Gesundheit

Ärzte kämpfen gegen resistente Keime

Wollen den Antibiotika-Einsatz optimieren: (v.l.) Prof. Wolfgang Schwenk, (Chefarzt, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum), Dr. Stephan Kochen (Solimed), Mark S. Kuypers (Solimed), Dr. Ulrich Neuschäfer (Internist), Dr. Gia P. Nguyen (Chefarzt Innere Medizin St. Lukas Klinik), Dr. Stephan Lenz (Vorsitzender KV Kreisstelle Solingen), Oliver Hartmann (Regionaldirektor AOK), Dr. Sophie Schneitler (Klinik Bethanien). Foto: Uli Preuss
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Wollen den Antibiotika-Einsatz optimieren: (v.l.) Prof. Wolfgang Schwenk, (Chefarzt, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Klinikum), Dr. Stephan Kochen (Solimed), Mark S. Kuypers (Solimed), Dr. Ulrich Neuschäfer (Internist), Dr. Gia P. Nguyen (Chefarzt Innere Medizin St. Lukas Klinik), Dr. Stephan Lenz (Vorsitzender KV Kreisstelle Solingen), Oliver Hartmann (Regionaldirektor AOK), Dr. Sophie Schneitler (Klinik Bethanien).

Bei Erkältung werden zu oft Antibiotika verschrieben. Mediziner beteiligen sich an Studie.

Von Philipp Müller

Standpunkt von Philipp Müller

Weniger Antibiotika sollen die Solinger nehmen. Weniger, aber dafür zielgerichtet sollen die Ärzte in Solingen diese Pillen verschreiben. Mit einem dringenden Appell wenden sich das Solimed-Netzwerk der Solinger Haus- und Fachärzte und die drei Solinger Kliniken an die Bevölkerung der Klingenstadt. Die laufende Infektions-Welle, die immer noch für volle Arztpraxen und Notaufnahmen in den Kliniken sorge, habe eins gezeigt, erklärte gestern Dr. Stefan Lenz, der Vorsitzende der Solinger Kassenärztlichen Vereinigung (KV): Oft ist der Einsatz der Antibiotika verfrüht und dann sinnlos.

Die Kliniken und Ärzte lassen es aber nicht beim Appell, die Antibiotika sorgsamer einzusetzen. Sie nehmen bis 2020 neben weiteren 15 Ärzte-Netzwerken im Bundesgebiet auch an der „Arena“-Studie des Bundes teil. Arena steht dabei für „Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden“, erklärte Solimed-Geschäftsführer Mark Kuypers. Solimed gehören aktuell 125 Mediziner an, 68 davon aktiv.

Die versammelte Ärzteschar erklärte die Dramatik: Es gibt immer mehr gegen Antibiotika resistente Bakterien. Bekanntester ist MRSA, der „Krankenhauskeim“. Inzwischen sei er ein „Allgemeinkeim“, und „zehn Prozent der Solinger tragen bereits diese oder andere resistenten Bakterien in sich“, erklärte Solimed-Mitglied Dr. Stephan Kochen. Gefährlich werden sie, wenn man erkrankt, machte die Infektionologin Dr. Sophie Schneitler vom Klinikum Bethanien deutlich. Denn die vorhandenen Antibiotika wirkten nicht mehr zu 100 Prozent.

„Neue Antibiotika sind nicht in der Pipeline, da kommt nichts.“
Wolfgang Schwenk Chefarzt

Es ist noch schlimmer, wie Prof. Wolfgang Schwenk vom Klinikum verdeutlichte: „Neue Antibiotika sind nicht in der Pipeline, da kommt nichts.“ Nicht, weil die Pharmaindustrie nicht wolle, es sich nicht rechne. Die Wirksamkeit der Mittel sei fast auserforscht und die Bakterien würden immer resistenter.

Daher gehe es jetzt darum, die vorhanden Mittel bewusst einzusetzen und vor allem zielgerichtet. Weniger von den Breitband-Antibiotika sollen verschrieben werden. Motto: Weniger mit dem Hammer, mehr mit dem Verstand arbeiten.

SOLIMED

ZIEL Solinger Ärzte haben sich zum Ärztlichen Qualitätsnetz Solingen zusammengeschlossen. Ziel des Praxisnetzes ist es, die Qualität der medizinischen Versorgung zum Nutzen der Patienten zu verbessern.

Dazu gehöre auch, machte Oliver Hartmann von der AOK im Städtedreieck deutlich, dass die Patienten selbst nicht bei jeder Erkältung auf die Pillen in der Arztpraxis drängen. Die Ursache einer Erkältung auf Bakterien oder auf Grippe-Viren zurückzuführen, sei diagnostisch schwierig. Die Ärzte sollten daher erstmal auf das fiebersenkende Mittel setzten, appellieren Solimed und Klinken an ihre Kollegen. Und den Patienten lieber einmal mehr einbestellen, um den Einsatz der Medikamente ausschließen zu können, gab Dr. Lenz den Weg vor. Denn, das machten alle Mediziner deutlich: Gegen Viren helfen Antibiotika überhaupt nicht.

Am Ende, erklärte der Internist Dr. Gia Ngyuyen von der St. Lukas Klinik, nutze der nur zielgerichtete Einsatz der Mittel auch dem Patienten selbst. Die Forschung zeige: Wer viel Antibiotika einnehme, der werde anfälliger für andere Krankheiten. Auch dafür werden die Erkenntnisse der Studie eingesetzt. An der nehmen die Patienten anonym nach Zustimmung teil. 

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