Veranstaltungsreihe

„After Work“: Auftakt in der Loosen Maschinn

Sie waren beim Auftakt der „After-Work“-Reihe in der Loosen Maschinn dabei (v.l.): Christine Reinert-Bohne (Vorstandsmitglied des Fördervereins), Kunstpädagogin Sabine Buchmüller (Lehrerin an der Grundschule Bünkenberg-Widdert und mit ihren Schülern verantwortlich für die Ausstellung im Gebäude) und Damian Grams, einer der letzten Schwertfeger Solingens.
+
Sie waren beim Auftakt der „After-Work“-Reihe in der Loosen Maschinn dabei (v.l.): Christine Reinert-Bohne (Vorstandsmitglied des Fördervereins), Kunstpädagogin Sabine Buchmüller (Lehrerin an der Grundschule Bünkenberg-Widdert und mit ihren Schülern verantwortlich für die Ausstellung im Gebäude) und Damian Grams, einer der letzten Schwertfeger Solingens.

Neue Veranstaltungsreihe des Industriemuseums rückt historische Gebäude in den Mittelpunkt.

Von Holger Hoeck

Die 1888 vom Landwirt und Höhscheider Beigeordneten Ernst Loos im einstigen Schleiferort Widdert eröffnete Loosen Maschinn war eine der größten Dampfschleifereien, die eine Dampfmaschine als Antriebskraft einsetzte und die Schleifer unabhängig vom Standort am Wasser machte. Ehemals bis zu 183 Schleifern eine Arbeitsstätte bietend, umfasst das denkmalgeschützte Gebäude heute Wohnungen, Gewerberäume und eine Ausstellungsfläche, die der Förderverein Industriemuseum als Betreiber nun für die Premiere der neuen Veranstaltungsreihe „After Work“ nutzte.

Nicole Scheda, Leiterin des LVR-Industriemuseums in Merscheid und somit auch verantwortlich für die Außenstelle an der Börsenstraße, erläuterte Hintergründe: „Dieser Ort ist ein kleines, schönes Juwel. Wir möchten ihn daher etwas mehr öffnen für die Bürger aus Widdert und ganz Solingen und ihn dadurch allen etwas näher bringen. Unser Wunsch ist es, dass die Bevölkerung die ‚Maschinn‘ als Begegnungsort wahrnimmt, wo man sich zugleich selbst aktiv, etwa in Form von eigenen Ausstellungen, einbringen kann.“ Neben der Referentin Dagmar Thiemler, die als Expertin die Historie des Industriedenkmals aufleben ließ, dankte Scheda auch Fördervereinsvorstandsmitglied Christine Reinert-Bohne als Initiatorin für die Realisierung der Premiere. Für die Heilpraktikerin war es dabei ein Heimspiel. „Vor fünf Jahren bin ich mit meinem Mann hierhin gezogen, denn wir interessieren uns sehr für Geschichte, Museen und historische Häuser. Vor allem wollten wir eine original erhaltene Wohnung, die zwar eine komplette Innenschicht und auch Innenfenster erhalten hat. Aber die Außenfenster sind noch im Originalzustand, die sich nur ein Stück öffnen lassen. Wir können daher nicht wirklich gut lüften, was wir aber gerne hinnehmen.“

„Unser Wunsch ist es, dass die Bevölkerung die ‚Maschinn‘ als Begegnungsort wahrnimmt.“

Nicole Scheda. Leiterin des LVR-Industriemuseums

In ihrem Vortrag betonte Dagmar Thiemler die Bedeutung des Stadtteils. „Widdert ist der traditionelle Schleiferort Solingens schlechthin. Hier waren ganz viele Schleifereien ansässig.“ Bezogen auf den Ursprung des Begriffs Maschinn klärte sie auf: „Um 1850 arbeiteten die Leute noch an Schleifsteinen in den Wasserkotten. Neu war dann an einer solchen Anlage wie hier nicht nur die Dampfmaschine, sondern der gesamte Betrieb der Transmission, der sich durch das komplette Gebäude erstreckte. Das heißt, dass es für sie als Gesamterlebnis eine ‚Maschinn‘ war, die sie mit Angst erfüllte. Denn sie befürchteten, dass sie ihre selbstbestimmten Arbeitsverhältnisse verlieren würden.“

In den 1870ern setzte dann jedoch ein Umdenken ein. „Der Eisenbahnanschluss Solingens 1867 sorgte für die günstigere Einfuhr von Kohle, die Dampfmaschinen wurden größer und es wurde demzufolge dringend notwendig, auf eine neue Technologie aufzusatteln. Daher entstanden in den 1880er und 1890er Jahren alleine auf Solinger Stadtgebiet etwa 107 Dampfschleifereien.“

Wie in den Wasserkotten mieteten die Schleifer auch in der Loosen Maschinn ihre Arbeitsstellen, für den sie einen Teil ihrer Einnahmen abführen mussten. Steine, Riemen und Werkzeug waren hingegen ihr Eigentum. Auch der Zusammenhalt unter den Schleifern soll hervorragend gewesen sein, denn „jeder wusste, welche Arbeit der andere verrichtete und welchen Lohn er hierfür verlangte.“

Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte veränderte sich die Arbeitsorganisation. Obwohl insbesondere die Weltkriege zu einer nachlassenden Nachfrage nach Schleifwaren führten, arbeiteten selbstständige Schleifer jedoch noch bis 1988 in der Loosen Maschinn, die Solinger Musikgruppen zudem als Proberäume diente. Als die Abbruchgenehmigung bekannt wurde, gingen die Meinungen innerhalb der Bevölkerung auseinander, ob das Gebäude abgerissen werden oder als Denkmal erhalten bleiben sollte. Dank eines privaten Investors, der das Bauwerk gemäß Denkmalschutz-Vorgaben wiederherstellte, hat es bis heute, auch zum Glück für Eigentümer und Pächter, weiterhin seinen Platz in der inzwischen schnelllebigen Zeit.

Die neue Veranstaltungsreihe „After Work“ soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

An neun Schulen soll gebaut werden
An neun Schulen soll gebaut werden
An neun Schulen soll gebaut werden
Hölzerne Liëwerfrau begrüßt Wanderer
Hölzerne Liëwerfrau begrüßt Wanderer
Hölzerne Liëwerfrau begrüßt Wanderer
Hier soll ein Platz für die Ohligser entstehen
Hier soll ein Platz für die Ohligser entstehen
Hier soll ein Platz für die Ohligser entstehen
Der heutige Warntag soll Sicherheitslücken zeigen
Der heutige Warntag soll Sicherheitslücken zeigen
Der heutige Warntag soll Sicherheitslücken zeigen

Kommentare