Testen, testen, testen

Ärzte fordern Tests auch ohne Symptome

+
Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, und Dr. Stephan Lenz, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Solingen, setzen auf mehr Tests in der Früherkennung von Corona-Infektionsketten.

Es wird diskutiert, ob Krankenkassen die Kosten übernehmen, um Infektionsketten zu stoppen.

Von Simone Theyßen-Speich

Testen, testen, testen – diesen Appell formulierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. „Und diese Forderung ist auch absolut richtig“, betont Dr. Stefan Lenz, Vorsitzender der Solinger Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung. In der momentanen Situation sei es wichtig, viel zu testen, um mögliche Infektionsketten mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 früh zu erkennen und in der Folge zu stoppen.

Zunehmend werde mittlerweile auch in den Praxen der niedergelassenen Ärzte getestet, „das soll in den nächsten Tagen auch noch weiter etabliert werden“, sagt Lenz. In den ersten Wochen der Corona-Pandemie waren die Tests in Solingen zentral in der Lungenfachklinik Bethanien erfolgt. „Mittlerweile haben wir hier in Bethanien noch etwa 20 bis 30 Tests pro Tag, nach dem langen Wochenende waren es am Montag etwa 50 Testungen“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Winfried Randerath.

Es sei gut, dass jetzt auch in den Praxen getestet werde, betont die Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit Dr. Annette Heibges. „Je mehr Labore Tests durchführen können, desto besser verteilt sich die Auslastung.“ Mittlerweile gebe es die Ergebnisse nach etwa einem Tag. „Das ist wichtig, um schnell die Infektionsketten zu erkennen und zu reagieren.“

Labormaterial, um die Tests durchführen zu können, gebe es ausreichend. „Problematisch ist jetzt aber die Frage, wie mit Patienten umgegangen wird, die keine Symptome haben“, verweist Dr. Stephan Lenz auf ein aktuelles Problem. „Es soll zwar großzügig getestet werden, aber dafür wollen die Krankenkassen derzeit die Kosten nicht übernehmen“, so seine Kritik.

Umfangreiche Tests wären aber wichtig, etwa, wenn in einem Heim, einer Pflegeeinrichtung oder einer Schule ein Infektionsfall auftrete, um die Infektionskette sofort zu erkennen und zu durchbrechen. Bei einem Fall in einem Seniorenheim sei durch schnelle Tests eine Ausbreitung verhindert worden, so Dr. Annette Heibges. Dafür sei auch das mobile Testteam des DRK im Einsatz. „Diese Tests laufen derzeit beispielsweise über meine Praxis, die Kosten sind aber noch nicht geklärt“, berichtet Lenz. „Die gute Zusammenarbeit der vergangenen Wochen und das gute Solinger Ergebnis mit Blick auf die Coronaausbreitung dürfe jetzt nicht aufs Spiel gesetzt werden. „Wir werden da sicher eine Lösung finden, so dass diese Testungen weiter stattfinden können“, ist die Gesundheitsamtsleiterin optimistisch.

Insgesamt sei es wichtig, großzügig zu testen. „Aber auch das klinische Monitoring ist wichtig, also etwa in den Heimen den Allgemeinzustand der Bewohner im Blick zu haben“, betont Heibges. Und gerade jetzt müsse weiter auf Abstands- und Hygieneregeln geachtet werden. „Je mehr gelockert wird, desto fester müssen die anderen Säulen stehen“, lautet ihr Appell.

Die Lockerungen seien erforderlich, aber den Einrichtungen müsse auch genug Zeit gegeben werden, um sich vorzubereiten. Und jede Lockerung, etwa einzelne Besuche in Altenheime wieder möglich zu machen, berge auch neue Gefahren. „Das muss man wissen.“ Das etwa 50-köpfige Team des Gesundheitsamtes ist derzeit ausschließlich mit der Pandemie und der Nachverfolgung der Kontaktpersonen beschäftigt. „Wird eine Infektion nachgewiesen, werden die Kontaktpersonen zwei Wochen in Quarantäne gesetzt, bei Symptomen wird auch getestet. Ein Test kann nicht die Quarantäne ersetzen, weil er an einem Tag negativ ausfallen und man sich am nächsten infizieren kann.“ Das gäbe eine Scheinsicherheit. Die großzügigen Reihentestungen seien einer von vielen sinnvollen Bausteinen.

Das sieht auf Prof. Winfried Randerath so. „Die jetzt zusätzlichen Tests in den Praxen sind sinnvoll, wichtig ist aber dabei, dass die Testqualität gut ist, das Stäbchen durch die Nase weit in den Rachen eingeführt wird.“ Der Lungenfacharzt hofft, „dass die Menschen verstanden haben, dass das Virus weiterhin da ist. Wir wissen, dass es viele Infizierte gibt, die es selbst nicht merken, aber andere anstecken können.“

Jeder habe jetzt, wo Maßnahmen gelockert wurden, die Verantwortung, sich weiterhin richtig zu verhalten. Randerath hofft, dass jetzt kein Wettbewerb entsteht, wer was schneller wieder öffnet. „Ich bin nicht sicher, ob es sinnvoll war, die Schulen als erstes wieder zu öffnen.“

Finanzierung der Tests

Derzeit wird diskutiert, ob die Krankenkassen die Testkosten bei Menschen übernehmen, die keine Symptome zeigen, aber in einer Einrichtung mit Infizierten waren. Die Bundesregierung legt dem Bundestag am 15. Mai einen Gesetzentwurf vor, der vorschlägt, dass Kassen die Kosten von etwa 60 Euro pro Test übernehmen.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Nach 27 Minuten ausverkauft: Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe übertrifft alle Erwartungen
Nach 27 Minuten ausverkauft: Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe übertrifft alle Erwartungen
Nach 27 Minuten ausverkauft: Weinverkauf für Opfer der Flutkatastrophe übertrifft alle Erwartungen
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen weiter - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen weiter - Impfungen in Burg und Südpark
Corona: Inzidenz sinkt in Solingen weiter - Impfungen in Burg und Südpark
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Nach dem Hochwasser kehrt der Alltag nicht zurück
Solinger Jugendamt bestätigt Trend: Gefährdungen von Kindeswohl nehmen zu
Solinger Jugendamt bestätigt Trend: Gefährdungen von Kindeswohl nehmen zu
Solinger Jugendamt bestätigt Trend: Gefährdungen von Kindeswohl nehmen zu

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare