Mein Blick auf die Woche

Alle reden übers Wetter – und über die Event-Arena 

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Wo soll sie hin, wer wird sie bauen? In Solingen überschlagen sich die Spekulationen über die Event-Arena. Fest steht offenbar nur: Die Pläne am Weyersberg sind Geschichte. Was für ST-Chefredakteur Stefan M. Kob die Frage aufwirft: Was wird jetzt mit der maroden Klingenhalle?

Alle reden übers Wetter. In Solingen nach dem ersten richtigen Wintereinbruch auch. Und offenbar haben alle wegen der letzten Jahre ohne nennenswerten Schneefall vergessen, was am ersten weißen Tag immer passiert: Chaos. Weil alle sich noch nicht eingespielt haben: nicht die Autofahrer, die insgeheim gehofft haben, sie kämen ohne einen teuren Reifenwechsel über die Runden; nicht der Winterdienst, der offensichtlich noch Luft zur Höchstform hat. Selbst wenn man zugeben muss, dass Frau Holle mal wieder zur besten Sendezeit auf den weißen Knopf gedrückt hat: nämlich mitten im einsetzenden Berufsverkehr. Schlingernde Sommerreifen-Zocker blockierten dann die Straßen für die Räumfahrzeuge, die natürlich erst ausrücken konnten, als die Straßen schon glatt waren. So wie die Wetterprognosen liegen, haben wir aber alle zusammen Möglichkeiten, das nochmal zu üben und besser hinzukriegen. Vielleicht verbuchen wir sogar einen kleinen politischen Lerneffekt: Zwingt man die Autos aus ideologischen Gründen zum Schneckentempo, kommen auch keine Busse mehr an. 

In Solingen reden aber alle zusammen noch über ein anderes Thema: die heiß diskutierte Event-Arena. Wo kommt sie hin? Wer ist der externe Investor? Wer wird sie bezahlen, wer sie betreiben? Und so weiter. Die Stadtspitze scheint dabei auf dieselbe Kommunikationsagentur zurückzugreifen, auf die Kanzler Olaf Scholz baut: „Ich weiß es, sage aber nichts.“ Und so schießen die Spekulationen ins Kraut: Am ehemaligen Freibad Tränke wäre noch verkehrsgünstig gelegenes Gelände, bei Borbet wird nach dem Aus des Räderherstellers bald viel Platz entstehen. Und wer der geheimnisvolle externe Investor ist, da fallen einem auch nicht so viele Namen ein. Entweder ein verrückter Lokalpatriot mit viel Spielgeld oder ein notorischer Hochstapler à la Car-Cult, der die ersehnte Arena als Kartenhaus baut. Oder kommt aus Wuppertal, wo man ja auch Interesse an einer Zukunft des BHC hat, unerwartete Hilfe? Vielleicht ja aber auch ganz woanders her – und ganz wer anders. 

Selbst die gern gut informierte Politik tappt im Dunkeln, weshalb bisher nichts nach außen gedrungen ist. Allein BHC-Geschäftsführer Jörg Föste scheint voll im Bilde und macht sich einen Spaß daraus, die öffentliche Diskussion mit sibyllinischen Andeutungen und gezielten Nebelkerzen anzuheizen. Für den Mantel des städtischen Schweigens muss man sogar Verständnis aufbringen. Alle Erfahrung lehrt, dass die obligatorischen Gegner einer jeglichen Planung schneller eine Bürgerinitiative gegründet haben, als die Pressekonferenz zur Information der Bevölkerung beendet ist.  

Immerhin stand das Aus für die Arena-Pläne am Weyersberg, über die bis vor kurzem noch lustig debattiert und demonstriert wurde, wohl schon im Sommer fest. Was die Hoffnung nährt, dass noch nicht allzu viel Geld der Million abgeflossen ist, die für Gutachten eingeplant war. Vielleicht haben gerade die schon eingesetzten 370.000 Euro den Sinneswandel befördert und den Blick für Alternativen geweitet. Wer weiß?

Aber selbst wenn jetzt am Weyersberg wieder Ruhe einkehrt, so ist diese trügerisch. Denn mit der Arena-Planung verbunden war ja die Hoffnung, sich eine millionenteure Sanierung der maroden Klingenhalle ersparen zu können. Dieses Thema kommt unweigerlich wieder auf die politische Tagesordnung, da hat die CDU vollkommen recht. Und damit die Frage, ob ein Neubau nicht billiger käme als eine Grundsanierung. Einziger Vorteil gegenüber der jetzt offensichtlich geplanten Trennung der Themen: Die Halle müsste nicht mehr erstligatauglich ausgerüstet werden, sondern könnte sich auf Schulsport und kleinere Vereinssport-Veranstaltungen konzentrieren. Dennoch bleibt diese Aufgabe für eine Stadt mit mehr als einer halben Milliarde Schulden ambitioniert. 

Unsere Themen in dieser Woche 

Kirche I: Von wegen friedliche Weihnachtszeit: In der Kirche St. Michael hängt der Segen wegen eines Krippenabbaus schief.

Kirche II: Viele wollen nicht mehr rein in die Kirche, sondern raus. Wer austreten möchte, braucht in Solingen aber Geduld. 

Kirche III: An Krisen herrscht zurzeit wirklich kein Mangel. Was manchmal zu echten Lebenskrisen führt. Wie der Glaube dagegen helfen kann, verrät Pfarrer Bernd Reinzhagen.

Nach Unfall mit Klärschlamm: Wie groß ist der Umweltschaden in der Itter?

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