Chöre

In der Adventszeit bleiben die Solinger Sänger still

Unisono-Chorleiterin Elisabeth Szakács in der Ketzberger Kirche. Die Stühle bleiben vorerst leer.Foto:Michael Schütz
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Unisono-Chorleiterin Elisabeth Szakács in der Ketzberger Kirche. Die Stühle bleiben vorerst leer.

Rückblick auf eine bewegte Zeit – wenig bis gar nichts war möglich.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Die Pandemie hat Aktivitäten in der ganzen Stadt auf Eis gelegt. Die Solinger Chöre mussten in den letzten Monaten kreativ werden, um gemeinsam singen zu können. Das ST hat exemplarisch bei einigen Ensembles nachgefragt, wie sie diese Zeit erleben.

Der Gospelchor Unisono atmet gerade durch: ohne Proben. Der zweite Lockdown und die damit einhergehende erneute Ausbremsung lassen vorerst alle Ideen, Konzepte und Pläne in der näheren Zukunft ruhen. Auftanken ist gerade die Devise. Das Jahr sei mental anstrengend gewesen, sagt Chorsprecherin Sabine Rische, eine regelrechte Achterbahn zwischen Hoffnung und Enttäuschung. „Wir hatten im Frühling keinen wirklichen Begriff davon, wie lange uns diese Krise in diesem Ausmaß bestimmen würde. Zunächst haben wir Auftritte und andere Termine einfach nur auf Sicht verschoben, bis dann die Dimension der Pandemie immer klarer wurde.“ Nach einer kurzen Schockstarre Mitte März hatte Unisono sich schnell digitalen Möglichkeiten zugewandt.

„Wir waren uns unserer Funktion als möglicher Superspreader zu jeder Zeit bewusst.“
Rüdiger Gutsche, Unisono-Bassist

So wie auch der Chor Con Brio, wie Sopranistin Ilka Aurelio berichtet. Beide Chöre erzählen davon, dass die Online-Proben erstaunlich gut geklappt haben. „Da wurde viel ausprobiert, und alles wurde von Woche zu Woche besser“, erinnert sich Aurelio. „In Kleingruppen fanden Online-Proben am Bildschirm statt, bevor wir dann mit den erlaubten Lockerungen in den Sommer hinein mit akribisch ausgearbeiteten Probenplänen live weitergemacht haben.“

Unisono-Chorleiterin Elisabeth Szakács besuchte sogar Webinare, um für die neue Online-Herausforderung gut gerüstet zu sein. „Zunächst hatte ich Berührungsängste, aber dann ging es“, blickt sie zurück. Inzwischen ist sie längst routiniert damit – wie auch ihr Con-Brio-Kollege Volker Wirtz, der sozusagen mit Corona seinen Einstand als neuer Leiter gab: „Wir haben im späten Frühling sehr vorsichtig wieder angefangen mit den Live-Proben. Einige Sänger haben sich da auch ausgeklinkt mit dem Verweis auf ihre extrem hohe gesellschaftliche Verantwortung als Ärzte oder Lehrer“, so Ilka Aurelio. Wie bei Unisono aber „tat es einfach nur gut, sich endlich wieder richtig zu sehen, wenn auch unter besonderen Bedingungen und nur in kleinen Grüppchen.“ Für die Proben hatte Unisono-Chorleiterin Elisabeth Szakács die einzuhaltenden Abstände – zwei Meter zur Seite und sechs, später vier Meter nach vorne – im Gemeindesaal Tersteegenstraße sorgfältig ausgemessen.

Chöre arbeiten an musikalischen Lösungen für den Advent

Diese Chance gab es für die Con Brios nicht. Das bisherige Domizil an der Sternstraße stand nicht zur Verfügung und „so sind wir für eine Weile ins Freie, in den Walder Stadtpark ausgewichen“, erzählt Ilka Aurelio. Dann aber stand das Angebot, die Merscheider Kirche an der Hofstraße zu nutzen. Das habe gut funktioniert, um die gebotenen Abstandsregeln umzusetzen.

„Wir sind und waren uns unserer Funktion als möglicher Superspreader zu jeder Zeit sehr bewusst“, erklärt Unisono-Bassist Rüdiger Gutsche die akribische Befolgung der geltenden Regularien. „Jeder im Chor ist sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen. Als sich im Herbst die Zahlen wieder so negativ entwickelt haben, sind wir früher zurück auf Online-Proben gegangen, als wir das offiziell gemusst hätten. Da wollten wir keinerlei Risiko eingehen.“

„Der Zusammenhalt untereinander ist riesig, das trägt“, sagt Elisabeth Szakács und freut sich, „dass ich mich fest auf meine Unisonos verlassen kann. Die haben bisher alles mitgemacht und sich in der Krise wunderbar geschlagen mit all dem Hin und Her im Laufe des Jahres“.

Bei Con Brio wird ebenfalls nach vorne geschaut – auch da ist niemand im Ensemble abgesprungen „Wir hoffen sehr, dass wir im September 2021 konzertieren können. Das jedenfalls ist unser Ziel, auf das wir hinarbeiten und das wir im Blick haben. Ohne solch eine konkrete Motivation wäre diese Zeit schon sehr schwer zu überstehen.“

Bei den Chören in Dorp und Aufderhöhe ruht die Hoffnung auf dem Kommenden Jahr. 

Wegen ausfallender Auftritte kommen die Ensembles auch in finanzielle Not

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