In der Adventszeit nach Antworten suchen

Stefan Ziegenbalg, Jahrgang 1963, ist seit 2014 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Wald. Er ist verheiratet mit der Widderter Pfarrerin Kristina Ziegenbalg und Vater zweier Kinder. Fotos: dt/cb
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Stefan Ziegenbalg, Jahrgang 1963, ist seit 2014 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Wald. Er ist verheiratet mit der Widderter Pfarrerin Kristina Ziegenbalg und Vater zweier Kinder. Fotos: dt/cb

Theologen laden im ST zur Andacht ein – heute der evangelische Pfarrer Stefan Ziegenbalg

Liebe Leserin, Lieber Leser,

Warten ist doof! Ich warte nicht gerne, nicht auf den Zug, nicht auf einen Gesprächspartner, nicht auf eine Diagnose. Das geht sicher vielen so. Aber manchmal bleibt einem das Warten nicht erspart. Jetzt gerade zum Beispiel: Der Advent beginnt, wir warten auf Weihnachten.

Seit meiner Kindheit gehört für mich der Adventskalender zur Adventszeit – damals noch mit kleinen Schokoladenfiguren vor bunten Plastikbildern. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie viele von uns Kids damals schon am ersten Tag die ganze Schokolade rausgefuttert hatten. Dann blieb bis Weihnachten nur noch das Bildchen drin. Eine sehr spezielle Art, mit der Wartezeit umzugehen – Weihnachten kommt so auch nicht schneller.

Dabei ist die Adventszeit als Vor-Weihnachtszeit vielen von uns wichtig, für manche sogar die schönste Zeit im Jahr. Die meisten schmücken in diesen Tagen liebevoll die eigenen vier Wände und hängen Lichterketten in den Vorgarten. Wir zünden Kerzen an, die in die trüben Tage Wärme und Geborgenheit bringen. Die Kerzen am Adventskranz leuchten heller – von Woche zu Woche.

Wir Christen erinnern uns auch daran, dass Gott in das Dunkel der Welt kommt und uns mit dem Leiden heute nicht allein lässt. Wir hoffen, dass er uns erlöst von dem, was uns runterzieht und fertigmacht. Vielleicht ist die Sehnsucht danach in diesem Jahr besonders groß, fast wie ein körperlicher Schmerz, so intensiv ist das „Nicht-erwarten-können“.

Die Adventszeit trifft auf Corona: Pläne zerplatzen, Geliebtes und Gewohntes wird dieses Jahr so nicht sein, eine neue Sehnsucht kommt zu den anderen: die Sehnsucht nach der Antwort auf die quälende Frage „Wann kommt der Impfstoff endlich?“ oder „Wann wird wieder alles normal und schön sein?“

Überall auf der Welt zünden Menschen Lichter an

Vielleicht heißen die entscheidenden Fragen in der Adventszeit 2020 aber auch: „Worauf warten wir eigentlich? Wonach sehnen wir uns? Wer oder was wird diese Sehnsucht stillen?“ Fragen, die sich die Menschen vor 2000 Jahren auch gestellt haben. Dann erleben sie: Weihnachten steht für das ganz Andere und Überraschende. Gott hilft den Menschen, die um Hilfe bitten, aber oft ganz anders als erwartet. Statt eines starken Superhelden kommt ein hilfloser Säugling – und der wird zur Hoffnung für so viele, die ihn brauchen.

Hat das für 2020 – für uns in diesem Corona-Jahr – noch eine Bedeutung? Sind wir bereit, uns von Gott überraschen zu lassen? Was erwarten wir heute überhaupt noch von Gott?

Corona trifft auf die Adventszeit – unheimlich viele Fragen und so erschreckend wenig Antworten. Aber vielleicht nutzen wir diese Adventszeit, um nach unseren persönlichen Antworten zu suchen. Wenn wir die Kerzen am Adventskranz anzünden, haben wir hoffentlich die nötige Ruhe dazu und spüren: Überall auf der Welt zünden Menschen diese Lichter an und sind mit uns verbunden im Fragen, Suchen und Hoffen auf Gottes Antwort.

Dann hat Warten die Chance, nicht mehr nur doof zu sein, sondern gut und wichtig, um die Hoffnung nicht aus den Augen zu verlieren – mitten in dieser dunklen Zeit. „Die Nacht geht zu Ende“, heißt es in der Bibel (Römerbrief 13,12), „bald bricht der Tag an.“ Ich wünsche Ihnen eine erfüllte Wartezeit im Advent!

Ihr Pfarrer Stefan Ziegenbalg

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