seine enge Bindung an die Stadt Solingen, der er trotz Lehraufträgen in anderen Städten verbunden blieb und auch dies, obwohl er in Düsseldorf wohnte. Er engagierte sich im Kunstbeirat der Stadt. 1994 überlässt er im Rahmen einer Stiftung dem entstehenden Kunstmuseum Solingen 134 Skulpturen als Schenkung. Diese ist Basis der Ausstellung, die noch bis zum 25. April zu besuchen ist. Eine Terminvereinbarung ist vorab unter Tel. 25 81 40 notwendig.

„Holzkohle für seine Entwürfe sammelte er vom Boden im Gefangenenlager auf.“

Gisela Elbracht-Iglhaut, Direktorin

Hat man den ergattert, öffnen sich im Kunstmuseum Solingen auch die eher unbekannten Seiten von Kratz. Über seinen Sohn Thomas ermöglicht, konnte ein Tisch aus dem Atelier von Kratz ausgeliehen werden. Ein Film zeigt dazu, wie er und seine Frau Gerda, die ebenfalls eine Bildhauerin war, ihre Werke geschaffen haben. Berührend ist eine Vitrine, in der eine geschnitzte, ganz kleine Skulptur zu sehen ist. Sie entstand in der Kriegsgefangenschaft. Kratz hat dazu in einer Mappe Zeichnungen gesammelt. Sie trägt den Titel „Max Kratz, Gef. No. 731778“.

Thomas Kratz hat einen Tisch aus dem Atelier seines Vaters zur Verfügung gestellt.

„Die Holzkohle für seine Entwürfe sammelte er vom Boden im Gefangenenlager auf“, weiß Elbracht-Iglhaut. Kratz schaffte auch sakrale Arbeiten, die in 85 deutschen Städten angeschaut werden können. Gar in mehr als 100 Städten stehen seine Skulpturen im öffentlichen Raum – doch im Laufe der Jahrzehnte sind auch einige zerstört worden oder gelten als verschollen.

Bildhauerpaar Gerda und Max Kratz

Das Werk: Max Kratz ist vor allem für seine Bildhauerei bekannt. Bronzeskulpturen gibt es in großer Zahl. Sohn Thomas versucht, dieses Werk über die Professor Max Kratz Stiftung zusammenzuhalten und immer wieder auszustellen. Im Kunstmuseum ist jetzt auch ein Werk mit Aktzeichnungen ausgestellt. Dabei wechselt Kratz munter den Stil zwischen klassischer Moderne, expressionistischem Aufbau bis zum Kubismus.

Seelenverwandtschaft: Mit seiner Frau Gerda teilte Max Kratz die Bildhauerei. Die gegenseitige Beeinflussung ist nicht zu übersehen. Doch bei Gerda Kratz schimmert auch immer ein bisschen Humor mit, wenn sie ihren Figuren ausladende Formen gab.

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