Acht Hausarzt-Stellen unbesetzt

Ärzte: Praxen sollen verstärkt für den Medizinberuf werben

Im Atelier Gleis 3 diskutierten (v. l.): Dr. Stephan Lenz, Dr. Stephan Kochen, Prof. Dr. Boris Pfaffenbach und Dr. Robert Weindl. Foto: cb
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Im Atelier Gleis 3 diskutierten (v. l.): Dr. Stephan Lenz, Dr. Stephan Kochen, Prof. Dr. Boris Pfaffenbach und Dr. Robert Weindl.

Podiumsdiskussion der FDP drehte sich um Nachwuchssorgen.

Von Manuel Böhnke

Eigentlich liest sich die Zahl der Hausärzte in Solingen nicht schlecht. Der Versorgungsgrad liegt bei 102 Prozent – auf dem Papier ein guter Wert. Die Realität sieht jedoch anders aus. „Viele Praxen finden keine Nachfolger. Patienten suchen verzweifelt nach einem neuen Arzt“, weiß Dr. Stephan Lenz. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Solingen diskutierte am Donnerstag mit Dr. Stephan Kochen (Solimed) und Prof. Dr. Boris Pfaffenbach (Chefarzt im Klinikum) über den Ärztemangel in Solingen. Eingeladen hatte dazu der FDP-Ortsverband Burg/Höhscheid.

Bereits jetzt sind laut Moderator Dr. Robert Weindl (FDP) in Solingen acht Hausarzt-Stellen unbesetzt. Die übrigen Kollegen können das zeitlich kaum auffangen, erklärte Stephan Kochen. Zwei ungünstige Entwicklungen verlaufen parallel. Zum einen steigen die durchschnittlichen Arztkontakte pro Patient kontinuierlich. Zum anderen ist ein nicht unerheblicher Teil der Hausärzte älter als 60 Jahre. Sie werden in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen, ohne dass ausreichend Nachwuchs in Sicht scheint.

Doch wie kann man dieser Entwicklung entgegensteuern? Grundsätzlich sei es notwendig, mehr Mediziner an der Uni auszubilden. In Boris Pfaffenbachs Augen könnte eine Lösung sein, vom bisherigen Bewerbungsverfahren teilweise abzurücken: „Die Abitur-Note ist nicht zwingend das beste Kriterium für den besten Arzt.“ Zudem sei es notwendig, mit flexibleren Arbeitszeiten auf die veränderte Lebenswelt der Nachwuchsmediziner zu reagieren.

Solingen kann mit dem Netzwerk Solimed punkten

Doch selbst wenn die Zahl der Medizin-Studierenden in den kommenden Jahren explodieren sollte, löst das nicht gleich die gegenwärtigen Probleme. Den Absolventen müsse schmackhaft gemacht werden, sich niederzulassen. Deshalb sei mehr Werbung für den Job des Allgemeinmediziners notwendig. Dazu können auch die Praxen selbst beitragen, indem sie Studierende beschäftigen oder verstärkt Hospitationen anbieten, sofern dies der enge Zeitplan zulässt. „Wir müssen zeigen, dass der Beruf attraktiv ist“, betonte Stephan Lenz.

Gleichzeitig müssten die Stärken des Standorts Solingen herausgearbeitet werden, um die jungen Mediziner nach ihrer Ausbildung als Hausärzte in der Stadt zu halten. Ein Schlüssel dabei könne die überdurchschnittlich gute Vernetzung durch den Verbund Solimed sein.

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