Gemeinde

Aleviten eröffnen Vereinsheim

Alevi-Bektasi-Sekretär, Erkan Gülcem (Podium), feierte mit Musik die Eröffnung des neuen Vereinsheims. Foto: Andreas Horn
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Alevi-Bektasi-Sekretär, Erkan Gülcem (Podium), feierte mit Musik die Eröffnung des neuen Vereinsheims. Foto: Andreas Horn

Bei den Mitgliedern steht der Glaube im Mittelpunkt. Ihr Interesse gilt besonders der Integration. Frauen tragen kein Kopftuch.

Von Manuel Böhnke

Mit einem beherzt gesungenen „Merhaba“ (türkisch für „Guten Tag!“) stellte sich die Alevi-Bektasi Glaubensgemeinde am Samstag vor. Der Verein existiert bereits seit Ende 2016, ein wirklicher Treffpunkt fehlte jedoch bisher. Das ist nun anders: An der Beethovenstraße 185b hat die alevitische Gemeinde ihr neues Vereinsheim eröffnet. Einige der 85 Mitglieder der Alevi-Bektasi Glaubensgemeinde waren vorher bei der alevitischen Kulturgemeinde aktiv. Der Zusammenschluss existiert seit 1994 und positioniert sich immer wieder politisch – etwa gegen das Verfassungsreferendum in der Türkei.

„Wir haben uns entschlossen, eine weitere Gemeinde zu gründen“, erklärt Erkan Gülcem, Alevi-Bektasi-Sekretär. Fortan liegt der Fokus auf dem Glauben. „Unsere Mitglieder sollen und dürfen natürlich eine politische Meinung haben. Dafür können sie sich aber in deutschen Parteien engagieren“, betont Gülcem. Das neue Vereinsheim – eine ehemalige Metzgerei – haben die Mitglieder binnen eines halben Jahres in Eigenregie umgebaut.

Gleichstellung von Frau und Mann ist ein Grundsatz

Der Verein trägt sich selbst – hauptamtliche Kräfte gibt es nicht. Das Herzstück ist ein großer Raum mit einladender Fensterfront. Dort sollen in Zukunft Seminare oder Informationsabende zu Glaubensfragen stattfinden.

Die wichtigste Aufgabe hat dabei Gazi Seneldik. Er ist Vorsitzender sowie geistliches Oberhaupt der Gemeinde. Der sogenannte Dede geht einem weltlichen Beruf nach. Sein Stammbaum, theologisches Wissen sowie sein vorbildhaftes Verhalten befähigen ihn zu seiner Position. Er leitet den seit Jahrhunderten ritualisierten Gottesdienst Cem.

Die Aleviten sehen in Ali, den Schwiegersohn Mohammeds, den rechtmäßigen Nachfolger des Propheten. Die Grundlage ihres Glaubens sind die Überlieferungen des Korans. Ihre Interpretation des Islams unterscheidet sich jedoch von orthodoxen Gruppen. So tragen beispielsweise Frauen kein Kopftuch. Auch beten Aleviten nicht fünfmal täglich.

Vielmehr verstehen sie das Gebet als kontinuierlichen Prozess der Verbundenheit zu Gott. „Wir wollen unseren Beitrag für eine friedliche Gesellschaft leisten“, sagt Erkan Gülcem. Ziele seien internationale Verständigung, die Gleichstellung von Frau und Mann sowie die Bildung von Kindern und Jugendlichen. Eine wesentliche Rolle soll auch Integrationsarbeit spielen.

ALEVITENTUM

GLAUBEN In der Türkei bilden Aleviten die zweitgrößte Religionsgruppe. „Für uns steht der Mensch in seiner kompletten Schöpfung als Werk Gottes im Mittelpunkt“, skizziert Erkan Gülcem die Glaubensgrundsätze. Im Osmanischen Reich sahen sich Aleviten Verfolgung ausgesetzt.

Die Gemeinde möchte eine Plattform für religiösen und interkulturellen Dialog bieten. Sowohl die türkische Generalkonsulin Sule Gürel als auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) unterstrichen beim Festakt die Relevanz dieses Themas. Kurzbach: „Lassen Sie uns immer im Gespräch bleiben.“ Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Anne Wehkamp, sieht in den Gemeinden starke Partner: „Ihnen gelingt der Spagat zwischen Herkunftskultur und Öffnung in die deutsche Gesellschaft.“

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