Interview

„Alles hat zu seiner Zeit seine Richtigkeit“

Max & Jakob – oder Jakob & Max? Ihre wahre Identität geben die beiden Podcast-Papas nur preis, wenn sie auf der Bühne stehen. Ansonsten sind die gelben Minecraft-Masken ihr Erkennungszeichen. Foto: Jakub Cezary
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Max & Jakob – oder Jakob & Max? Ihre wahre Identität geben die beiden Podcast-Papas nur preis, wenn sie auf der Bühne stehen. Ansonsten sind die gelben Minecraft-Masken ihr Erkennungszeichen.

Max & Jakob sprechen über ihren Elternpodcast, ihr neues Buch und über Dinge, die Väter besser können als Mütter.

Max & Jakob gehören mit ihrem Podcast „Beste Freundinnen“ und dem darauf folgenden Elternpodcast „Beste Vaterfreuden“ zu den erfolgreichsten Vertretern der Szene. In ihrem gerade erschienenen Buch „Vatermilch“ geben sie ehrliche und unterhaltsame Einblicke in ihr Leben als junge Väter und hilfreiche Tipps für den Moment, wenn man(n) plötzlich Vater wird.

Männer sind nicht unbedingt bekannt dafür, gerne über ihre Gefühle zu sprechen. Euch kann man jede Woche dabei zuhören. Wie kam es dazu?

Jakob: Wir haben ein gemeinsames Hobby gesucht. Andere Männer schrauben an Autos, wir reden eben gerne. Vielleicht, weil wir von unseren Müttern sozialisiert wurden. Irgendwann haben wir unsere Gespräche dann einfach aufgenommen – und das kam gut an.

Max: Vielleicht, weil es das vor sieben Jahren noch nicht gab, als wir damit angefangen haben: Zwei Männer, die geradeaus und authentisch über ihr Leben reden.

Bei eurem Podcast „Beste Freundinnen“ geht es gerne auch mal zotiger zur Sache. Hat sich eure Herangehensweise jetzt bei „Beste Vaterfreuden“ verändert?

Max: Nein, der Ansatz ist immer noch derselbe. Wir sind ja keine Influencer-Mamis, die nur die besten Seiten des Elternseins zeigen. Wir benennen auch ganz klar die Probleme und nicht so schönen Momente. Da hat uns die Sicht der Väter bisher gefehlt.

Jakob: Wir nehmen das Leben eben so, wie es kommt und reden drüber. Wir sind privat ja wirklich befreundet und treffen uns nicht nur für den Podcast. Mein Motto ist nach wie vor: Immer raus damit! Wenn ich heute alte Folgen von uns höre, denke ich manchmal: Was war ich doch für ein rücksichtsloser Idiot. Aber der Podcast ist in gewisser Weise eben ein Zeitdokument. Alles hatte zu seiner Zeit seine Richtigkeit. Ich glaube an den Wandel jedes Individuums – muss ich ja auch (lacht).

„Wir sind ja keine Influencer-Mamis, die nur die besten Seiten des Elternseins zeigen.“

Max

Eure Gespräche leben auch von den Gegensätzen. Das trifft bei euch ja auch auf das Vaterwerden zu . . .

Max: Ich bin der fleischgewordene Spießertraum mit Frau, zwei Kindern, Reihenhaus und Kombi. Und immer noch verheiratet.

Jakob: Bei mir war es ein bisschen anders. Ich habe eine Frau im Club kennengelernt, mich Hals über Kopf in sie verliebt und war zu unvorsichtig. Die Nachricht, dass ich Vater werde, hat mich in eine tiefe Krise geworfen. Ich wusste, mein Leben wird sich verändern. So ein Spießer wie Max kann ich nicht mehr werden.

Aber unglücklich wirkst du jetzt nicht mehr. . .

Jakob: Beim Blick nach vorne ist das Leben ja immer eine Katastrophe, im Nachhinein fügt sich immer alles irgendwie und man sagt sich: Das war schon alles richtig so. Das ist wirklich eine geniale konstruktivistische Leistung des Gehirns. Oder einfach ausgedrückt: Ich bin sehr glücklich damit, Papa zu sein.

Wer von euch hat sich als Vater denn mehr verändert?

Max: Ich würde gerne behaupten, dass ich mich nicht groß verändert hätte. Tatsächlich bin ich aber weitaus ruhiger und sesshafter geworden.

Jakob: Tendenziell hab ich mich wohl noch mehr verändert. Ich war früher mit Kindern nicht kompatibel. Klar, ich konnte sie mal für 20 Minuten bespaßen, aber mehr auch nicht. Jetzt lebe ich mehr im Moment und bin viel gelassener geworden.

Passend dazu heißt ein Kapitel in eurem Buch: „Elf Dinge, die wir als Väter nicht an uns wiedererkennen“. Was zum Beispiel?

Jakob: Mein Ehrgeiz ist flöten gegangen. Es muss nicht mehr alles mit Brachialgewalt klappen, wie ich es mir vorgenommen habe. Wenn geplant war, wir gehen auf den Spielplatz, das Kind turnt aber lieber zu Hause rum – ja, dann machen wir es uns eben da schön. Früher war ich auch ein ziemlicher Wohnungspedant, heute geht Gemütlichkeit vor klinischem Design.

Max: Ich bin definitiv näher am Wasser gebaut. Filme und Serien, die mich früher nicht berührt haben, bringen mich jetzt zum Weinen. Mit Kind wird einem auf einmal bewusst, welch kurze Zeit man auf diesem Planeten verbringt. Mit der Geburt wurde mir klar, wie endlich das Ganze ist.

Jakob: Zumal man mit einem Kind eine Referenzgröße zur Zeit hat. Was waren früher schon zwei Jahre? Am eigenen Kind sieht man jetzt, was in zwei Jahren alles passiert.

In einem anderen Kapitel geht es um Dinge, die Väter besser machen als Mütter. Welche zum Beispiel?

Jakob: Wir können besser loslassen und an die motorischen Fähigkeiten des Kindes glauben. Alles, was mit Toben und dem Brechen von Regeln zu tun hat, liegt uns mehr.

Max: Lustiger sind wir auch – vor allem in Situationen, die eigentlich ernst betrachtet werden sollten.

In der Podcast-Szene seid ihr echte Stars. Sind weitere Projekte für Max & Jakob vorgesehen?

Max: Es ist nicht geplant, im Fernsehen oder Radio Karriere zu machen. Podcasts sind für uns das höchste Mediengut und das Medium, mit dem wir unsere Emotionen am besten transportieren können. Wir hoffen, dass wir mit „Beste Vaterfreuden“ bald auf Tour gehen können. Das ist der einzige Rahmen, in dem wir unsere Masken ablegen und aus unserer Anonymität ausbrechen wollen.

Hintergrund

Seit sechs Jahren sprechen die Berliner Max und Jakob, beide Anfang/Mitte/Ende 30, in ihren Podcasts „Beste Freundinnen“ und „Beste Vaterfreuden“ offen über ihre Beziehungsprobleme, das Vatersein und die großen Gefühle des Lebens. Jede Folge hat durchschnittlich mehr als 170 000 Hörer. Damit gehören sie zu den reichweitenstärksten Podcastern Deutschlands.

bestefreundinnen.de

„Vatermilch“ ist im Penguin Verlag erschienen, hat 256 Seiten und kostet 10 Euro.

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