Aggressionen – mal laut und mal leise – tragen uns durchs Leben

Erwachsene haben die Verantwortung, wenn etwas überwältigt: Sie helfen beim Einsortieren/Regulieren. Foto: Andrea Daun/Zeichnung: Régis Noël
+
Erwachsene haben die Verantwortung, wenn etwas überwältigt: Sie helfen beim Einsortieren/Regulieren. Foto: Andrea Daun/Zeichnung: Régis Noël

In einer Serie beleuchten wir, wie unsere Grundgefühle uns helfen, mit Herausforderungen umzugehen. Heute geht es um Aggressionen, die Wut zeigen.

Von Andrea Daun

Im dritten Grundgefühl, das ich Ihnen vorstellen möchte, geht es um die Aggression, die Wut zeigt. Im ersten Moment verknüpfen wir diese in Gedanken mit Gewalt. Doch besteht ein wichtiger Unterschied zwischen Gewalt und Aggression.

Der Unterschied liegt in der Antwort auf die Frage „Warum mache ich, was ich mache?“. Gewalt setzt eine Absicht voraus: „Ich will dir weh tun“ – man möchte dem anderen Schmerzen zufügen. Aggression aber bedeutet Selbstschutz: „Mir geht es nicht gut; Ich kann mir selbst nicht mehr helfen.“ Aggression ist ein Hilfsmittel, um die Umwelt auf sich aufmerksam zu machen. Das kann verletzend wirken auf die Mitmenschen. Hier braucht es Erwachsene, die einen Überblick über Reaktionen haben und tiefes Vertrauen, dass Kinder ihr Bestes geben, auch wenn es nicht so aussieht oder sich so anfühlt.

Das erste Selbstschutzprogramm des Menschen heißt Aggression oder Angriff. Aggression wird vom Betroffenen unbewusst angewendet und ist zu 50 Prozent „laut“, das heißt gegen andere gerichtet. Genauso häufig jedoch ist sie „leise“, das heißt gegen sich selbst gerichtet. Diese leisen Kinder sind sehr viel schwerer zu entdecken, weil sie über lange Zeit angenehm wirken; die lauten Kinder hingegen bekommen schnell Aufmerksamkeit.

Innere Not hinter aggressivem Verhalten erkennen lernen

Meistens beurteilen wir lautes Verhalten nach dem Schuldprinzip und nicht nach dem Entdeckerprinzip, das Kinder eigentlich bräuchten, weil sie sich selbst nicht helfen können. Ein Verhalten, das vom bisherigen abweicht, hat Hintergründe, die innere Not aufzeigen. Wird die Not nicht erkannt, verstärkt sich das Verhalten und Symptome können auftreten. Einnässen, Haare ausreißen, Nahrungsverweigerung oder Ritzen zählen zu den „leisen Aggressionen“.

Auch wir Erwachsenen reagieren ungehalten oder aufbrausend, wenn wir uns abgelehnt oder missachtet fühlen. Nur haben wir mehr Übung, unser Verhalten zu dosieren. Unsere Grundgefühle unterstützen uns beim Überleben. Deswegen ist die Aggression als Einladung zu verstehen: Im Leben eines Menschen ist etwas so mühsam oder schmerzhaft, dass er es nicht erträgt.

Hier braucht es aufmerksame Erwachsene, die die Atmosphäre, die Rahmenbedingungen und sich selbst überprüfen und zum Dialog einladen.

Sie erkennen hier ihr Kind? Es gilt, Verantwortung für die Situation zu übernehmen. „Du hast so viel Wut in dir, ich würde gerne wissen, wann die kommt und wie die weggehen könnte?“ Hier gilt die Regel „akzeptieren, nicht wegargumentieren“. Zeit geben und eventuell nach zwei Tagen nachfragen: „Du erinnerst dich, ich interessiere mich für deine Wut.“ Ein konstruktives Miteinander beginnt.

Tipps wie „die Stimmung nennen“ gibt auch das NRW-Familienministerium.

www.kita.nrw.de

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stufe 2: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen wieder
Stadt kauft die Ohligser Festhalle zurück
Stadt kauft die Ohligser Festhalle zurück
Stadt kauft die Ohligser Festhalle zurück
Frau fährt gegen geparktes Auto
Frau fährt gegen geparktes Auto
Frau fährt gegen geparktes Auto

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare