Corona-Impfung

Ärzte müssen bald viel Impfstoff entsorgen

Der Impfstoff, hier das Vakzin von Astrazeneca, wird in Vials geliefert. In denen von Astrazeneca sind je zehn Impfdosen. Foto: Tim Oelbermann
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Die Diskussion um das Vakzin von Astrazeneca hat Folgen - auch in Solingen.

Impfungen in Solingen: Diskussion über Astrazeneca, Johnson & Johnson, Nebenwirkungen und Kreuzimpfungen hat Folgen. Einer der Impfstoffe ist gar nicht mehr gefragt. Die Lage bei Hausärzten und im Impfzentrum unterscheidet sich aber.

Von Björn Boch

Solingen. War Impfstoff noch bis in den Juni ein knappes Gut, mehren sich nun Berichte, dass Ärzte Impfstoff vernichten müssen – und zwar nicht nur Restmengen, die nach der Aufbereitung nicht mehr verwendbar sind, weil Einzelne ihren Impftermin nicht wahrnehmen. „Was demnächst droht, ist das Verwerfen von ganzen Kontingenten“, berichtet Dr. Stephan Kochen im Gespräch mit dem ST.

Kochen ist Teil der medizinischen Leitung des Impfzentrums, impft aber auch in seiner eigenen Praxis. Vor allem die niedergelassenen Ärzte haben zurzeit zu viel Impfstoff – besonders von Astrazeneca.

Die Praxen hätten während der Impfstoffknappheit im ersten Halbjahr vor allem dieses Vakzin bestellen können. Nachdem seltene Hirnvenenthrombosen als Nebenwirkung aufgetreten waren und Astrazeneca nur noch an Über-60-Jährige verimpft werden sollte, hatte das Vakzin schnell ein Imageproblem.

Impfungen in Solingen: Diskussion über Nebenwirkungen und Biontech-Kreuzimpfung schadet Image von AstraZeneca

„Als dann auch noch die Kreuzimpfungen empfohlen wurden, war der Impfstoff völlig verbrannt“, so Kochen. Astrazeneca-Erstgeimpfte sollen als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff bekommen, also Biontech oder Moderna. Auch bei Johnson und Johnson, mit dem nur eine Impfung notwendig ist, sei es zunehmend schwieriger, Impfwillige zu finden. Kochen geht davon aus, dass in ganz NRW große Mengen an Impfstoff vernichtet werden müssen.
Dazu auch: Solinger Dezernentin will mehr Rechte für Geimpfte

Dr. Stephan Kochen impft in der Praxis und im Impfzentrum.

Das Problem: Die Chargen seien teils nur noch zwei, drei Wochen haltbar. „Dazu kommt der logistische Aufwand, auch in Bezug auf die Kühlketten“, betont Kochen. In vielen Praxen seien eher kleine Mengen vorhanden – deren Rückgabe und Umverteilung sei, anders als etwa im Impfzentrum, kompliziert und aufwendig.
Live-Blog zu Corona in Solingen: Solingen mit bundesweit dritthöchster Inzidenz - Impfmobil ab Montag in Ohligs.
Zumindest mit Astrazeneca wird sich das Problem nicht wiederholen. Bundesweit werde alle noch ausstehenden Astrazeneca-Lieferungen direkt an die internationale Initiative Covax gespendet, die ärmere Länder mit Impfstoff versorgt.

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO), zuständig für Solingen, sei nicht an der Distribution der Impfstoffe an die Praxen beteiligt, jede Praxis ordere die Impfstoffe selbstständig.

„Wir können keine konkreten Aussagen zu etwaigen entsorgten Impfstoffen und deren Mengen abgeben“, teilt KV-Sprecher Christopher Schneider mit. Die KVNO habe aber „von Praxen gehört“, die derzeit Impfstoff übrig haben – vor allem aufgrund nicht wahrgenommener Zweitimpfungs-Termine.

Impfzentrum Solingen: Bisher kein Problem mit übrig gebliebenen Impfungen

Das bestätigt auch Dr. Stephan Kochen, der jüngst 100 Zweitimpfungstermine vereinbart hatte – 85 Patientinnen und Patienten sind gekommen. Zum Glück, berichtet er, hatte er noch nicht alle Dosen aufbereitet, so dass am Ende nichts weggeworfen werden musste.

Bislang kaum Probleme mit übrig gebliebenem Impfstoff gibt es im Solinger Impfzentrum. Laut Udo Stock werde tagesaktuell bestellt, es musste lediglich einmal Impfstoff vernichtet werden: „Der Hintergrund war, dass der Impfstoff erst unmittelbar vor dem Verfall geliefert wurde und die Spedition ihn nicht mehr abholen konnte. Ansonsten haben wir das bis jetzt vermeiden können“, so der organisatorische Leiter des Impfzentrums.

Dazu auch: Impfzentrum Solingen schließt spätestens zum 30. September - Ärzte und Stadt stehen für mögliche dritte Impfung bereit

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